'Trotz Matura wenig Luft im Hirn'

Aufmacherbild
 

Sumann: 'Trotz Matura wenig Luft im Hirn!'

Aufmacherbild
 

Eine Legende wird 40!

Christoph Sumann feiert rundes Jubiläum. Der Steirer, der nach den Olympischen Spielen 2014 in Sochi seine Karriere beendete, hat für Biathlon-Österreich Geschichte geschrieben.

Mit sechs Weltcupsiegen, drei Olympia- und vier WM-Medaillen sowie einer kleinen Kristallkugel ist er bis dato der erfolgreichste rot-weiß-rote Loipenjäger aller Zeiten.

Anlässlich seines Ehrentages hat Sumann, der immer einen lockeren Sprung auf den Lippen hat, im LAOLA1-Interview über seine bewegte Karriere, Höhen und Tiefen gesprochen. Die eine oder andere Anekdote durfte dabei nicht fehlen.

LAOLA1: Alles Gute zum 40er, Christoph! Zählst du dich noch zum jungen Gemüse oder eher zum alten Eisen?

Christoph Sumann: Ich gehöre noch nicht zum alten Eisen, aber das ist auch nicht so wichtig. Ich war nie einer, der seinen Geburtstag groß gefeiert hat. Andere gerne, aber meinen eigenen nicht. Je harmloser alles abläuft, desto lieber ist es mir. Es nervt mich eher. (lacht)

LAOLA1: Bist du kein Feierbiest?

Sumann: Überhaupt nicht, ich habe es eher gern gemütlich. Gutes Essen, ein Glaserl Wein – das reicht. Selbst gestaltete Mega-Parties sind überhaupt nicht mein Ding.

LAOLA1: Das Älterwerden ist kein Problem für dich?

Sumann: Es ist mir völlig wurscht. Ob 38, 39 oder 40, ist egal. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Meine Frau meint allerdings, es wird sich was ändern. (lacht)

LAOLA1: Was war der schönste Moment deines Lebens?

Sumann: Puh, ich habe ja zwei Kinder und geheiratet auch (lacht). Ich will da nichts bevorzugen und bin froh, dass ich sehr viele schöne Momente hatte. Es gab viele familiäre, aber auch berufliche Highlights. Das eine kann man aber nicht mit dem anderen vergleichen.

"Trotz Matura hatte ich während der Rennen oft ein bisschen wenig Luft im Hirn."

Christoph Sumann

LAOLA1: Deine größte Niederlage?

Sumann: Da hatte ich Gott sei Dank auch viele. Ich betone das mit Gott sei Dank, denn dadurch weiß man Erfolge viel mehr zu schätzen. Ich war zwar kein Seriensieger, aber ich hatte doch viele Erfolge. Olympia in Turin war aber schon eine Niederlage. Der letzte Platz mit der Staffel  – ein echter Tiefpunkt. Ich habe aber meinen Frieden mit Olympia gefunden. Inzwischen spielt die Sache überhaupt keine Rolle mehr in meinem Leben.

LAOLA1: Du sollst für die eine oder andere Rennanekdote gesorgt haben.

Sumann: Angeblich, ja. Trotz Matura hatte ich während der Rennen oft ein bisschen wenig Luft im Hirn (lacht).

LAOLA1: Hast du eine persönliche Lieblings-Anekdote?

Sumann: Das Problem ist, dass es mehrere gab und ich mir öfter gedacht habe, das kann doch nicht wahr sein. Bei Olympia in Salt Lake City habe ich mal eine Strafrunde vergessen. Ich war mir sicher, so etwas würde mir nie wieder passieren. Es hat sieben Jahre gedauert, bis mir das bei der WM 2009 wieder passiert ist. Da habe ich mir echt auf den Kopf gegriffen. Wie kann so etwas zweimal passieren?

LAOLA1: Zumal du dir ja nicht die unwichtigsten Wettkämpfe ausgesucht hast.

Sumann: Das stimmt, ich habe gleich die Highlights erwischt. Da es beide Male ein Sprint war, hat es mich im Grunde genommen vier Rennen gekostet.

LAOLA1: Falsche Scheiben …

Sumann: … auf die habe ich auch mal gezielt. Dazu den falschen Ski erwischt, weil ich den Einlauf- anstelle des Rennski genommen habe. Da kam einiges zusammen. Aber verlaufen habe ich mich dafür nie.

Sumann und Co. feiern Staffel-Bronze in Sochi
Foto: © GEPA

LAOLA1: Gibt es etwas, das du bereust?

Sumann: Ich bereue, dass ich einige Fehler in der Vorbereitung, im Training gemacht habe. Ich hätte es mir selbst leichter machen und mir die eine oder andere schlechte Saison ersparen können.

LAOLA1: Was fehlt dir?

Sumann: Überhaupt gar nichts. Ich bin ja doch noch im Tross dabei. Der Wettkampfstress fehlt mir absolut nicht, aber ich bin ja nach wie vor Fan. Ich habe den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören erwischt, das muss man auch erst mal schaffen. Ich hatte Höhen und Tiefen und kann jetzt viel erzählen. Ich wollte aber nicht mehr, es hat mir gereicht.

LAOLA1: Dein schönster Erfolg?

Sumann: Das ist schwer zu beantworten. Mein erster Sieg (Brezno-Osrblie 2001, Anm.) liegt schon so weit zurück, dass die Erinnerungen nicht mehr greifbar sind. Extrem emotional war die Bronzemedaille in Sochi, das ist auch alles noch so frisch. Dazu auch mein letzter Weltcupsieg in Khanty-Mansiysk 2013 nach einer extrem schwierigen Situation.

LAOLA1: Wer war dein Lieblingstrainer?

Sumann: Am besten habe ich mich mit Gösweiner Reini verstanden. Das war die große Wende in meiner Karriere. Ich wollte eigentlich aufhören, doch dann kam er und der große Erfolg hat sich eingestellt. Da hat alles gepasst, wir waren uns grün und sind das immer noch. Ich habe ihm viel zu verdanken.

LAOLA1: Sein Nachfolger Remo Krug war schwieriger?

Sumann: Ich habe mich auch mit ihm verstanden, nur auf einer anderen Ebene. Als Sportler muss man so professionell sein, mit jedem klar zu kommen. Man arbeitet ja zusammen. Er war ein anderer Typ.

LAOLA1: Welcher Gegner war dein stärkster?

Sumann: Schwierig, mein längster war jedenfalls Meso (Daniel Mesotitsch, Anm.). Ich kann mich an Österreichische Meisterschaften der Klasse Schüler 1 erinnern. Im Kleinwalsertal irgendwo, da waren wir elf oder zwölf. Ab da musste ich jedes Jahr mit ihm raufen. Damals hat er mich noch geschlagen, er war Zweiter, ich Fünfter. (lacht) Dazu auch Fritz Pinter, der viele Jahre mein Kollege war. Auch international habe ich mich mit vielen verstanden, wo es über das Kollegiale hinausging. Landi gehört auch dazu. Er war damals noch das Kücken im Team, als er zu uns kam. Wir mussten ihn ein bisschen zurecht stutzen und formen, er ist auch ein besonderer Typ.

Christoph Sumanns Karriere

Olympia 2x Silber, 1x Bronze
Weltmeisterschaften 2x Silber, 2x Bronze
Weltcup 6 Einzel-, 5 Staffelsiege
Gesamtweltcup
  1. Platz 2009/10
Einzelweltcup
  1. Platz 2009/10

LAOLA1: Habt ihr aber gut hinbekommen?

Sumann: Absolut! Wir konnten ihm hoffentlich ein bisschen auf seinem Weg helfen, im Grunde genommen hat er es aber alleine geschafft.

LAOLA1: Welche Biathletin hast du bewundert?

Sumann: Magdalena Neuner war schon sehr beeindruckend. Mit dieser Lockerheit diesem Druck standzuhalten und so erfolgreich zu sein, war stark. Dann auch noch die Coolness und Kaltschnäuzigkeit zu haben, zu sagen: Ich höre auf und werde Mama! Das ist echt beeindruckend.

LAOLA1: Dein Input, um Biathlon noch spektakulärer zu gestalten?

Sumann: Die Formate sind gut. Wenn es nach mir geht, sollte der Einzel bleiben, weil es der Ursprungsbewerb im Biathlon ist. Viele sind nicht glücklich darüber, aber mir hat er immer Spaß gemacht. Was man ändern könnte: Mixed- und Single-Mixed-Staffel an einem Tag durchzuführen, ist komplett für die Würscht. Ich finde, dass beim Single-Mixed die Besten am Start stehen sollten. Dann wäre das ein absolut geiler Bewerb. Ich möchte da Svendsen oder Björndalen mit Eckhoff und Fourcade mit Dorin sehen, wie sie sich einen Showdown liefern. Zwei Staffeln pro Nation, dann wäre das interessant. So nehmen sich die Staffeln gegenseitig die Leute weg, das ist völliger Wahnsinn.

LAOLA1: Dein Wunsch für die Zukunft?

Sumann: Gesund bleiben. Und dass der Winter vielleicht zurückkehrt. Bei mir daheim ist zwar schönes Wetter, aber kaum Schnee. Das ist mühsam.

LAOLA1: Wie wird der 40er gefeiert?

Sumann: Ich habe einen Elternvereinsabend, so schlimm wird’s nicht werden. (lacht) Aber auf ein Glaserl werden wir schon anstoßen. Ansonsten habe ich mir eine Skitour mit meiner Frau gewünscht.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christoph Nister

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare