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Thiem erklärt, warum der Weg an die Spitze so schwierig ist

Thiem kennt die Hürden auf dem Weg vom Junior zum Profi. Der US-Open-Champion erklärt, worauf Österreichs Tennis-Hoffnungen jetzt besonders achten müssen.

Thiem erklärt, warum der Weg an die Spitze so schwierig ist Foto: © GEPA
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Dominic Thiems Terminkalender ist prall gefüllt.

Am Samstag weilte der Niederösterreicher bei den U18-Europameisterschaften im Tennis in Oberpullendorf, gleichzeitig verfolgte er aus der Ferne den sensationellen Davis-Cup-Erfolg der ÖTV-Equipe gegen Belgien samt neuerlichem Einzug ins Final 8 in Bologna.

Kurz danach stand der 33-Jährige im Fußball-Unterhaus für den Badener AC selbst am Platz.

Den Sonntag verbringt Österreichs ehemaliger Tennis-Star auf Einladung von Red Bull bei der MotoGP in Spielberg. Dort darf der Lichtenwörther nach dem Rennen der Königsklasse die Trophäe an den Zweitplatzierten überreichen.

Mit einem Auge verfolgte er auch das U18-EM-Finale in der Akademie seines Vaters, wo sich Behrmann in einem rein österreichischen Duell gegen den Niederösterreicher Florian Zimmer in drei Sätzen durchgesetzt hat (Alle Infos >>>). Beide gewannen am Vortag gemeinsam den Doppel-Titel.

Selbst kaum noch Zeit für Tennis

Langweilig wird dem US-Open-Champion von 2020 also nicht. Da bleibt auch keine Zeit, den eigenen Schläger in die Hand zu nehmen.

Er sei zwar viel in der Akademie unterwegs, berichtet Thiem in einer kleinen Medienrunde, spiele selbst jedoch nur ganz selten. "Es geht sich nicht aus - und Lust habe ich auch keine", sagt Thiem.

Die frühere Nummer 3 der Welt konzentriert sich darauf, den heimischen Talenten von morgen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. "Immer wenn ich dort bin, bin ich beim Training dabei", so Thiem. "Ich versuche viel mit den Jungs und Mädels zu reden."

Thiem setzt auf Behrmanns nächste Schritte

Aktuell liegt sein Fokus auf Thilo Behrmann.

Das ist eine der wichtigsten Perioden, die es im Tennis überhaupt gibt. Dabei kann ich ihn gut unterstützen, weil ich genau das Gleiche erlebt habe.

Thiem über Thilo Behrmann, dem der Übergang vom Junioren- ins Erwachsenentennis bevorsteht.

Der Burgenländer hat bei den Junioren-US-Open zuletzt das Halbfinale erreicht. Nach der Europameisterschaft spielt der 18-Jährige noch ein Junioren-Turnier, dann steht der Übergang ins Erwachsenentennis im Vordergrund.

Thiem weiß: "Das ist eine der wichtigsten Perioden, die es im Tennis überhaupt gibt. Dabei kann ich ihn gut unterstützen, weil ich genau das Gleiche erlebt habe."

Ihre Junioren-Karrieren seien ähnlich verlaufen, stellt Thiem fest. Behrmann steht in der aktuellen Junioren-Weltrangliste an dritter Stelle. Am Montag erscheint das neue Ranking, dort dürfte der Zwei-Meter-Hüne sogar auf Platz zwei aufscheinen.

Thiem betont: "Das ist sensationell."

"Noch lange kein fertiger Spieler"

Die Entwicklung des nunmehr zweifachen Europameisters stimmt Thiem positiv.

Er merkt allerdings auch an: "Obwohl er nächste Woche die Nummer 2 der Welt sein wird, hat er noch sehr viel Potenzial. Er ist weit weg davon, ein fertiger Spieler zu sein."

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Thilo Behrmann zeichnen seine "mächtigen Grundschläge" aus
Foto: ©GEPA

Besonders bei der Beinarbeit und beim Aufschlag, der wegen seiner Größe ein "extrem wichtiger" Faktor sein wird, sieht Thiem noch sehr viel Luft nach oben. "Er serviert gut, doch der Aufschlag muss noch schneller und genauer werden", erzählt er.

Den ÖTV-Junior würden seine "mächtigen Grundschläge" auszeichnen, so Thiem. Es sei ein gutes Zeichen, wenn man mit 18 Jahren bereits ein gutes Level hätte, "aber gleichzeitig augenscheinlich ist, was es zu verbessern gilt. Das stimmt mich und die Akademie zuversichtlich."

Die schwierigste Phase steht erst bevor

Demnächst komme auf den Burgenländer mit dem Umstieg ins Profi-Tennis aber eine entscheidende Phase in seiner Karriere zu.

Thiem kann aus eigener Erfahrung erzählen, wo die größten Hürden liegen: "Das ist sicher mal die eigenen Erwartungshaltung. Joel (Schwärzler, Anm.) war die Nummer 1 bei den Junioren, Thilo jetzt die Nummer 2."

Viele Spieler würden glauben, dass es in dieser Tonart weitergehen würde. "Doch Männer-Tennis ist schon nochmal ein anderes Pflaster. Die Spieler sind physisch topfit. Man muss sich erst an das Körperliche gewöhnen", sagt der Niederösterreicher.

Auch den Fakt, dass man Woche für Woche Turniere spiele, die nicht das Prestige eines Grand Slams hätten, gelte es zu akzeptieren. Thiem erklärt: "Die besten Junioren spielen die Grand Slams, dort hast du ein richtig geiles Leben. Und dann gehst du in die Tiefen des Profi-Tennis zurück."

Sich von dort Richtung Weltspitze nach vorne zu arbeiten, dafür brauche es eine gewisse Resilienz. "Man muss lang dabei bleiben. Wenn man das Grundlevel hat, dann wird man sich auch durchspielen. Aber es gehört einiges dazu, sich durchzubeißen."

Schwärzler als Beispiel für Geduld

Das ist bei Joel Schwärzler aktuell gut zu beobachten.

Das ist für sein Alter immer noch ein Top-Ranking. Ich bin in seinem Alter auch ungefähr dort gestanden. Er ist immer noch absolut im Soll.

Thiem über Joel Schwärzler, der im ATP-Ranking auf Platz 183 steht.

Der 20-jährige Vorarlberger hat das Junioren-Tennis 2024 als bester Spieler der Welt hinter sich gelassen und in seinem ersten Jahr bei den Erwachsenen gleich seinen ersten Challenger-Turniersieg in Skopje gefeiert.

So rasant ist sein Aufstieg in weiterer Folge allerdings nicht weitergegangen. Stattdessen musste das ÖTV-Talent besonders 2025 mehrere Rückschläge einstecken. In diesem Jahr hat Schwärzler hingegen schon zwei Challenger-Titel eingefahren.

Thiem nimmt Schwärzler den Druck

Der große Durchbruch ist ihm noch nicht gelungen, aktuell steht er auf Platz 183 der ATP-Weltrangliste. Thiem beruhigt: "Das ist für sein Alter immer noch ein Top-Ranking. Ich bin in seinem Alter auch ungefähr dort gestanden. Er ist immer noch absolut im Soll."

Jungen Spielern zu erklären, dass schwierige Phasen "völlig normal" seien und es - bis auf wenige Ausnahmefälle - nicht durchgehend steil bergauf gehen könne, sei "ganz wichtig", meint Thiem.

Manchmal sei es auch hilfreich, nicht auf die Ergebnisse, sondern die spielerische Entwicklung zu schauen. Der 33-Jährige sagt: "Wenn man das macht, wird man die Phase durchtauchen und am Ende belohnt werden."

Das schwere Erbe

Beim Linkshänder kommt erschwerend hinzu, dass früh Vergleiche mit Thiem gezogen wurden. Vielerorts war die Hoffnung groß, dass Schwärzler die nach Thiems Rücktritt entstandene Lücke sofort schließt, er das schwere Erbe antreten würde.

"Wenn man das immer hört, ist es sicher nicht leicht", betont Thiem, "aber man muss auf die eigene Entwicklung achten und sich gar nicht mit anderen Spielern im selben Alter vergleichen."

Das Wichtigste ist, einfach auf sich selbst zu schauen, auf sich selbst zu konzentrieren und diese Vergleiche so gut wie möglich auszublenden.

Thiem gibt Schwärzler einen Rat mit

Auch zu seiner Zeit hätte es Altersgenossen gegeben, die mit 16, 17 Jahren bereits auf der ATP-Tour gespielt haben. "Und ich war im Junioren-Ranking noch irgendwo und hatte vielleicht zwei ATP-Punkte", so Thiem.

Er stellt gebetsmühlenartig klar: "Das Wichtigste ist, einfach auf sich selbst zu schauen, auf sich selbst zu konzentrieren und diese Vergleiche so gut wie möglich auszublenden."

Kein ÖTV-Spieler in Top 100 keine große Überraschung

Dass aktuell kein männlicher ÖTV-Spieler in den Top 100 der ATP-Weltrangliste klassiert ist, überrascht ihn nicht sonderlich. "Die Spieler, die beim Davis Cup dabei waren, stehen schon seit einigen Jahren dort, wo sie aktuell sind."

Thiem führt aus: "Ich hoffe, dass Lukas Neumayer die Top 100 erreichen kann, das wäre sensationell für ihn. Er hat eine absolut überragende Trainingseinstellung, das wird sich irgendwann auch bezahlt machen."

Jurij Rodionov war dagegen bereits die Nummer 87 der Welt. "Es wäre top, wenn er es nochmal dorthin schaffen würde", so Thiem.

"Für die Größe Österreichs stehen wir positiv da"

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Die ÖTV-Männer jubelten im Davis Cup über den Final-8-Einzug.
Foto: ©GEPA

Allgemein sieht er das heimische Tennis auf einem guten Weg.

"Für die Größe Österreichs stehen wir sehr positiv da", meint Thiem. Dass sich Österreich im zweiten Jahr in Folge für das Final 8 im Davis Cup qualifiziert hat, sei eine "Top-Leistung".

Die Teilnahme am Final-Turnier in Bologna sei für den gesamten Tennissport ein großer Erfolg. "Das aktiviert die Berichterstattung richtig. Viele Leute, die Tennis sonst nicht so sehr verfolgen, lassen sich speziell in der Final-8-Woche dafür interessieren", glaubt Thiem.

Tagger überstrahlt alle anderen Frauen

Aktuell laufen allerdings Österreichs Tennis-Frauen ihren männlichen Kollegen den Rang ab.

Thiem freut sich: "Die Frauen sind top. Bei den French Open hatten wir vier Frauen im Hauptbewerb, das war seit Ewigkeiten nicht mehr der Fall."

Besonders Jungstar Lilli Tagger erregt große Aufmerksamkeit. "Sie überstrahlt alle und wird sehr bald sehr weit vorne stehen", ist Thiem überzeugt.

Mit 18 Jahren hätte sie ihren Zenit noch lange nicht erreicht, meint das ehemalige Tennis-Ass und konstatiert: "Sie wird Tennis-Österreich in den nächsten Jahren noch sehr viel Freude bereiten."

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