Kommentar: Österreichs Sport ist in Gefahr!

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Der österreichische Sport hat am Montag einen weiteren schweren Schlag einstecken müssen. Im Rahmen einer Video-Konferenz der Bundesregierung mit den Landeshauptleuten wurden die bereits rigorosen Maßnahmen noch einmal verschärft. Das Potenzial, dass der Sport in Österreich langfristig geschädigt wird, ist gegeben.

Ab Freitag, 0 Uhr, dürfen Profi-Sportveranstaltungen maximal 1500 Zuseher statt der bisherigen Obergrenze von 3000 beiwohnen, Indoor sind nur mehr 1000 Besucher zugelassen.

Der Mund-Nasen-Schutz ist nun auch am Sitzplatz Pflicht und wird auch nicht mehr beim Verzehr von Speisen und Getränken abgenommen werden müssen, da diese auch nicht mehr ausgegeben werden dürfen.

Eines vorweg: Die Bundesregierung hat die undankbare Aufgabe, das richtige nationale Rezept gegen eine Pandemie zu finden. Eine Situation, die es in unserer globalisierten Welt noch nie gegeben hat und gegen die es (noch) kein Allheilmittel gibt.

Konkret auf den Sport bezogen muss allerdings die Frage erlaubt sein, ob die Maßnahmen evidenzbasiert getroffen wurden. Die weitere Reduktion der Zuschauerkapazität im Profi-Sport bedeutet, dass die wirtschaftlich bereits schwer angeschlagenen Vereine noch mehr unter Druck geraten.

Dass gerade in einem gut regulierbaren Bereich wie der Sportstätte eines Profivereins die Zuschauerkapazitäten weiter reduziert werden, ist unverständlich. Penibel ausgearbeitete Präventionskonzepte sind nun für die Tonne.

Wo ist der "Rapid-Cluster"?

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Zum Bundesliga-Auftakt am 11. September fanden sich 10.000 Zuschauer für die Partie zwischen Rapid und der Admira im Allianz-Stadion ein. Das Publikum hielt sich diszipliniert an die Abstandsregeln, ein "Rapid-Cluster" ist nicht ausgebrochen.

Ganz anders kann dies aussehen, wenn sich Fangruppierungen in privaten Innenräumen, wo die Exekutive keine Handhabe hat, treffen, um gemeinsam ein Spiel zu verfolgen. Wie Empfehlungen der Regierung, die einen MNS-Schutz und Abstand einfordert, dort umgesetzt werden, kann sich jeder selbst ausmalen.

Natürlich geht es bei Zuschauerbeschränkungen nicht nur um den Stadioninnenraum. Auch die sichere An- und Abreise von großen Besuchergruppen muss dementsprechend koordiniert werden. In anderen Ländern gibt es bereits eigens geschaffene Zeitfenster, in denen die Zuschauer das Stadion betreten und verlassen müssen, basierend auf dem zugewiesenen Sitzplatz.

Es ist klar, dass die Bevölkerung in Zeiten einer Pandemie Opfer bringen muss, um die Verbreitung des Virus zu stoppen bzw. zu verlangsamen. Niemand argumentiert dafür, dass die Sportstätten zwischen Boden- und Neusiedler See bis auf den letzten Platz gefüllt sein müssen. Gewisse Einschränkungen machen in diesen Zeiten definitiv Sinn.

Wenig Sinn macht hingegen, eine einheitliche Lösung über alle Sportstätten zu stülpen. 3.000 Zuseher können sich zwar in Wien, Salzburg, Graz, Linz und Innsbruck schön auf die überdimensionierten Stadien verteilen, in Hartberg oder Wolfsberg wird es dann schon enger, vor allem, wenn man die Stehplätze sperrt.

Individulismus statt Einheitslösung

Selbst die UEFA, die sich durch die unverständliche Entscheidung, Red Bull Salzburg für das Hinspiel im Champions-League-Playoff ins Corona-gebeutelte Israel zu schicken, auch nicht mit Ruhm bekleckert hatte, fand mit der Vorgabe, die Zuschauerkapazitäten auf 30 Prozent zu minimieren, eine sinnvolle Lösung.

Zwar trifft das die Vereine, die finanziell teilweise aus dem letzten Loch pfeifen, immer noch hart, die finanziellen Einbußen wären hingegen "fairer" verteilt.

Vereine wie die Admira, die schon vor Corona nicht mit massivem Zuschauerandrang gesegnet waren, könnten wohl normal den Stadionbetrieb fortführen. Zuschauermagnete wie Rapid, die Austria, Salzburg oder Sturm Graz würden immer noch empfindliche Einbußen hinnehmen müssen, diese wären allerdings nicht so groß wie unter den neuen, rigorosen Einschränkungen.

Darüberhinaus lässt sich eine gewisse Unverhältnismäßigkeit zwischen den nun erlaubten Zuschauerzahlen im Indoor- bzw. Outdoorbereich erkennen. Dass in Hallen nur 500 Zuseher weniger gestattet sind als im Freien, wo die Luftzirkulation kein Problem darstellen kann, erscheint willkürlich.

Auch hier wäre eine Regelung, die sich an der Kapazität des Veranstaltungsortes orientiert, wohl die bessere Lösung. So dürften sich ab Freitag 1.000 Besucher in die 1.709 Sitzplätze aufweisende Wiener Staatsoper pferchen. Dieselbe Anzahl an Zusehern darf sich beim mittlerweile stark zu bemitleidenden Tennis-Turnier in der Wiener Stadthalle in der ungleich größeren Halle D verteilen.

Besser kann man die fehlende Verhältnismäßigkeit wohl nicht illustrieren.

Der schleichende Tod der Amateure?

Nebeneinnahmequellen für den Profibereich wie die Gastronomie wurden abgedreht. Für den Amateursport kann dies allerdings den Gnadenstoß darstellen, da diese für viele Vereine am Spieltag die Haupteinnahmequelle ist. Allerdings lässt sich im Verordnungschaos noch nicht sagen, ob die Kantine am Sportplatz während eines Spiels schließen muss. Aktuell sollen maximal sechs Personen im Innenraum an einem Tisch platznehmen dürfen, im Schanigarten zwölf.

Vorrangig geht es der Regierung scheinbar darum, Maßnahmen zu setzen - ob diese zielgerichtet oder rechtsgültig sind, ist sekundär. Sehr zum Leidwesen des gesamten Sports in Österreich, nicht nur der Profivereine. Der Unterbau in der österreichischen Sportlandschaft droht radikal wegzubrechen, die von der Regierung versprochene Hilfe kommt schleppend an.

In diesem Zusammenhang sollte auch einmal eine Lanze für die vielgescholtenen Sportverbände in unserem Land gebrochen werden. Diese bemühen sich nach Kräften, finanziell das Maximum für ihre Mitglieder herauszuholen.

Die Fußball-Bundesliga im Besonderen nimmt seit Ausbruch der Corona-Krise eine Vorreiterrolle in Österreich ein, die bisher einmalig war. Während das Sport-Leben auf Profiebene stillstand, schaffte es die Liga, die Vorsaison sportlich abzuschließen. Beim Gegenwind, den es aus dem Gesundheitsministerium gab, ist dies nicht geringzuschätzen!

So wird es in dieser Woche in Salzburg, Wien und Wolfsberg das letzte Hurra der alten Maßnahmen geben. 3.000 Fans dürfen die Champions-League bzw. Europa-League Partien der österreichischen Vertreter genießen. Für viele davon wird es wohl der letzte Stadionbesuch für sehr lange Zeit werden.

In welcher Verfassung der Sport in Österreich dann sein wird, ist fraglich.

Textquelle: © LAOLA1.at

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