Rodionov: "Hab mich gefragt, ob ich bei Trost bin"

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Mit dem aufsehenerregenden Fünfsatz-Sieg nach 0:2-Satzrückstand und Abwehr eines Matchballs über Jeremy Chardy hat sich Youngster Jurij Rodionov einen Teil der Schlagzeilen am ersten Tag der French Open erhamstert.

Nach langer Behandlung nach seinem 4:36-Stunden-Match berichtet er von körperlichen Defiziten, die er aber bis Mittwoch in den Griff bekommen sollte. Nun geht es überraschend gegen den Slowaken Norbert Gombos, der den gesetzten Kroaten Borna Coric schlug.

Ein bisschen war es auch eine Parallele zum US-Open-Finale, als es Dominic Thiem gelang, ein 0:2 in Sätzen gegen Alexander Zverev noch zum Sieg zu wandeln.

"Ich muss sagen, als ich 0:2 hinten war, habe ich jetzt nicht an Dominic gedacht oder gedacht, dass ich vielleicht das Gleiche machen könnte. Aber ich bin immer noch sprachlos. Ich habe mich jetzt eineinhalb Stunden durchkneten lassen beim Physio und ich kann es noch immer nicht packen, was in den letzten sechs Stunden passiert ist", freut sich der gebürtige Nürnberger, der seit 2015 Österreicher ist und weißrussische Eltern hat.

"Beim Matchball nicht mehr gewusst, wie ich Tennis spielen soll"

Zu Beginn habe er einfach nur Spaß haben wollen. "Und nach viereinhalb Stunden gewinne ich auf einmal die Partie mit 10:8. Ich bin mit den Kräften komplett am Ende, aber ich bin überglücklich über den Sieg", freut sich der Niederösterreicher, der seit 16. Mai 21 Jahre jung ist.

Als Schlüsselmoment bezeichnet er das "Tiebreak oder generell die Schlussphase im dritten Satz". Chardy sei dann schon zweimal mit Break vorangelegen. "Danach habe ich es einfach locker genommen im Tiebreak, hab mir gesagt, 'du hast nichts zu verlieren, wäre schön, wenn du ihn vielleicht noch einen Satz ärgern könntest.'"

Danach habe er besser gespielt, mehr Selbstvertrauen bekommen und "Chardy ist ein bisschen eingeknickt. Das war der Schlüsselpunkt."

Dabei brauchte er im Entscheidungssatz insgesamt sieben Matchbälle und einen mentalen Kraftakt. "Ich habe mich gefragt, ob ich nicht ganz bei Trost bin. Alles super bis zum Matchball und beim Matchball weiß ich nicht mehr wie ich Tennis spielen soll. Ich habe sogar eine Vorhandauflage ins Netz versemmelt, aber zum Glück Ende gut, alles gut." Nächstes Mal werde er auf solche Momente besser vorbereitet sein.

Zur Belohnung ein Training mit Wawrinka

Nun geht es am Mittwoch gegen den ungesetzten Slowaken Norbert Gambos anstelle von Borna Coric, der Nummer 24 des Turniers. "Zu verlieren habe ich nichts, schon in der ersten Runde nicht. Ja, ich habe das Ergebnis gesehen, dass Gombos gegen Coric gewonnen hat, ein bisschen überraschend. Gombos kenne ich nicht wirklich", sagt Rodionov.

Zunächst freut er sich auf ein für Dienstag angesetztes Training mit dem Schweizer Star Stan Wawrinka, am Mittwoch will er seine angeschlagenen Adduktoren wieder in den Griff bekommen.

"Es ist nichts Schlimmes, es ist nur eine kleinere Verhärtung. Die größere Erschöpfung ist auf jeden Fall mental, weil ich es einfach nicht gewohnt bin, besonders bei diesen Bedingungen viereinhalb Stunden auf dem Platz zu stehen. Aber ich bin durch, das ist das Wichtigste. Ich habe alles auf dem Platz gelassen, was ich hatte."

Der Schützling von Tour-Coach Javier Frana unter den Fittichen von Wolfgang Thiem hat schon jetzt ein Brutto-Preisgeld in Höhe von 84.000 Euro sicher. Und die Marke des ersten Sieges auf Tour-Level. Zuvor hatte er zweimal in Kitzbühel (2018, 2019) und 's-Hertogenbosch (2019) verloren.

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