Natürlich hoffe ich, dass ich nicht gleich zu Beginn in einen blöden Schlag reinlaufe, bevor sich mein Nervensystem daran gewöhnt hat, dass es jetzt ein paar Schläge auf den Kopf gibt.
LAOLA1: Du kämpfst mittlerweile Bare-Knuckle. Erklär vielleicht einmal, was das heißt und welche Techniken du verwenden kannst. Es ist ja nicht einfach Boxen ohne Handschuhe, oder?
Weinpolter: Du kämpfst mit freien Knöcheln, nur das Handgelenk darf einbandagiert sein. Willkürlich schlagen kann man nicht, weil die Hand sonst leicht bricht. Ich verwende den Sniper-Kampfstil (präzise Schläge aus der Distanz, Anm.), mit festen Schlägen. Man kann es aber schon als Boxen ohne Handschuhe bezeichnen. Normalerweise kämpfen wir fünf Runden zu je zwei Minuten.
LAOLA1: Was ist nun das Besondere an deinem Kampf am 7. November?
Weinpolter: Ich verteidige meinen Gürtel. Wir kämpfen noch dazu jeweils drei Minuten und es sind Schläge mit dem Ellbogen erlaubt, das macht die ganze Sache noch würziger – und die letzte Runde ist Open End – es gibt nur Aufgabe oder K.O.
LAOLA1: Du bist ja eigentlich MMA-Fighter im Schwergewicht und hast von 22 Kämpfen 14 gewonnen. Warum machst du jetzt Bare-Knuckle?
Weinpolter: Ich komme vom Thaiboxen und habe MMA gemacht, kenne all diese Disziplinen in- und auswendig. Bare-Knuckle ist für mich halt einfach die Königsdisziplin, wir sind noch einmal eine Spur härter und es gefällt den Leuten. Wir sind die Gladiatoren der Neuzeit, ganz real und ohne Handschuhe – und umweltbewusst ohne Plastik (lacht). Ich wollte das schon länger machen, der Mathias Markic und ich sind aber die ersten, die das in Österreich gemacht haben.
Das ist so gut angekommen, dass es regelmäßig vier bis fünf Kämpfe gibt. Es wird immer mehr, weil es einerseits mehr Leute machen wollen, andererseits sich das Publikum vermehrt dafür interessiert. Es ist faszinierend, weil ein Schlag alles entscheiden kann. Es ist quasi eine "Materialschlacht", du blutest schnell – ich denke, das gefällt den Fans.
LAOLA1: Wer ist Ronny Zesna, dein Gegner?
Weinpolter: Ich habe ihn beim Face-off kennengelernt und bin sehr gespannt. Er ist wie ich Linkshänder. Du kannst mit dem Baseballschläger auf ihn einschlagen und er steht wieder auf. Er wird sicher alles versuchen, mich auszuknocken. Er hat schon einige Kämpfe in der ersten Runde durch K. o. gewonnen. Zudem ist sein Spitzname Pitbull Rakete nicht zufällig, er hat einen schnellen Schlag. Es ist also Destroyer gegen Rakete.
LAOLA1: Wie ist eigentlich das Verhältnis zu deinem Gegner?
Weinpolter: Es ist ein Kampf und es geht für uns beide um viel. Wir kommen dann raus, hauen uns auf die Schnauze. Ich denke, er ist ein respektvoller, sportlicher Typ, auch wenn er nicht so aussieht. Nach dem Kampf gibt es jedenfalls einmal Small Talk. Ob wir nachher auf ein Bier gehen, weiß ich nicht.
Ich versuche, so realistisch wie möglich zu trainieren, um mich daran zu gewöhnen. Ich schlage beispielsweise mit einem Stock auf die Handgelenke, um mich daran zu gewöhnen.
LAOLA1: Wie gehst du so einen Kampf taktisch an?
Weinpolter: Du denkst dir vorher immer, dass du etwas so oder so machst, aber wenn der Kampf beginnt, machst du alles ein bisschen anders. Vieles ergibt sich aus deinem Instinkt. Du machst im Training eine Sache hundert Mal falsch und im Kampf funktioniert sie – und umgekehrt. Es gehört also auch Glück dazu. Aber ich weiß, dass ich ein harter Hund bin und viel Kondition habe. Natürlich hoffe ich, dass ich nicht gleich zu Beginn in einen blöden Schlag reinlaufe, bevor sich mein Nervensystem daran gewöhnt hat, dass es jetzt ein paar Schläge auf den Kopf gibt. Wenn der Motor richtig läuft, kann ich durchkämpfen. Wenn ich einmal Lunte gerochen habe, gehe ich nicht mehr weg.
LAOLA1: Wie fühlt es sich eigentlich an, eine auf den Kopf zu bekommen, mit und ohne Handschuhe?
Weinpolter: Es ist wirklich ganz anders, viel härter, irgendwie echter. Du hast sehr schnell ein Cut und in meiner Gewichtsklasse sind die Schläge richtig hart. Das meine ich mit Materialschlacht ...
LAOLA1: Wie trainierst du das?
Weinpolter: Im Training trägst du zunächst schon noch die Handschuhe, nur am Ende noch original wie im Kampf. Ich versuche, so realistisch wie möglich zu trainieren, um mich daran zu gewöhnen. Ich schlage beispielsweise mit einem Stock auf die Handgelenke, um mich daran zu gewöhnen.
LAOLA1: Bei der Vendetta Fight Night gibt es zahlreiche Kämpfe, du bist zum Schluss dran. Schaust du dir die anderen an?
Weinpolter: Ein bisschen. Aber jeder geht anders mit seiner Nervosität vor seinem Kampf um. Ich bin am Anfang gerne unter den Leuten, dann wärme ich mich in der Kabine auf und gehe dann zu meinem Kampf und funktioniere. In der Kabine denkst du dir aber schon auch hin und wieder: Warum tue ich mir diese Scheiße überhaupt an? Wenn der Schalter aber umgelegt ist, bin ich ein Killer.
LAOLA1: Du hast vorhin erzählt, dass du deinen Titel verteidigen willst – was würde es dir bedeuten, wenn das gelingt?
Weinpolter: Dann weiß ich, dass ich einen guten Job gemacht habe und sich das Training ausgezahlt hat. Ich will aber genauso wenig, dass mein Gegner nach zwei, drei Schlägen hinfällt. Ich will eine blutige Schlacht haben. Ich habe eine große Fangemeinde und für meine Leute schwitze und blute ich. Darum opfere ich mich im Training auf, um im Käfig mein ganzes Herz lassen zu können. Dasselbe erwarte ich mir auch von meinem Gegner. Dann kommt etwas richtig Gutes dabei heraus.
Ich will, dass die Leute nachher so begeistert sind, dass sie nächstes Mal wiederkommen, wenn ich kämpfe. Bislang tun sie das, ich habe diesmal fast 1.000 Tickets verkauft, von mir kommen Fans aus ganz Österreich, der Schweiz und Deutschland. Ich könnte jeden einzelnen abbusseln, dass sie das auf sich nehmen. Ich habe sogar eine Hotelkooperation für meine Follower und habe Rabattcodes für sie verteilt.
LAOLA1: Wie viele wird Ronny Zesna mitbringen?
Weinpolter: Er kommt aus Deutschland, ich denke, dass sich seine Leute das eher von zuhause aus ansehen werden.
Bei uns in den Gyms gibt es so viele verschiedene Menschen von dort und da und die Wilden lernen Regeln, Disziplin, Beständigkeit und Freundschaft.
LAOLA1: Du hast selbst schon in Deutschland gekämpft. Was war das größte Event?
Weinpolter: Das größte war vor 20.000 Leuten in Deutschland. Es ist schön, dass der Sport mittlerweile immer mehr nach Europa kommt und wächst.
LAOLA1: LAOLA1 überträgt den Kampf. Wie zufrieden bist du eigentlich mit der medialen Berichterstattung?
Weinpolter: Ich bin für die mediale Coverage sehr dankbar. Schade finde ich, dass der Sport hierzulande noch nicht die Bedeutung hat wie in anderen Ländern. In Deutschland sind die Leute viel offener. Ich habe beispielsweise ein eigenes Maskottchen machen lassen und dort wollen viele ein Foto mit mir machen. Ich versuche, meinen Sport in den Vordergrund zu bringen. Die Leute glauben ja, dass wir alle nur blöde Schläger sind. Aber da steht ein disziplinierter, hart arbeitender Sportler und Mensch dahinter.
LAOLA1: Heutzutage ist beispielsweise Laufen sehr in, viele Leute werden animiert, selbst Sport zu machen. Inwiefern bist du da ein Vorbild, wenn du blutüberströmt dastehst?
Weinpolter: Um Kampfsport zu betreiben, musst du viel trainieren, beständig und mental stark sein. Gerade für junge Menschen, die vielleicht aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen und sonst wenig Orientierung haben, kann Kampfsport sehr wertvoll sein. Die Trainer übernehmen eine Vorbildfunktion. Darüber hinaus trainiert man in der Gruppe und will gemeinsam etwas erreichen und motiviert sich gegenseitig, am nächsten Tag wiederzukommen. Ich rauche nicht, trinke keinen Alkohol und spiele nicht. Ich habe meine Ausbildung abgeschlossen und verfolge meine sportlichen Ziele. Das kann auch für andere ein Vorbild sein. Du lernst, dass du auf ein Ziel – also deinen ersten Kampf – hintrainierst.
LAOLA1: Marcos Nader spricht mit seinem Boxstudio in Wien ja auch gezielt Jungs an, die sonst wenig Ziele haben.
Weinpolter: Auf der Straße unterwegs zu sein, ist kein guter Umgang. Da wird oft auf den Schwächsten hingehauen. Bei uns in den Gyms gibt es so viele verschiedene Menschen von dort und da und die Wilden lernen Regeln, Disziplin, Beständigkeit und Freundschaft.
LAOLA1: Was macht eigentlich deine Celsy einstweilen (Anm.: seine Havaneser-Hündin)?
Weinpolter: Die wartet derweil im Hotelzimmer. Wenn ich nachher zum McDonald's gehe, bringe ich ihr eine Kleinigkeit mit.
LAOLA1: Wir danken für das Gespräch!