Auf der Welle zu Olympia

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The Austrian Way of Surfing: Alexandra Rinder

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Auf der perfekten Welle: Österreichs Surf-Hoffnung Alexandra Rinder

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(F: Adan Mesa Diaz)

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(F: Gabriel Menezes)

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(F: Gustavo Chucky)

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Angeblich ist Alexandra Rinder erst 18 Jahre alt.

Angeblich deshalb, weil man das im Gespräch mit der jüngsten Doppel-Weltmeisterin der Bodyboard-Geschichte nur allzu gerne vergisst.

Unaufgeregt. Selbstbewusst. Strukturiert.

Rinder bringt mehr Persönlichkeit mit als so manch 30-Jähriger. „Das höre ich nicht zum ersten Mal“, kann sie sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Geboren und aufgewachsen auf der Kanaren-Insel Teneriffa entschied sich der Surf-Youngster unlängst für Österreich bei den Olympischen Spielen in Tokio auf das Brett steigen zu wollen. Denn in vier Jahren wird es erstmals im Zeichen der fünf Ringe im Wellenreiten um Edelmetall gehen.

Globetrotter seitdem sie 14 ist

Die Mutter Hamburgerin, der Vater Steirer. Also wenn man so will die „Martin-Harnik-Mischung“. Und ähnlich wie beim ÖFB-Kicker waren auch Rinder die Österreicher „schon immer irgendwie lieber“.

Merke: Der alpenländische Charme zieht also doch. Auch bei einer 18-jährigen Modell-Athletin, die den hippen Surfer-Lifestyle verkörpert.

Seitdem sie 14 ist, reist Rinder mit dem Bodyboard in der Weltgeschichte herum. 2014 absolvierte sie erstmals die gesamte Profi-Tour und holte sich prompt den WM-Titel, den sie 2015 erfolgreich verteidigte.

Das Auf-sich-alleine-gestellt-Sein prägte die Teenagerin und ließ sie in ihrer Persönlichkeit schneller reifen als so manch behütete Alterskollegen. „Ich musste mich anfangs überall durchfragen, um weiterzukommen, doch das ist mir nie schwer gefallen“, verweist sie auf ihr Zuhause, in dem für Surfer stets die Tür offenstand.

Wobei die Surf-Affinität in ihrer Familie nicht von ihren Eltern, sondern von ihrem um vier Jahre älteren Bruder Oliver ausging. „Meine Mutter war Schwimmerin, was auch mein Bruder machen wollte“, schildert Alexandra. Der Pool als Sportrevier wurde ihm jedoch rasch zu klein. „Bis meine Mutter eben zu ihm gesagt hat: Du bist auf einem Eiland umzingelt von hohen Wellen. Mach was draus!“


Alexandra Rinder in Action:


Das tat er und versuchte sich fortan mit dem Surfen, wozu er auch die damals 9-jährige Alexandra, die Leichtathletik trainierte, alsbald mitnahm. Ihre Leidenschaft war geweckt. „Seither bin ich nicht mehr aus dem Wasser zu bekommen.“ Zum Leidwesen ihrer Mutter. Wobei dieses „Leid“ angesichts des am Schnitzel-Äquator ausartenden Internet-Konsums freilich relativierbar ist.

Das Wort des Jahres

Angesichts der Distanz zu den Alpen und ihres Lebensmittelpunkts inmitten der Fluten überrascht es nicht, dass Rinders Bezug zu Österreich ein überschaubarer ist.

Österreichisches Fernsehen? „Das hatten wir irgendwann einmal“, erinnert sich Rinder. Sie möchte schauen, ob sie das nicht wieder irgendwie bekommen kann. Von den gestiegenen GIS-Gebühren wird sie mutmaßlich nichts mitbekommen haben. Egal.


Nicht nur auf dem Board hat sie was drauf:

(Artikel geht unter dem Bild weiter)

No waves Well, there is always a solution No hay olas Bueno, siempre hay una solución

Ein von Alexandra Rinder (@alexandrarinder) gepostetes Foto am


Auf der anderen Seite blieb sie dadurch vom Theater der Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung verschont. „Da ich so viel unterwegs bin, bekomme ich ehrlich gesagt nicht einmal so richtig mit, was auf Teneriffa überhaupt passiert.“

Ihre Österreich-Aufenthalte beschränkten sich bislang zumeist auf Ski-Urlaube. Mit dem Vater als Ski-Lehrer, der seine Sache recht gut gemacht haben dürfte, schließlich übte das Fahren abseits der Pisten stets einen großen Reiz auf sie aus.

Eine Frage der Geduld und Erfahrung

Dass Österreich von den Olympischen Spielen in Rio eine Bronze-Medaille mit nach Hause gebracht hat, ist an Rinder allerdings nicht vorübergegangen. Es liegt auf der Hand, dass eine Herzblut-Surferin am liebsten schon auf den Wellen vor der Copa Cabana um Olympia-Medaillen gekämpft hätte. „Aber vielleicht ist es eh besser so“, spielt sie auf ihre noch geringe Erfahrung an. Ein paar Jahre mehr würden da bestimmt nicht schaden.

Zumal ja in Tokio nicht auf dem von ihr präferierten Bodyboard gesurft, sondern im klassischen Sinne, nämlich im Stehen, um Medaillen gekämpft wird.

Der Umstieg wird nicht einfach. „Besonders, wenn man aus den Top-Drei einer Disziplin kommt und gewohnt ist, zu gewinnen.“ Daher möchte sie es lieber als neue Herausforderung verstanden wissen – und an Ehrgeiz mangle ihr es ohnehin nicht. „Es ist mein Traum, für Österreich in Tokio eine Medaille zu holen.“

Fortan im Stehen

Viel von den Erfahrungen, die sie in den vergangenen neun Jahren auf dem Bodyboard erworben hat, helfen ihr auch bei der stehenden Variante. Gerade was das „Lesen“ der Wellen anbelangt. „Ich weiß beispielsweise, wo ich im Wasser sitzen muss, um die großen Wellen zu surfen.“


Schon mit 14 Jahren war sie alles andere als kamerascheu:


Der Disziplinenwechsel bedeutet jedoch nicht nur eine technische Umstellung – nein, auch in Sachen Wettbewerb ist das Aufrichten auf dem Board gewissermaßen, nun ja, „evolutionär“. Schließlich ist die Konkurrenz beim klassischen Wellenreiten klarerweise deutlich größer.

Dabei wird der Wettbewerb innerhalb des Surfens durch den neugewonnen Olympischen Status noch einmal stark zunehmen. Rinder geht von einem regelrechten Boom aus.

Ein größerer Markt

Ihre neue Herausforderung hat auch eine wirtschaftliche Chance für Rinder parat. „Der Markt im Wellenreiten ist viel größer“, weiß sie. Während im Bodyboarden nur die engste männliche Spitze gut vom Sport leben kann, ist der Sponsoren-Input im Wellenreiten ungleich höher.

Als Jungstar der Szene ist es Rinder gelungen, einige Geldgeber zu finden. Durch sie finanzierte sie ihre momentanen Reisen quer rund um den Globus. Da sie sonst noch zu Hause lebt, kommt sie so bislang gut durch. „Ganz auf eigenen Beinen zu stehen wäre im Augenblick aber noch nicht möglich“, ist ihr bewusst.

Bei Material, Trainer oder auch physiotherapeutische Betreuung könnte sie durch das „Team Rot-Weiß-Rot“ schon bald Unterstützung bekommen. Die Kontaktaufnahme erfolgte über Peter Huber, den österreichischen Botschafter in Spanien. Unlängst wurde ein Treffen arrangiert.

Wasserski auf Abwegen

Innerhalb der heimischen Sportlandschaft scheint auf den ersten Blick aber noch gar kein Platz für eine Wellenreiterin zu sein. Schließlich gibt es dafür nicht einmal einen von der Bundes-Sportorganisation anerkannten Verband. Diesem bedarf es aber laut Gesetz, um eine Sportlerin zu unterstützen und letztlich auch zu Olympischen Spielen zu entsenden. Um nicht eigens einen Verband aus dem Boden zu stampfen, soll Surfen deshalb im bereits bestehenden Wasserski-Verband unterkommen.

„Die freut das bestimmt, wenn sie eine mögliche Olympia-Starterin bei sich haben“, meint Rinder, der das Finanzielle aber ohnehin nicht allzu wichtig ist. „Schließlich mache ich diesen Sport ja aus Liebe.“ Diese war auch der Antrieb, sich in den letzten Jahren Tag für Tag in die Fluten zu stürzen.

Etwas, das auf Teneriffa übrigens auch im Dezember ganz hervorragend umsetzbar ist. „Ohne jemandem den Tag versauen zu wollen, aber hier hat es selbst in der Adventzeit Sonne, 24 Grad und tolle Wellen“, schmunzelt Rinder.

Sie hat Glück, dass sie so ein sympathisches Naturell mitbringt…

Reinhold Pühringer


Textquelle: © LAOLA1.at

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