"Omas" seichter Schlaf

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

"Omas" seichter Schlaf

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Von 2. auf 3. März wird wieder eine dieser kurzen Nächte für Ivona Dadic.

Bis zwei oder drei Uhr früh wird die 23-Jährige unruhig an die dunkle Decke starren. Die Augen schließen? Lieber nicht. „Weil dann fängt es an zu rattern in meinem Kopf“, verrät Österreichs derzeit beste Mehrkämpferin, die am ersten Tag der Hallen-EM in Belgrad um Edelmetall springt, läuft und wirft.

Die Anspannung vor großen Wettkämpfen raubt ihr den Schlaf. „Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich dann schon immer gegen jemanden rennen“, schildert die Niederösterreicherin.

Dass sie mit dem Schlafdefizit umgehen kann, hat sie nicht zuletzt mit ihrer Bronzenen bei der Freiluft-EM im vergangenen Jahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Geht es nach der Papierform, könnte es diesmal auch unter Dach erstmals mit einer Medaille klappen, da Dadic mit ihrem Anfang Februar aufgestellten österreichischen Rekord von 4.520 Punkten auf dem dritten Platz der europäischen Jahresbestenliste liegt.

Ein Umstand, der eigentlich ruhigeren Schlaf verleihen sollte. Möchte man zumindest meinen, schließlich ist es ein Beleg, dass sie es ja kann. Von wegen, wie uns Dadic berichtigt. So richtig aussagekräftig sei ein solches Ranking nämlich nicht. Maximal ein Gradmesser.

„Die Liste wird sich bei der EM sicher drehen. Da kann es ganz leicht passieren, dass eine Siebente am Ende vorne liegt“, will die zweifache Olympia-Starterin nur ungern eine Ergebnis-Ansage machen. Nur so viel ist ihr zu entlocken: Landet sie im Bereich ihrer Bestleistung, sieht es sehr gut aus.

Eine ungemeine Dichte

Doch das Halten des österreichischen Rekordes ist für eine Olympia-Starterin gerade im Mehrkampf der Damen längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Verena Preiner hatte heuer Dadic die Bestmarke für drei Wochen sogar abgejagt. Mit den daraus resultierenden 4.486 Punkten rangiert die 22-jährige Oberösterreicherin in der Europarangliste direkt hinter Dadic an der vierten Stelle, wodurch sie sich als zweite Österreicherin für den EM-Fünfkampf qualifizierte.

Europarangliste im Fünfkampf Punkte
  1. Alina Shukh (UKR)
4.550
  1. Xenia Krizsan (HUN)
4.533
  1. Ivona Dadic (AUT)
4.520
  1. Verena Preiner (AUT)
4.486
  1. Lecabela Quaresma (POR)
4.473

Was das heimische Mehrkampf-Silber anbelangt, war das aber noch längst nicht alles. Mit Junioren-Weltmeisterin Sarah Lagger sowie der Junioren-WM-Siebenten Karin Strametz drängen zwei Riesen-Talente nach.

Mit einem Mal verfügt Österreich in einer Leichtathletik-Disziplin über eine mutmaßlich noch nie dagewesene Dichte. „Es gibt fast kein anderes Land auf der Welt, das so viele so starke Mehrkämpferinnen hat. Einzig die Niederländer noch“, staunt selbst Dadic, die mit 23 Jahren schon die Älteste des Quartetts ist. Fast schon bizarr. „Ja, ich werde eh schon Oma genannt. Verena zieht mich manchmal damit auf“, schmunzelt Dadic.

England vergessen gemacht

Trotz ihres jungen Alters hat die „Oma“ in ihrer Karriere schon allerhand Erfahrungen gemacht. Prägend war vor allem das nicht von Glück verfolgte Trainingsgastspiel bei Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hill in England.

In der Gruppe unter Star-Coach Toni Minichiello zu trainieren, schien für die junge ÖLV-Athletin vor vier Jahren zunächst wie ein Jackpot, entpuppte sich alsbald aber als Fehlgriff. Zurück in Österreich weiß sie es nun besser.

„Das Umfeld von damals und jetzt kann ich nur schwer vergleichen. In England war alles auf Jessica abgestimmt, während es hier jetzt nach mir ausgerichtet ist“, schildert die Kornspitz-Sportlerin. Nun verfüge sie über ein von Chef-Coach Philipp Unfried geleitetes sechs-köpfiges Trainerteam, einen Arzt und einen Physio-Therapeuten. „Und wir haben alle das gleiche Ziel: Mich besser zu machen.“

Frisch lackiert zur EM

Der Plan des Teams scheint angesichts der besten Hallen-Leistungen ihrer Karriere zurzeit voll aufzugehen. Bis zur EM in Belgrad stehen nur noch leichte Einheiten auf dem Programm. Obwohl das Hauptaugenmerk auf der Freiluft-Saison liegt, wird – nicht zuletzt wegen der günstigen Ausgangssituation – für die Titelkämpfe aber sehr wohl ein wenig aus dem Training herausgenommen.

Fixpunkt vor ihrem Auftritt ist die schon zum Ritual gewordene Maniküre. Rot-weiß-rot wird Dadic ihre Fingernägel für den Wettkampf lackieren. Zudem hofft sie noch am Vortag mit ihrer angereisten Familie eine Tasse Tee trinken zu können, ehe sie früh schlafen gehen wird. Oder es zumindest versucht.

Dabei hat sie bei der Hallen-EM ja noch Glück, schließlich dauert der Fünfkampf im Gegensatz zum Siebenkampf nur einen Tag. Und laut Dadic sei die Nacht zwischen den Wettkämpfen die schlimmste.

Textquelle: © LAOLA1.at

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