Was ich bestimmt nicht vermisse

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Mitarbeit im ÖHB? "Das Team ist mir ein Anliegen"

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Es läuft die 45. Minute.

Robert Weber kassiert eine Zeit-Strafe wegen Kritik. Minutenlang schallen Buhrufe durch die Albert-Schultz-Halle. Und das mit einer Inbrunst, als könnte Österreich tatsächlich noch das WM-Ticket lösen. Dabei liegt die ÖHB-Auswahl gegen Dänemark 15 Minuten vor dem Ende in Addition aussichtslos mit elf Toren zurück.

Das Feuer der Zuschauer ist jedoch weniger getragen von der Hoffnung auf die WM-Endrunde 2017, als vielmehr vom Wunsch, Viktor Szilagyi zum Abschied noch einmal siegen zu sehen.

Ihren Viktor Szilagyi.

Schließlich verkörpert niemand besser die Erfolge und Entwicklung des Handball-Nationalteams der letzten Jahre als der 37-Jährige. Der Regisseur, der Kapitän – die Galionsfigur.

Und so klatscht – gefühlt – ganz Handball Österreich auf den Rängen stehend Applaus, als Szilagyi nach der Schluss-Sirene der 20:23-Rückspiel-Niederlage (Hin 27:35) feierlich in die Sportler-Pension verabschiedet wird.


Dankbar, dass es SEINE Entscheidung war

Dankesreden, Ehren-Spalier, Geschenke, Video-Botschaften von einigen seiner wichtigsten Weggefährten (etliche aus Szilagyis Karriere-Dreamteam) und minutenlange Standing Ovations.

„Das war heute schon sehr emotional“, sagt ein sichtlich geschmeichelter Szilagyi.

Doch in Momenten, in denen andere mit den Tränen ringen, sucht man das verräterische Funkeln in den Augen des 203-fachen Nationalspielers vergeblich. „Wobei ich nicht weiß, ob ich das alles schon so richtig realisiert habe“, relativiert er.

Es sei vielmehr Dankbarkeit, die der Gewinner aller Europapokal-Bewerbe verspüre. „Es ist sehr viel wert, dass nicht eine Verletzung meine Karriere beendet hat, sondern dass ich den Zeitpunkt wählen konnte.“ Etwas, dass angesichts seiner vielen schweren Blessuren keine Selbstverständlichkeit darstellt. Mahnendes Beispiel dafür ist sein Knie-Strumpf, der unweigerlich bionische Assoziationen auslöst.


Ein paar vom alten Schlag sind noch da

Die große Abschiedsrede vor der Mannschaft habe er noch vor sich. Doch eigentlich, lässt er durchblicken, geschehen Abschiede ja ohnehin in Einzelgesprächen.

Wie groß die Lücke ist, die er und der ebenfalls in ÖHB-Rente gehende Vytas Ziura hinterlassen, muss sich freilich noch weisen. Wenngleich die WM-Quali-Gruppe zuletzt schon ohne die beiden alten Haudegen gemeistert wurde.

„Ich denke, dass es gut ist, dass mit Leuten wie Robert (Weber; Anm.) oder Niko (Marinovic) nach wie vor Spieler da sind, die den Geist des Nationalteams der letzten Jahre weitertragen. Die das den Jungen weiterhin vorleben“, blickt Szilagyi auf die im Herbst beginnende EM-Qualifikation.

 

Männer im Wald

Eine EM-Quali, die dann gänzlich ohne ihn auskommen wird. Ohne den besagten Sport-Pensionisten. Doch kann Szilagyi überhaupt ohne Handball? „Es wird mir auf jeden Fall abgehen, das weiß ich aus Gesprächen mit ehemaligen Mitspielern. Die juckt es auch.“

Wird ihm am Handball auch etwas ganz bestimmt NICHT abgehen? „Ja“, kann er sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, „die Waldläufe um 6 Uhr morgens in der Vorbereitung. Die werde ich auf keinen Fall vermissen.“

Dass das Ausschlafen beim nun anstehenden Urlaub ganz hohe Priorität genießt, ist selbstredend. Jedoch müssen hierfür seine Kinder mitspielen. Szilagyi auch in der Familie der Taktgeber? Wir wissen es nicht.

Das rot-weiß-rote Anliegen

Szilagyi ganz ohne Handball – das wird ja ohnehin nicht passieren. Vor zwei Monaten gab sein Klub Bergischer HC bekannt, dass er künftig als Sportlicher Leiter beim deutschen Erstligisten tätig sein wird. „Viktor hat eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Klubs eingenommen“, begründet BHC-Manager Jörg Föste.

 

Ein Schritt, der alles andere als überraschend kommt. Laut Szilagyi gab es diesbezügliche Überlegungen bereits vor etwa drei Jahren. Für ihn gehe es nun darum, dem Bergischen HC, bei dem mit Alex und Max Hermann auch zwei Österreicher unter Vertrag stehen, einen Kader zu verschaffen, der sich in der Bundesliga weiter etablieren kann.

Der logische nächste Karriere-Schritt also. Wobei sich für einen Namen wie Szilagyi auch andere Türen auftun. Nona auch beim ÖHB.

„Es ist beidseitig Interesse da, aber man müsste sich erst einmal genau darüber unterhalten. Schließlich muss es für beide Seiten einen Wert haben“, will Szilagyi nichts überstürzen. „Ich muss jetzt einmal in Ruhe in meine neue Rolle beim BHC reinwachsen.“

Doch ausschließen wolle er in Punkto Nationalteam nichts. „Dafür ist es mir einfach zu wichtig.“

Er ist halt nicht umsonst: Österreichs Galionsfigur.

 

Reinhold Pühringer

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