Pöltls Konkurrenten um Spielzeit

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Pöltls Konkurrenten: Torontos Big-Men-Riege

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Zwei Preseason-Spiele stehen Jakob Pöltl und den Toronto Raptors noch bevor, ehe es in der Nacht auf 27. Oktober mit dem Start der Regular Season ernst wird.

Der 21-jährige Wiener gewöhnt sich von Tag zu Tag mehr an den NBA-Stil, die Auftritte in den Testspielen wirken von Mal zu Mal selbstbewusster.

Ob und wie viel der erste Österreicher in der besten Liga der Welt ab dem Beginn des Grunddurchgangs auf dem Parkett stehen wird, ist aber noch ungewiss.

Denn die Situation beim Conference-Finalisten der letzten Saison ist speziell: Die Raptors gehören zu den absoluten Top-Teams der NBA, dennoch haben die jungen Spieler auf den großen Positionen Chancen auf regelmäßige Minuten - Pöltl ist überhaupt der Jüngste im Kader.

"Es ist selten, dass du zu einem Sieger-Team wie diesem kommst und Minuten zu haben sind, wenn du dem Coach zeigst, was du auf dem Platz kannst", weiß Pöltl.

Die Chance auf Spielzeit ist zwar realistisch, doch die Konkurrenz ist im wahrsten Sinne des Wortes groß. LAOLA1 nimmt die Big-Men-Riege der Raptors unter die Lupe:


JONAS VALANCIUNAS

"JV" ist als Starter gesetzt
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Größe: 2,13 m

Geburtsjahr: 1992

Nationalität: Litauen

Draft: Nr. 5 (2011)

In der NBA seit: 2012

Stats 2015/16: 12,8 Punkte, 9,1 Rebounds, 1,3 Blocks, 26,0 Minuten, 56,5% Feldwürfe, 76,1% Freiwürfe

Persönliche Auszeichnungen: NBA All-Rookie Second Team (2013), U19-WM-MVP (2011), U18-EM-MVP (2010), U16-EM-MVP (2008), 2x FIBA Young Player of the Year (2011, 2012), All-Eurocup First Team (2012), Eurocup Rising Star (2012), LKL MVP (2012), 3x Litauens Spieler des Jahres (2011, 2012, 2014), MVP European Under-18 All-Star Game (2009)

Team-Erfolge: NBA Conference Finals (2016), 2x NBA Playoffs 1. Runde (2014, 2015), 2x EM-Silber (2013, 2015), 2 Olympia-Teilnahmen (Platz 8 2012, Platz 7 2016), WM-Vierter (2014), U19-WM-Gold (2011), U18-EM-Gold (2010), U16-EM-Gold (2008), U16-EM-Bronze (2007), Gold beim European Youth Olympic Festival (2007), litauischer Meister (2010), litauischer Cupsieger (2010) jeweils mit Lietuvos Rytas

Ungemein kräftig: Valanciunas
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Valanciunas ist vor allem körperlich eine Macht und dominierte dadurch in ganz Europa seit seinen Jugendtagen. Auch in der NBA brachte er von Beginn an solide Leistungen, seine Stats verbesserten sich von Jahr zu Jahr. Neben DeMar DeRozan und Kyle Lowry ist der Litauer dritter Star der Raptors und als Starting Center zu 100 Prozent gesetzt. In der vergangenen Saison hatte er mit Verletzungen zu kämpfen. Viel mehr als die durchschnittlich 26 Minuten pro Spiel wird ihm Coach Casey wohl nicht zumuten. Pöltls Vorzüge gegenüber Valanciunas liegen in der Mobilität.


LUCAS "BEBE" NOGUEIRA

Guter Athlet mit langen Armen: "Bebe"
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Größe: 2,13 m

Geburtsjahr: 1992

Nationalität: Brasilien

Draft: Nr. 16 (2013 von Boston gedraftet, nach Atlanta und schließlich nach Toronto getradet)

In der NBA seit: 2014

Stats 2015/16: 2,2 Punkte, 1,6 Rebounds, 0,4 Blocks, 7,8 Minuten (29 Spiele), 63,6% Feldwürfe, 53,3% Freiwürfe

Persönliche Auszeichnungen: Fünftbester Rebounder und zweitbester Shot-Blocker der U19-WM (2011), Top-Rebounder und -Shot-Blocker der U18-Copa-América (2010)

Team-Erfolge: NBA Conference Finals (2016), NBA Playoffs 1. Runde (2015), Silber bei der U18-Copa-América (2010), Bronze bei der U17-Südamerika-Meisterschaft (2009), Platz 9 U19-WM (2011)

Nogueira (l.) bekommt heuer erstmals eine echte Chance
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Nogueira ist der direkte Konkurrent Pöltls um die Backup-Center-Minuten. Obwohl der Brasilianer drei Jahre älter ist, konnte er sich noch nicht in der NBA etablieren. 2014/15 kam er auf nur sechs Einsätze, in der letzten Saison auf 29. In beiden Spieljahren verbrachte der Spaßvogel viel Zeit in der D-League (Fort Wayne Mad Ants und Raptors 905), wenngleich er 2015/16 auch in der NBA in einzelnen Spielen sein großes Potenzial zeigen konnte. Im Sommer soll "Bebe", der mit 17 nach Spanien gewechselt war, sehr gut gearbeitet haben, er bekommt von Coach Dwane Casey daher auch zunächst mehr Chancen als Pöltl. Mittelfristig sollte sich der Wiener gegen den zwar athletischeren, aber weniger fokussierten und effizienten Nogueira durchsetzen können.


JARED SULLINGER

"Sully" spielt Power Forward und Center
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Größe: 2,06 m

Geburtsjahr: 1992

Nationalität: USA

Draft: Nr. 21 (2012 von Boston gedraftet)

In der NBA seit: 2012

Stats 2015/16: 10,3 Punkte, 8,3 Rebounds, 2,3 Assists, 0,6 Blocks, 23,6 Minuten, 43,5% Feldwürfe (28,2% 3er), 64,0% Freiwürfe

Persönliche Auszeichnungen: NBA: Eastern Conference Player of the Week (2014), Teilnehmer Rising Stars Challenge (2014); College: 2x Concensus First Team All-American (2011, 2012), Big Ten Tournament MVP (2011), Big Ten Freshman of the Year (2011), Wayman Tisdale Freshman of the Year (2011), USBWA National Freshman of the Year (2011), 2x First Team All-Big Ten (2011, 2012); High School: Naismith Prep Player of the Year (2010), McDonald's All-American Game Co-MVP (2010), First Team Parade All-American (2010), Jordan Brand High School All-American team (2010); Teilnehmer Nike Hoop Summit (2010)

Team-Erfolge: 2x NBA Playoffs 1. Runde (2015, 2016), NCAA Final Four (2012), NCAA Sweet Sixteen (2011), Big Ten Conference Tournament Sieger (2011), 2x Big Ten Conference Regular Season Champion (2011, 2012) jeweils mit Ohio State

Fußprobleme bei Sullinger
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Sullinger galt schon als High-School-Spieler als einer der Top-Basketballer seines Jahrgangs. Dass er nicht als Lottery-Pick gedraftet wurde, lag an den Sorgen diverser Teams wegen beim Pre-Draft-Camp entdeckten Rückenproblemen. Als Nr. 21 von den Celtics ausgewählt, entwickelte er sich schließlich zu einem "Steal" des Drafts. Vor allem im zweiten und dritten Boston-Jahr war "Sully" einer der Leistungsträger. Im vergangenen Jahr ging seine Einsatzzeit wegen des tiefen Celtics-Kader etwas zurück, er war aber immer noch in 73 Saisonspielen Starter. Im Sommer unterschrieb der Free Agent einen Einjahres-Vertrag bei den Raptors, bei denen er aller Voraussicht nach als Power Forward starten wird. Dank seiner Physis (rund 120 kg) wird der 24-Jährige allerdings auch viele Minuten auf der Center-Position zum Einsatz kommen, was die Möglichkeiten für Nogueira und Pöltl beschneidet. In der Preseason hat Sullinger mit Fußproblemen zu kämpfen, von den ersten fünf Testspielen absolvierte er nur das Auftaktspiel gegen Golden State.


PATRICK PATTERSON

Shooter auf der Vier: Patterson
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Größe: 2,06 m

Geburtsjahr: 1989

Nationalität: USA

Draft: Nr. 14 (2010 von Houston gedraftet)

In der NBA seit: 2010

Stats 2015/16: 6,9 Punkte, 4,3 Rebounds, 25,6 Minuten, 41,4% Feldwürfe (36,2% Dreipunkter), 85,3% Freiwürfe

Persönliche Auszeichnungen: College: 2x First Team All-SEC (2009, 2010), SEC All-Defensive Team (2010); High School: Second Team Parade All-American (2007), McDonald's All-American (2007)

Team-Erfolge: NBA Conference Finals (2016), 2x NBA Playoffs 1. Runde (2014, 2015), SEC Conference Tournament Sieger (2010), SEC Conference Regular Season Champion (2010), NCAA Tournament Elite Eight (2010)

Routinier mit 27
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Patterson war ein College-Star bei Kentucky, spielte zweieinhalb Jahre bei den Houston Rockets und wurde von diesen zu den Sacramento Kings getradet. Nach insgesamt 41 Spielen über zwei Saisonen und zehn Monate verteilt, wurde der Power Forward im Dezember 2013 weiter nach Toronto transferiert, wo er im Sommer 2014 für drei Jahre unterschrieb. Mit 27 Jahren ist Patterson der "Oldie" in der Inside-Riege. In seinen bisherigen zweieinhalb Saisonen für die Kanadier spielte er konstant rund 25 Minuten von der Bank kommend, diese Rolle dürfte in etwa gleich bleiben - oder, falls sich ein Junger aufdrängt, sich etwas verringern. Patterson profiliert sich vorwiegend als Distanzwerfer und Verteidiger.


PASCAL SIAKAM

Siakam (r.) mit Pöltl
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Größe: 2,06 m

Geburtsjahr: 1994

Nationalität: Kamerun

Draft: Nr. 27 (2016)

In der NBA seit: 2016

Stats 2015/16 (College): 20,2 Punkte, 11,6 Rebounds, 2,2 Blocks, 34,6 Minuten, 53,8% Feldwürfe (20,0% Dreipunkter), 67,8% Freiwürfe

Persönliche Auszeichnungen: AP Honorable Mention All-American (2016), WAC Player of the Year (2016), WAC Freshman of the Year (2015)

Team-Erfolge: WAC Conference Tournament Sieger (2015), 2x WAC Conference Regular Season Champion (2015, 2016)

Athletischer Aktivposten: Siakam
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Siakam stammt aus dem Kamerun und wurde dort im Rahmen eines "Basketball Without Borders"-Camp von seinem Landsmann und NBA-Spieler Luc Mbah a Moute entdeckt. Mit 16 wechselte er in die USA, wo auch seine drei älteren Brüder schon aufs College gingen, und spielte ein Jahr auf der High School. Nachdem er das erste College-Jahr verletzungsbedingt verpasst hatte, konnte er in den folgenden beiden Saisonen mit tollen Stats aufwarten. Mit seinem Motor und seiner Athletik konnte er sich im Raptors-Dress sofort ins Rampenlicht spielen. Um ein richtig guter Power Forward zu werden, fehlt ihm noch ein konstanter Außenwurf, alle anderen Ingredienzien bringt Siakam mit.

Sein starker Eindruck ist hauptverantwortlich dafür, dass Jakob Pöltl um konstante Einsatzminuten zittern muss. Dass der Österreicher an Nogueira vorbei muss, war von Anfang an klar. Doch mit einem so starken Siakam war nicht unbedingt zu rechnen. Der Kameruner hat sich mit seinen bisherigen Auftritten deutlich für Minuten auf der Vier in Stellung gebracht. Plant man für Valanciunas, Sullinger und Patterson als Rechenbeispiel nicht allzu großzügig jeweils 26 Minuten ein, bleiben für den Rest noch 18 übrig. Davon könnte Siakam nach derzeitigem Stand viele abstauben.


SMALL BALL?

DeMarre Carroll
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Dieses Szenario schließt allerdings noch nicht die Option "Small Ball" mit ein. Es ist durchaus möglich, dass Casey hin und wieder auch kleinere Aufstellungen ausprobiert. Ein Spieler wie Small Forward DeMarre Carroll wäre dafür hervorragend geeignet. Andererseits könnten sich durch die eine oder andere Verletzung größere Möglichkeiten für die jungen Big Men eröffnen.

Die Fans in Österreich sind gespannt, wie sich die Situation im Laufe der ersten Wochen entwickeln wird. Eine Eigenschaft, die Pöltl mitbringt, könnte erforderlich sein: Geduld. Eine Saison ist lang, Chancen werden sich ergeben. Dass er auch in der D-League zum Einsatz kommen könnte, ist dem Österreicher bewusst.

Er sieht dies mehr oder weniger gelassen: "Natürlich will ich so viel wie möglich in der NBA spielen, aber die D-League ist eine gute Alternative, um Spielpraxis zu sammeln und sich zu entwickeln. Es haben schon richtig bekannte Spieler wichtige Schritte in der D-League gemacht."

Das Vertrauen in ihren Nummer-9-Pick seitens der Raptors ist jedenfalls da. Mindestens mittelfristig spielt der Wiener in den Plänen der Kanadier eine wichtige Rolle.

"Er ist nicht der typische junge Spieler, der in die Liga kommt und emotionale und psychologische Höhen und Tiefen hat. Er kann bei zwei Plays in Folge Mist bauen und sich davon sofort erfangen. Das wird ihm helfen, wenn er um Spielzeit kämpft", weiß der Cheftrainer um die Reife seines Rookies.

Eine Reife und Ruhe, die Pöltl im Verlauf seiner Karriere immer wieder gezeigt hat und tatsächlich seine entscheidende Trumpfkarte sein könnte.

Hubert Schmidt


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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