"Das Murray-Match war einfach nur unglaublich"

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Für Gerald Melzer sind die Australian Open 2017 etwas ganz Besonderes.

Erstmals steht der 26-jährige Deutsch-Wagramer direkt im Hauptbewerb eines Grand-Slam-Turniers, erstmals überhaupt im Hauptfeld des sogenannten „Happy Slams“.

„Das ist schon mal ein schöner Start, hier nicht in der Qualifikation beginnen zu müssen. Das ist wieder eine neue Erfahrung“, freut sich der Weltranglisten-82. im Gespräch mit LAOLA1 über seinen neuen Status.

Zum Auftakt bekommt er es mit Alex De Minaur (AUS) zu tun.

Australisches Top-Talent

Der erst 17-jährige Wild-Card-Starter gewann in Melbourne im Vorjahr den Junioren-Bewerb. 2016 siegte De Minaur auch beim Challenger im deutschen Eckental gegen Jürgen Melzer.

Von seinem Bruder will sich Gerald dementsprechend noch Informationen holen: "Das müssen wir uns genau anschauen. Ich kenne De Minaur nicht, habe aber mitbekommen, dass er heuer schon sehr gut gespielt hat."


Melzer spielt damit auf die erfolgreiche Qualifikation des Youngsters in der Vorwoche in Brisbane an. Zudem schlug De Minaur in dieser Woche Benoit Paire (FRA) in der ersten Runde von Sydney, wo er dank einer Wild Card im Hauptbewerb stand. Danach musste er gegen Andrey Kuznetsov (RUS) vorzeitig aufgeben.

"Es wird schwer werden", so Melzer, der sich aber auf eine spezielle Atmosphäre einstellt. "Es wird sicher eine tolle Stimmung sein, auch wenn die Zuschauer nicht für mich sein werden. Ich freue mich darauf!"

Viel Lob von Andy Murray

Melzer geht mit breiter Brust in diese Partie ("Mich müssen die Leute hier auch einmal schlagen"). Schließlich hat er erst in der Vorwoche in Doha bewiesen, was alles in ihm steckt. Im Achtelfinale forderte er keinem Geringeren als dem Weltranglisten-Ersten Andy Murray alles ab.

„Das war echt unglaublich. Ein einmaliges Erlebnis“, erinnert sich Melzer an diese denkwürdige Partie zurück.

Vor allem das nachträgliche Lob von Murray selbst habe ihn sehr gefreut. Er, Melzer, habe exzellent gespielt, war der dreifache Grand-Slam-Sieger vom Niederösterreicher beeindruckt.

„Er war sehr, sehr aggressiv und hat sich gut bewegt. Er ist viel besser als jemand, der im Ranking auf Platz 69 steht“, verabreichte ihm Murray eine verbale Mut-Injektion für die Zukunft.

Melzer bleibt bescheiden

„Diese Aussagen geben mir sehr viel Selbstvertrauen. Ich habe da wirklich ein sehr, sehr gutes Match gespielt. Wobei es natürlich immer einfach ist, wenn man nichts zu verlieren hat“, gibt sich Melzer ob seiner Darbietung aber bescheiden.

Ein paar Tage habe es jedenfalls gedauert, um die ganzen Eindrücke zu verarbeiten. „Mit Ausnahme von Kitzbühel und der Stadthalle habe ich ja noch selten vor so einer Kulisse gespielt. Es war in jedem Fall eine super Erfahrung. Hoffentlich komme ich noch öfter zu solchen Matches. Daraus kann man viel mitnehmen.“

"Ich habe gemerkt, dass er gar nicht so schnell spielt. Ich bin früh in den Platz reingegangen und habe einfach drauflos gefeuert."

Melzer über seine Taktik gegen Murray

Nervös sei er nur vor der Partie gewesen. „Nach dem ersten Aufschlagspiel hat sich das dann ziemlich gelöst. Ich habe gemerkt, dass er gar nicht so schnell spielt. Ich bin früh in den Platz reingegangen und habe einfach drauflos gefeuert.“

Schwerpunkt auf der Aggressivität

Diese spielerische Aggressivität sei auch einer der Schwerpunkte in der Saisonvorbereitung unter Coach Werner Eschauer gewesen. „Ich nehme jetzt die Bälle früher. Auch am Aufschlag haben wir gearbeitet. Ich habe mich als Tennis-Spieler ein Stück weiter verbessert."

Körperlich habe er das Level im Winter ebenfalls noch ein Stückchen anheben können. Schon im Sommer, als er in Kitzbühel bis ins Halbfinale stürmte, bezeichnete er sich dank der Arbeit mit Konditions-Coach Philipp Wessely als einer der fittesten Spieler auf der Tour. Ein Umstand, der sich vor allem im heißen Australien als hilfreich entpuppen könnte.

Apropos Australien: Erst zum zweiten Mal überhaupt befindet sich Melzer in Down Under. 2015 scheiterte er in der Qualifikation. „Das Turnier ist wirklich superschön hier. Als Spieler kann man hier ganz entspannt ans Werk gehen.“

Brüderliche Unterstützung

Wobei ein bisschen emotionaler Stress vorhanden war: Bruder Jürgen kämpfte sich über die Quali erfolgreich in den Hauptbewerb der Australian Open, wo auf ihn - erstmals in seiner Karriere in der "night session" in der Rod-Laver-Arena - das Traum-Duell mit Roger Federer wartet.

Da ist und war es bereits in der Quali natürlich geschwisterliche Pflicht, auf der Tribüne mitzuhelfen. „Ich habe mir meine Trainings-Einheiten extra so eingeteilt, dass ich ihn unterstützen kann."

Christian Frühwald

Textquelle: © LAOLA1.at

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