Ein ÖHB-Spiel "wie in einem Traum"

Ein ÖHB-Spiel Foto: © GEPA
 

Das erste Ziel bei der Heim-EURO 2020 ist erreicht - und am Ende war es im positiven Sinne nicht einmal spannend.

Österreich fegte über Nordmazedonien hinweg und fixierte mit einem 32:28 (Spielbericht>>>) den Einzug in die Hauptrunde, wo vier Spiele in der Wiener Stadthalle gegen Handball-Kaliber wie Kroatien, Deutschland und Europameister Spanien warten.

Von den ersten Momenten weg blieb den Fans eine weitere Nervenschlacht erspart, die Südeuropäer wurden fast gedemütigt. Sechs Tore Unterschied zur Halbzeit, zwischenzeitlich elf Treffer Vorsprung für Österreich - die Mission Hauptrunde war dank einer der besten Leistungen, die das ÖHB-Team in den letzten Jahren zeigen konnte, nie in Gefahr.

Mit dem vor der Heim-EM ausgegebenen Minimalziel hielt Erleichterung in den ÖHB-Reihen Einzug, nach der Pflicht kommt als nächstes die verdiente Belohnung. Stimmung und Selbstvertrauen sind auf einem Höhenflug.

Eichberger hinten wie eine Eiche

Auch im dritten Spiel ging die von Ales Pajovic ausgearbeitete Herangehensweise auf - und das gegen einen Gegner, der in den vergangenen Jahren nie zu den liebsten Österreichs gehörte und einige Niederlagen in die Bilanz schrieb.

Die Hürde präsentierte sich aber nicht so hoch, wie es die Papierform vor dem Turnier vermuten ließ. Im Gegensatz zu den Duellen mit Tschechien und der Ukraine gab es keinen langsamen Start in die Partie. Die Führung war fast eine Start-Ziel-Angelegenheit.

Und Thomas Eichberger, der diesmal im Tor die Starter-Rolle zugesprochen bekam, legte noch etwas nach und zog den nordmazedonischen Bemühungen den Zahn. 15 Paraden bei 41 Schüssen waren es am Ende, in den ersten zehn Minuten wehrte er gar vier von acht Bällen ab. Im Gegensatz zum ersten Spiel wurde der Graz-Keeper offiziell zum "Man of the Match" gewählt.

Von Beginn weg in einem "Flow"

"Es ist unglaublich, in was für einen 'Flow' wir uns gespielt haben. Der Gegner ist einfach nicht ins Spiel gekommen, ich habe zuerst ein paar einfache Saves gemacht, und der Mannschaft mit ein paar freien Saves im Anschluss helfen können. Dadurch ist der Abstand zur Halbzeit erst entstanden", analysierte der Schlussmann.

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"Es hat sich zeitweise nach einem Traum angefühlt. Und ich muss noch warten, bis ich daraus aufwache. Ich bin mit 50 Minuten richtig happy, dann gab es einen Leistungseinbruch, das war aber dem Vorsprung geschuldet", blieb der 26-Jährige kritisch.

"Ich muss das sacken lassen und werde bis zwei in der Früh nicht schlafen können. Aber da bleibe ich gerne munter. Die Mannschaft hat sich in einen Rausch gespielt, macht einer einen Fehler, springt der nächste in die Bresche. Sie decken aufopfernd, deswegen sind auch viele einfache Würfe gekommen. Es ist eben ein Geben und Nehmen im Handball", bedankte sich der Keeper.

Die Entschuldigung bei der Legende

Superstar Kiril Lazarov, der unbedingt aus dem Spiel genommen werden musste, war mit drei Toren fast ein Non-Faktor. Der Plan, ihm auf die Nerven zu gehen, ging auf. "Wir wussten, dass sie hart spielen, aber es nicht mögen, hart angegriffen zu werden. Ich bin in der ersten Unterzahl gleich auf Lazarov drauf und habe ihm gescheit eine gegeben - das tut mir eh leid, einer Legende wehzutun", grinste Tobias Wagner.

In den Augen des Fivers-Hünen war es gar das beste Spiel in seiner sechsjährigen Nationalteam-Karriere. Und den Gegner bei gutem Spielverlauf auch einmal völlig überrennen zu können, sind die Früchte der Mehrarbeit, die im letzten Jahr geleistet wurden.

"Wir sind auf jeden Fall fitter. Ich habe acht Stunden die Woche zusätzlich Kraft und Ausdauer trainiert. Es ist auch das Publikum, das uns Energie gibt. Schon gegen Tschechien war ich am Ende ziemlich fertig, aber du willst keinen in der Halle enttäuschen, und dann gehst du noch einmal über die Grenze."

Alle bissen, alle wollten

Und die ÖHB-Spieler wollten über diese Grenzen gehen, wie Teamchef Ales Pajovic berichtete: "Keiner war müde! Ich wollte Janko Bozovic auswechseln, aber er meinte: 'Noch ein Angriff!'."

"Das glaubst du dann einfach gar nicht und fragst dich, was jetzt los ist. Es ist komisch, dass du dann immer noch nervös bist, aber du denkst dir: 'Weiter, bitte weiter!'"

Ales Pajovic

Der Slowene fand ein probates Mittel gegen die Offensive, die sich vor allem über Lazarov aufbaute, und stellte auf eine 5-1-Abwehr um, durch die viele Bälle erobert wurden.

Anstelle eines Zitterspiels, bei dem eine Niederlage mit drei Toren erlaubt gewesen wäre, stand so zwischenzeitlich eine Elf-Tore-Führung: "Das glaubst du dann einfach gar nicht und fragst dich, was jetzt los ist. Es ist komisch, dass du dann immer noch nervös bist, aber du denkst dir: 'Weiter, bitte weiter!' - und am Ende sind ein paar Fehler egal."

Vier ganz spezielle Spiele

Nach der selbst auferlegten Pflicht folgt nun die Kür. Aber mit zwei mitgenommenen Punkten sind die Voraussetzungen für eine Überraschung zumindest gegeben.

"Mit solchen Leistungen ist es möglich, einige Gegner zu überraschen. Unterschätzen wird uns jetzt niemand mehr", freute sich Eichberger auf die kommenden Aufgaben.

Am Donnerstag wartet das nächste hitzige Duell, wenn Kroatien mit zahlreichen Fans ankommt. Am Samstag gilt es, den Prestige-Erfolg gegen Spanien zu wiederholen, den man 2019 im Test einfuhr - bevor am Montag Lieblingsnachbar Deutschland erneut gegenüber am Parkett steht.

Werden diese Aufgaben beachtlich überstanden, könnte es zum Abschluss gegen Weißrussland sogar den Kampf um eine ganz große Sensation geben: Eine Teilnahme am Final-Turnier in Stockholm.

Aber "Schritt für Schritt", wie Pajovic einmal mehr ermahnte.

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