Thiem: "Hab mich in Negativspirale reingejammert“

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Souverän war die Vorstellung von Österreichs Tennis-Ass Dominic Thiem in der zweiten Runde der Australian Open gegen Wild-Card-Spieler Alex Bolt nicht gerade.

Nach fast dreieinhalb Stunden Spielzeit stand am Ende trotz allem ein hart verdienter Fünf-Satz-Erfolg, der den Einzug unter die letzten 32 in Melbourne bedeutete.

"Das Positive ist der Sieg", hielt der 26-jährige Niederösterreicher im ServusTV- Interview fest. "Die Statistiken waren okay, die Winner-Fehler-Bilanz war sehr positiv (Anm.: 56:31)."

Leistungsloch verlängerte Arbeitstag

Thiem wollte aber auch auf keinen Fall sein Leistungsloch in der Mitte der Partie beschönigen. Ihm war klar, dass er seinen Arbeitstag erheblich einfacher gestalten hätte können.

„Ich habe gut begonnen und dann auch im zweiten Satz alles unter Kontrolle gehabt. Bei 5:4 hab ich ein richtig schlechtes Aufschlag-Game gespielt und dann haben sich die Dinge komplett gewendet“, lässt Thiem den Spielverlauf Revue passieren.

„Er (Anm.: Bolt) hat plötzlich viel besser gespielt und auch das Publikum hat ihn frenetisch unterstützt. Im dritten Satz habe ich viele Chancen nicht genutzt“, ärgerte sich Thiem, der keinen einzigen seiner sieben Breakbälle verwerten konnte und schließlich ins Tiebreak musste. „Dort hat er richtig stark gespielt und das habe ich dadurch auch verdient verloren.“

„Habe mich in Negativspirale reingejammert“

Besonders sauer war der Lichtenwörther auf seine mentale Performance. „Ich habe mich selbst extrem über mich geärgert, weil ich nicht ausserviert habe – denn hätte ich das gemacht, wäre das Match ja schon fast gegessen gewesen. Ich habe mich dann in eine Negativspirale reingejammert.“

Was Thiem als „Kampf gegen die eigenen Dämonen“ bezeichnete, war für jedermann in der 10.500 Zuschauer fassenden Melbourne Arena gut erkennbar. Mit hängendem Kopf trottete er während der Ballwechsel missmutig über den Court. „Die Körpersprache war ganz schlecht. Die muss ich auf jeden Fall verbessern.“

Verwarnung für Thomas Muster

Dieser Meinung war auch Neo-Coach Thomas Muster, der in der Spielerbox den Einbruch seines Schützlings mit säuerlichem Blick beobachtete und mit allen Mitteln versuchte, Thiem wieder einen positiven Push zu verleihen. Für seine Bemühungen kassierte der ehemalige Weltranglisten-Erste eine Verwarnung vom Stuhl-Schiedsrichter – bei einer weiteren hätte es sogar einen Strafpunkt für Thiem gegeben.

„Dass ich nicht aufgebe und bis zum Ende kämpfe, sollte definitiv von mir selbst kommen und nicht von der Spielerbox. Aber es ist natürlich ein gutes Gefühl, wenn du eine tolle Unterstützung aus der Box hast“, kommentierte Thiem bei der Pressekonferenz das emotionale Coaching seines Betreuers.

Den Glauben an den Sieg hätte er sowieso nie verloren. Auch nicht nach dem Verlust des dritten Satzes.

"Körperlich nicht so ausgelaugt"

„Ich habe gewusst, dass er (Anm.: Bolt) schon in der ersten Runde über fünf Sätze gehen musste und deshalb gehofft, dass er dieses Level nicht solange halten kann, um im Match zu bleiben. Das ist dann auch so gekommen“, so Thiem, der im vierten und fünften Satz endlich einige seiner vielen Breakchancen nützen konnte.

Trotz der geleisteten Überstunden ist der Weltranglisten-Fünfte zuversichtlich, nicht zu viel Kraft für den weiteren Turnierverlauf vergeudet zu haben.

„Das gehört zu einem Grand-Slam-Turnier dazu. Die Bedingungen waren heute gut, es war nicht zu heiß. Deshalb hat mich dieses Match körperlich nicht so ausgelaugt. Ich bin zuversichtlich, dass ich am Freitag gut regenerieren kann.“

Nun gegen Taylor Fritz

Am Samstag bekommt es Thiem im Kampf um sein drittes Australian-Open-Achtelfinale nach 2017 und 2018 mit Taylor Fritz zu tun.

Das Head-to-Head spricht für den ÖTV-Spieler: Zwei der bisherigen drei Duelle konnte der Lichtenwörther jeweils bei den US Open für sich entscheiden. Nur im Vorjahr musste er sich beim Laver Cup Fritz knapp im Match-Tiebreak geschlagen geben.

„Die Körpersprache muss ich verbessern und natürlich die Jammerei abstellen“, hatte sich Thiem schon kurz nach dem Bolt-Match fest vorgenommen. „Ich muss mich auf jeden Fall besser präsentieren.“

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Textquelle: © LAOLA1.at

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