"Das macht es persönlicher für mich" - Rodionovs echter Heimsieg
Jurij Rodionov startet perfekt ins Davis-Cup-Wochenende. Viel wichtiger als die eigene Leistung sei der gesammelte Punkt. "Das ist das Einzige, was zählt."
von Florian Malcher
Mit dem 1:0 macht Jurij Rodionov den ersten Schritt Richtung Bologna (zum Spielbericht >>>).
Für den Teamleader war der Davis-Cup-Auftakt vor 3.500 Zusehern im Wiener Prater etwas ganz besonders. Gegen Gauthier Onclin galt Rodionov außerdem als leichter Favorit.
Ein echtes Heimspiel
Eine Situation, mit der er sich erstmal zurechtfinden musste: "Wir spielen in Wien und beim WAC. Das sind alles Orte, die für mich sehr persönlich sind. Ich habe für den WAC selbst viele Jahre gespielt. Deswegen macht es das umso persönlicher für mich. Diesmal war ich einfach der klare Favorit und musste liefern."
Den ersten Satz konnte Rodionov mit 6:4 für sich entscheiden. Dessen Verlauf war allerdings lange auf Messers Schneide.
Der Wahlwiener blickt mit gemischten Gefühlen auf den Spielbeginn zurück: "Besonders im ersten Satz habe ich mich eigentlich mit dem Aufschlag gerettet. Ich glaube, ohne so einen guten Aufschlag wäre es deutlich schwieriger geworden. Einige Bausteine waren da, aber einige waren komplett weg."
Das Gefühl des 27-jährigen täuscht nicht. Besonders die gute Aufschlagquote des Wahlwieners hat zum Erfolg geführt. Insgesamt neun Asse stehen am Schluss in der Statistik zu Buche.
"Egal ob ich gut oder schlecht gespielt habe"
Im zweiten Satz wurden früh die Weichen Richtung Erfolg gestellt, nach dem die Nervosität verflogen war: "Im Laufe des zweiten Satzes wurde es ein bisschen besser. Grundsätzlich muss ich natürlich dann, wenn ich morgen gegen den Zizou Bergs spiele, besser spielen."
Aus österreichischer Sicht steht ein eingeplantes 1:0 nach dem ersten Spiel in der Ergebnisliste. "Es ist egal, ob ich schlecht gespielt habe und gewonnen habe, oder ob ich gut gespielt habe und gewonnen habe. Am Ende des Tages steht es 1:0 für Österreich. Das ist das Einzige, was zählt", resümiert der siegreiche Rodionov.
Rodionov konnte sich auch auf die zahlreichen Fans im Wiener Prater verlassen. Die Stimmung hat ihn zusätzlich beflügelt: "Die Kulisse war hervorragend. Ich bin in letzter Zeit eher gewohnt, indoor zu spielen. Da heizt es ein bisschen mehr und es fühlt sich alles ein bisschen näher an. Jetzt hier im WAC, einem Outdoor-Event, geht das meiste Geräusch oben raus. Es fühlt sich nicht so eng an. Aber bei so vielen Zusehern - es hat sich auf jeden Fall sehr, sehr schön angefühlt."
"Bin lange genug Profi"
Morgen könnte Jurij Rodionov gegen Zizou Bergs spielen. Kommt ihm der langsame Sandplatz entgegen oder wird es zum Nachteil?
"Ein Nachteil wird es wahrscheinlich nicht, auch wenn es für mich jetzt nicht das Positivste ist. Wenn ich auf Sand etwas gut kann, dann ist es eher mit der Vorhand zu agieren und hohe Spins zu spielen. Das ist natürlich auf langsamem Sand suboptimal. Aber heute hat es auch gereicht, gegen einen Spieler, der es eher mag, auf solchem Sand zu spielen. Ich bin schon lange genug Profis. Das sind Umstände, an die man sich gewöhnen kann und muss."