10 Gründe für Thiem-Triumph in Roland Garros

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Dominic Thiem kann am Sonntag (ab 15 Uhr im LIVE-Ticker) österreichische Sportgeschichte schreiben und sich als erst zweiter Tennis-Spieler nach Thomas Musters Premieren-Erfolg im Jahr 1995 einen Grand-Slam-Titel im Einzel sichern.

Mit dem zehnfachen Paris-Sieger Rafael Nadal ist die Hürde allerdings höher, als sie es kaum sein könnte. Wir haben trotzdem zehn gute Gründe für einen rot-weiß-roten Sieg im mit Hochspannung erwarteten Gipfeltreffen der beiden besten Sandplatz-Spieler der Welt gefunden.

Darum klappt es heuer mit dem Premieren-Sieg für den 24-jährigen Niederösterreicher:

Die mentale Stärke

Noch wenige Tage vor dem Beginn der French Open gab Thiem zu, dass er Probleme damit habe, in ein Match zu starten und zu oft während einer Partie unter Konzentrationsschwächen leide (Hier nachlesen). „Ich muss lernen, das zu steuern“, nahm sich der ehrgeizige Lichtenwörther vor. Und setzte es im Handumdrehen in Paris um: Nur in der dritten Runde gab er gegen Matteo Berrettini gleich zu Beginn seinen Aufschlag ab. Ansonsten agierte Thiem von Start weg extrem konzentriert und behielt diesen Fokus meist auch durchweg bis zum Ende.



Der Return

Jahrelang fehlte Dominic Thiem im Vergleich zu den absoluten Superstars der Szene vor allem eines: Ein starker Return, mit dem er als Rückschläger schnell in den Ballwechsel kommt und in Folge sein Spiel aufziehen kann. In längeren Rallyes gibt es schließlich sowieso nur wenige Spieler, die mit Thiems kraftvollen Top-Spin-Schlägen von der Grundlinie mithalten können. Dass er in diesem Bereich dazugelernt hat, hat er vor allem im Spiel gegen Alex Zverev unter Beweis stellen können. Trotz eines starken Percentage des Deutschen beim ersten Aufschlag (71 Prozent) holte Thiem beim Return jeden zweiten Punkt.

Der Aufschlag

Mit 224 km/h servierte Dominic Thiem den bislang schnellsten Aufschlag im Turnierverlauf. Dass der Niederösterreicher über ein gefährliches Service verfügt, ist bekannt, leider haperte es vor allem zu Saisonbeginn noch an der Konstanz (oft unter 50 Prozent Percentage). So kam es nicht von ungefähr, dass in der durch die Knöchelverletzung nötigen Zwangspause kurz vor der Sandplatz-Saison auch auf das Aufschlagspiel verstärktes Augenmerk gerichtet wurde. Es hat sich ausgezahlt: In den bisherigen Matches kam Thiem bei den ersten Aufschlägen konstant über 60 Prozent. Sein Leben bei den eigenen Service-Games erleichtert sich dadurch merklich.


Wer gewinnt die French Open?


Freundin Kiki

Dass eine funktionierende Beziehung für einen Tennis-Spieler extrem wichtig ist, haben in der Vergangenheit schon viele Beispiele gezeigt. Seit dem vergangenen Jahr ist Thiem mit seiner französischen Top-10-Kollegin Kristina Mladenovic liiert. Neben der romantischen Komponente bringt dies auch einen recht praktischen Vorteil mit sich. Während der French Open wohnt Thiem in der Wohnung seiner Liebsten nahe der Tennis-Anlage von Roland Garros und erspart sich damit eine oft mühevolle Anreise durch die dichten Straßen von Paris. Eine Annehmlichkeit, die Thiem immer wieder als großen Vorteil hervorstreicht. Außerdem lernt Thiem schon seit längerem Französisch, auch wenn er sich damit bis jetzt in der Öffentlichkeit noch zurückhielt. Bei der finalen Siegerehrung wäre der perfekte Zeitpunkt, dem französischen Publikum seine neu erworbenen Kenntnisse zu präsentieren und weitere Sympathiepunkte zu sammeln.

Galo Blanco

Seit Ende vergangenen Jahres verstärkt Galo Blanco das Trainerteam von Dominic Thiem. „Galo gibt mir neuen Input. Es hilft, dass er selbst Profi war und diese Situationen kennt. Das ist ein großer Vorteil“, schwärmt er über die Zusammenarbeit mit dem Spanier, der das Lob nur zurückgeben kann: „Es ist einfach, mit ihm zu arbeiten, weil er ein harter Arbeiter ist. Er hat kein Problem damit, die notwendige Zeit auf dem Court zu verbringen, um sich zu verbessern.“


WAS FEHLT THIEM NOCH ZUM SUPERSTAR?

Ist Dominic Thiem zu fad, um ein echter Superstar auf der ATP-Tour zu werden? Und was fehlt ihm spielerisch noch? LAOLA1 on Air - der Sport-Podcast hat mit Dominic und Wolfgang Thiem gesprochen und geht in einer von Moderator Bernhard Kastler geführten Diskussionsrunde mit Kurier-Tennis-Journalist Harald Ottawa und LAOLA1-Experte Christian Frühwald diesen Fragen nach. Viel Spaß beim Reinhören!


Die Fitness

Dominic Thiem gilt gemeinsam mit Novak Djokovic als einer der fittesten Spieler auf der ATP-Tour. Der 24-jährige Niederösterreicher ordnet seinem Lebensstil beinahe komplett seinem Job als Tennis-Profi unter. So beschäftigt er sich schon seit Jahren ausgiebig mit dem Thema Ernährung. Zudem leistet er sich mit dem Deutschen Alexander Stober einen der besten Physiotherapeuten auf der ATP-Tour. „Er ist für mich der beste Physio den es gibt. Er macht mich topfit für jedes Match“, so Thiem, der noch vor wenigen Monaten wegen einer Knöchelverletzung fünf Wochen pausieren musste.

Günter Bresnik

Der große Strippenzieher hinter den Kulissen war, ist und bleibt Günter Bresnik. „Günter ist derjenige, der die Linie vorgibt und Dominic am besten kennt“, erklärte Vater Wolfgang Thiem, Bresniks rechte Hand in der Tennis-Akademie in der Südstadt, vor wenigen Wochen im LAOLA1-Interview. Der 57-Jährige betreut Dominic nicht nur seit dessen 13. Lebensjahr als Chef-Coach sondern ist auch dessen Manager. „Würde ich es nicht machen, wäre ein anderer Manager da und dann hätten wir ständig Auseinandersetzungen", sagt Bresnik. Ein Grand-Slam-Titel wäre quasi die Krönung der langjährigen Zusammenarbeit. "Ich traue es ihm zu. Sollte es nicht gelingen, geht die Welt aber auch nicht unter", gibt sich Brensik vor dem Endspiel gewohnt abgebrüht.

Die Familie

„Ohne meiner Familie wäre ich nicht da, wo ich heute bin“, streicht Dominic Thiem immer wieder die große Bedeutung seines familiären Umfelds heraus. Die Eltern Wolfgang und Karin – beides Tennislehrer - förderten schon in jungen Jahren das große Talent ihres Sohnes. Die Großeltern begleiteten den kleinen Dominic auf die ersten Turniere und der kleine Bruder Moritz teilt mit Dominic die große Leidenschaft Tennis.

Die Planung

Für die Superstars der Tour ist es immer besonders wichtig, ihre Topform bei den wichtigsten Turnieren abrufen zu können. Ein Unterfangen, das auch Dominic Thiem vor allem in Roland Garros perfektioniert zu haben scheint. „Es ist unglaublich, wie sehr Thiem immer wieder auf den Punkt genau seine Topform bei den French Open abrufen kann“, zieht Eurosport-Experte Boris Becker den Hut vor dem Niederösterreicher, der zu Beginn der Sandplatz-Saison – auch aufgrund seiner Knöchelverletzung – noch einige Startschwierigkeiten hatte.

Finalgegner Rafael Nadal

Auch wenn das jetzt vielleicht ein bisschen maßlos klingt: Rafael Nadal ist für Thiem als Finalgegner vielleicht sogar ein bisschen angenehmer, als es Juan Martin Del Potro gewesen wäre. Während er gegen den Gaucho nach vier Duellen noch ohne Sieg ist, darunter die bittere Fünf-Satz-Niederlage bei den US Open 2017, sieht die Bilanz gegen den zehnfachen French-Open-Sieger gar nicht so schlecht aus. Von neun Duellen gewann Thiem immerhin drei – alle davon auf Sand. Beachtlich ist diese Statistik vor allem deshalb, weil Nadal in seiner Karriere insgesamt nur 36 Matches auf seinem Lieblingsbelag verlor – bei 414 Siegen! Nur Novak Djokovic konnte auf roter Asche öfter gegen den Spanier gewinnen.

Textquelle: © LAOLA1.at

French Open: Thomas Muster freut sich für Dominic Thiem

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