Pöltl will bei Spurs "die Chance ergreifen"

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Wenn die NBA am 17. Oktober in ihre 73. Spielzeit startet, ist auch ein Österreicher wieder mit dabei: Jakob Pöltl.

Vor seiner dritten Saison als NBA-Profi spricht der Wiener über seine erste Bilanz bei seinem neuen Verein und welche Ziele er sich für die kommende Zeit gesteckt hat.

Bei den San Antonio Spurs lebt sogar die Chance auf einen Platz in der Startformation. Diese Tatsache motiviert Pöltl: "Grundsätzlich ist die Chance da, ich muss sie nur ergreifen."

Keine Änderung der Erwartungshaltung

Die Vorschusslorbeeren, die Pöltl in San Antonio entgegengebracht werden, sind beträchtlich. Trainer Gregg Popovich, Mitspieler und auch die Presse lobten seine Spielintelligenz, seinen Einsatz und seine Vielseitigkeit. "Aber das zählt alles nichts, wenn ich es nicht auf dem Platz beweise, dass sie Recht haben", sagte Pöltl. "Ich habe das Gefühl, dass ich hier gut hineinpasse und viel Erfolg haben kann. Jetzt muss ich das Ganze auch beweisen."

Das heißt jedoch nicht unbedingt, dass seine Statistiken ansteigen müssen. "Ich messe meinen Erfolg über die Saison nicht daran, ob mein Punkteschnitt jetzt um drei raufgegangen ist, oder ich zwei Rebounds mehr geholt habe. Darum geht es im Endeffekt nicht", betonte Pöltl im Gespräch mit der APA.

JAKOB PÖLTL läuft ab nun für die SAN ANTONIO SPURS auf. Tim Duncan und seit kurzem auch Manu Ginobili, Tony Parker und Kawhi Leonard sind bei der Erfolgs-Franchise Vergangenheit. Wie sieht also der KADER der Texaner für die Saison 2018/19 abgesehen vom Wiener eigentlich aus?

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DEJOUNTE MURRAY (Point Guard, 21 Jahre)
Stats 2017/18: 8,1 Punkte - 2,9 Assists - 5,7 Rebounds - 1,2 Steals

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Murray hat sich im Laufe seiner zweiten Saison als Starting Point Guard etabliert. Seine Vorzüge liegen im physischen Bereich: Er ist für einen Einser sehr groß (1,96) und extrem reboundstark. Zuletzt schaffte er es sogar in das NBA All-Defensive Second Team. 2015/16 spielte er für Washington in der Pac-12 gegen Utah und Pöltl.

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DEMAR DEROZAN (Shooting Guard/Small Forward, 28 Jahre)
Stats 2017/18: 23,0 Punkte - 5,2 Assists - 3,9 Rebounds - 1,1 Steals

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Der vierfache All-Star wurde gemeinsam mit Pöltl nach Texas getradet. Er schaffte es in der abgelaufenen Saison in das All-NBA Second Team und im Jahr davor ins All-NBA Third Team, ist Olympiasieger und Weltmeister. Seine Scoring-Qualitäten sind es, die die Spurs zuletzt auf den Außenpositionen in dieser Form nicht hatten.

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RUDY GAY (Small Forward/Power Forward, 32 Jahre)
Stats 2017/18: 11,5 Punkte - 5,1 Rebounds - 1,3 Assists - 31,4% 3P

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Gay konnte sich in seiner Premieren-Saison im Spurs-Dress nach seinem Achillessehnenriss beweisen, auch wenn seine Minuten im Vergleich zu den Jahren zuvor stark beschränkt waren (21,6 gegenüber dem Karriereschnitt von 34,6). Der ehemalige Nummer-8-Pick kann auf beiden Forward-Positionen spielen und legte in seiner besten Saison 2014/15 für die Kings 21,1 Punkte auf. Gay gewann mit den USA zweimal WM-Gold.

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LAMARCUS ALDRIDGE (Power Forward/Center, 33 Jahre)
Stats 2017/18: 23,1 Punkte - 8,5 Rebounds - 2,0 Assists - 1,2 Blocks

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Der gebürtige Texaner war zuletzt durch die Verletzung von Leonard ganz klare Nummer-1-Option in der Offense, der sechsfache All-Star gehört zu den besten 1-1-Spielern unter den Big Men. Aldridge, der auf beiden großen Positionen eingesetzt wird, schaffte es zweimal ins ALL-NBA Second Team (darunter auch 2018) und dreimal ins Third Team.

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PAU GASOL (Center/Power Forward, 38 Jahre)
Stats 2017/18: 10,1 Punkte - 8,0 Rebounds - 3,1 Assists - 1,03 Blocks

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Gasol ist in die Jahre gekommen und hat in der Defense gegen schnelle Spieler Probleme, gehört aber immer noch zu den versiertesten Großen in der Liga. Einerseits wird Pöltl von ihm viel lernen können, andererseits ist er sein Hauptkonkurrent um Minuten und vielleicht die Starter-Position. Der Spanier ist zweifacher NBA-Champ (Lakers 2009 und 2010), sechsfacher All-Star, stand je zweimal im All-NBA Second und Third Team, war Rookie of the Year. Internationale Erfolge: WM-Gold und -MVP, 2x Olympia-Silber, 1x Bronze, 2x EM-MVP, 3x EM-Gold, 2x Silber, 2x Bronze.

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PATTY MILLS (Point Guard/Shooting Guard, 30 Jahre)
Stats 2017/18: 10,0 Punkte - 2,8 Assists - 1,9 Rebounds - 37,2% 3P

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Der Australier nahm in der vergangenen Saison verschiedenste Rollen auf den Guard-Positionen ein, zuletzt war er Starter auf der Zwei. Der gute Werfer hatte trotz eines zweistelligen Punkteschnitts schon bessere Jahre. Mills ist seit 2012 ein Spur, war also auch beim Titel 2014 dabei.

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BRYN FORBES (Shooting Guard/Point Guard, 25 Jahre)
Stats 2017/18: 6,9 Punkte - 39% 3P

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Forbes, der nicht gedraftet wurde, hat sich in seinem zweiten Jahr einen fixen Platz in der Rotation erarbeitet und kam in 80 Spielen auf durchschnittlich 19 Minuten. Mit 39 Prozent Trefferquote war der Shooting Guard, der auch als Point Guard einspringen kann, treffsicherster Spur.

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MARCO BELINELLI (Shooting Guard/Small Forward, 32 Jahre)
Stats 2017/18: 12,1 Punkte - 1,9 Assists - 37,7% 3P - 90,8% Freiwürfe

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Belinelli spielte schon für neun verschiedene NBA-Teams und kehrt nach drei Jahren Pause wieder nach San Antonio zurück. Mit den Spurs gewann er 2014 den Titel, im selben Jahr triumphierte er auch beim Three-Point Shootout. Der italienische Top-Shooter, der in der vergangenen Saison für Atlanta und Philly auflief, ist ein Kandidat für die Starting Five: Murray, DeRozan und Aldridge sind gesetzt, daneben scheint alles offen. Für die Flügelposition neben DeRozan kommt die kleine Version mit beispielsweise Belinelli, als auch die große Version mit Rudy Gay infrage.

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DANTE CUNNINGHAM (Small Forward/Power Forward, 31 Jahre)
Stats 2017/18: 5,7 Punkte - 4,1 Rebounds - 34,5% 3P

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Für Cunningham ist San Antonio bereits die siebente NBA-Station - er wurde von den Brooklyn Nets geholt, um die durch den Abgang von Kyle Anderson entstandene Lücke teilweise zu schließen. Der als solider Rollenspieler etablierte Routinier kann auf beiden Forward-Positionen eingesetzt werden.

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DAVIS BERTANS (Power Forward, 25 Jahre)
Stats 2017/18: 5,9 Punkte - 2,0 Rebounds - 37,3% 3P

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Der 2,08 m große Lette spielt seit 2016 für die Spurs und war davor neben Teams in seiner Heimat für Olimpija Ljubljana, Partizan Belgrad und Baskonia aktiv. Als Außenspieler aufgewachsen, nimmt er in der NBA die Power-Forward-Position ein, von der er mit seinem starken Dreipunkte-Wurf gefährlich ist. Da er auf dieser Position körperlich unterlegen ist, wird er seinen Prozentsatz von außen gegenüber letzter Saison aber etwas steigern müssern, um eine konstante Rolle zu erhalten.

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DERRICK WHITE (Point Guard, 24 Jahre)
Stats 2017/18: 3,2 Punkte - 61,5% 3P (8/13)
White kam in seiner Rookie-Saison im Grunddurchgang zu 17 Einsätzen mit durchschnittlich 8,2 Minuten. Er machte Eindruck und dürfte künftig mehr Chancen bekommen.

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LONNIE WALKER IV (Shooting Guard, 19 Jahre)
Der Rookie vom College Miami (Florida) wurde an 18. Stelle gedraftet und konnte in der Summer League vor allem mit seinem Scoring und seiner Athletik überzeugen. Von Walker darf man in der Zukunft einiges erwarten - die Frage ist, ob schon im ersten Jahr.

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QUINCY PONDEXTER (Shooting Guard/Small Forward, 30 Jahre)
Stats 2017/18: 2,0 Punkte - 1,2 Rebounds
Der Routinier geht in seine siebente NBA-Saison und wurde kurz nach der Bekanntgabe von Ginobilis Karriereende für ein Jahr verpflichtet. Zuletzt spielte er 23 Partien für die Bulls.

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Der Kader ist mit 14 Spielern fast komplett. Spieler wie Rookie-Power-Forward CHIMEZIE METU (Bild) oder Flügel JARON BLOSSOMGAME hoffen auf ihre Chance auf den 15. Roster-Platz.

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GREGG POPOVICH
Head Coach, 69 Jahre
Erfolge: 5x NBA-Champion, 3x Coach of the Year, 4x All-Star Game Head Coach

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Seit 1996, als er als General Manager seinen Vorgänger Bob Hill feuerte und sich selbst zum Cheftrainer machte, ist Popovich Head Coach der Spurs. San Antonio gilt seither als Vorzeige-Franchise, in der sich Spieler und Trainer hervorragend entwickeln - zahlreiche ehemalige Assistant Coaches von Popovich sind nun Head Coaches bei anderen NBA-Teams. Nach Olympia 2016 übernahm der Trump-Gegner auch das US-Nationalteam.

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ETTORE MESSINA
Assistant Coach, 58 Jahre
Der Italiener ist eine europäische Coaching-Legende, er gewann viermal die Euroleague und mit Italien 1997 EM-Silber, war 2011/12 Berater der Los Angeles Lakers und ist seit 2014 Assistent von Popovich. In den Playoffs 2018 übernahm er nach dem Tod von Popovich' Frau interimsmäßig den Cheftrainerposten.

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BECKY HAMMON
Assistant Coach, 41 Jahre
Hammon ist der erste weibliche Assistant Coach in der NBA und coachte als erste Frau ein Summer-League-Team. Nach der letzten Saison wurde sie in die "erste Reihe" berufen, als James Borrego die Spurs verließ und in Charlotte als Head Coach anheuerte. Als Spielerin stand Hammon je zweimal im All-WNBA First und Second Team. Trotz ihren starken Leistungen wurde sie nicht ins US-Team einberufen, sie lief schließlich für Russland auf und holte Olympia-Bronze und EM-Silber.

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IME UDOKA
Assistant Coach, 41 Jahre
Udoka spielte drei Saisonen für die Spurs, mit Nigeria holte er zweimal Bronze bei den Afrika-Meisterschaften. Seit 2012 ist er Assistant Coach in San Antonio, war also auch beim letzten Titel dabei. Weitere Assistant Coaches sind "Shooting-Doktor" CHIP ENGELLAND und WILL HARDY, der bei den Spurs als Praktikant im Büro begann.

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Die Erwartungen an ihn selbst hätten sich durch den Sommertransfer von den Toronto Raptors nach Texas nicht geändert. "Ich will einen positiven Einfluss auf uns als Team haben."

Durchschnittlich 6,9 Punkte, 4,8 Rebounds und 1,2 Blocks hatte Pöltl in der Vorsaison in 18,6 Minuten pro Spiel erzielt. Dass er nach zwei Jahren in Toronto auch in San Antonio nicht die erste Offensivoption sein wird, weiß der Center, der am Montag seinen 23. Geburtstag feiert. "Es geht um andere Kleinigkeiten, die ich auf dem Feld mache, die uns hoffentlich helfen. Ich versuche da gerade, meine Rolle zu finden."

Die Chance auf einen Platz in der Startformation lebt


In der Vorbereitung stand Pöltl bereits einige Male in der Starting-Five
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Die personelle Situation bei den Spurs lässt für die Zukunft hoffen. Der bisherige Stammcenter Pau Gasol ist 38 Jahre alt und hat bereits angedeutet, während der regulären Saison auch mit weniger Spielzeit leben zu können. Österreichs NBA-Export könnte daher - wie zuletzt einige Male in der Vorbereitung - über kurz oder lang in die Startformation rutschen. "Grundsätzlich ist die Chance da, ich muss sie nur ergreifen", meinte Pöltl. Der Titel des "Starters" alleine mache für ihn noch nicht wirklich einen Unterschied.

Mit den Topscorern seines Teams auf dem Feld zu stehen, sei dennoch eine Umstellung. Pöltl würde dadurch noch mehr in die Rolle des Helfers für DeMar DeRozan, Rudy Gay oder LaMarcus Aldridge schlüpfen.

In San Antonio bricht nach den Abschieden von Manu Ginobili (Karriereende) und Tony Parker sowie dem Tausch von Kawhi Leonard mit DeRozan, in den auch Pöltl involviert war, eine neue Ära an. 21 Mal in Folge haben die Texaner zuletzt das Playoff erreicht. Gelingt das noch einmal, würden sie den NBA-Rekord der Philadelphia 76ers (1950-1971, bis 1963 als Syracuse Nationals) einstellen.

Die Serie soll auch ohne den verletzten Spielmacher Dejounte Murray (Kreuzbandriss) fortgesetzt werden. "Wir sind logischerweise keine Favoriten", sagte Pöltl über das Rennen um den NBA-Titel. Langfristig müsse eine Meisterschaft aber immer das Ziel sein. "Ob das jetzt in dieser Saison ist oder in der Saison darauf."

Bestmögliche Entwicklung als Ziel für die Zeit bei den Spurs

Pöltl ist bis Sommer 2020 an San Antonio gebunden, in der kommenden Spielzeit verdient er 2,947 Mio. Dollar (2,56 Mio. Euro). Ein Apartment hat er bereits bezogen, fertig eingerichtet ist es noch nicht. Toronto sei eine seiner Lieblingsstädte gewesen. Der 2,13-Meter-Mann kann aber auch der weitläufigen 1,5-Millionen-Einwohner-Metropole im südlichen Texas etwas abgewinnen. "Es ist nicht sehr dicht belebt, eher eine nette, ruhigere Stadt, wo ich mich trotzdem wohlfühlen kann."

Primär geht es ohnehin um die basketballerische Entwicklung. Und für die scheinen die Spurs ein nahezu perfekter Ort - nicht zuletzt wegen Starcoach Popovich, der den Klub seit 1996 zu allen fünf Meistertiteln (1999, 2003, 2005, 2007, 2014) geführt hat. "Mit ihm zu arbeiten, von ihm zu lernen und hoffentlich etwas mitzunehmen für die Zukunft, ist schon sehr wertvoll", meinte Pöltl.

Starcoach Popovich hält viel von Pöltl
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Neben dem taktischen Verständnis gehe es auch um die Mentalität. "Sein Nummer-1-Ding ist Vollgas. Wenn man etwas nicht gescheit macht, braucht man es gleich gar nicht machen." Mit dem mitunter harten Durchgreifen des 69-Jährigen habe er kein Problem. "Ich finde es sogar gut. Er weiß, wann es Zeit ist, dass er uns eine drüber haut, weil wir einen 'Schas' aufführen. Er weiß aber auch, wann es notwendig ist, eher Ruhe reinzubringen."

Von Pöltl verlangt "Pop" vor allem, auf dem Feld aktiv zu sein. "Er will nicht, dass ich mich aufs Abstellgleis stelle und warte." Der Österreicher ist als reiner Center vorgesehen. Seine Stärken soll er im variantenreichen Spiel der Spurs, die am Mittwoch (2.30 Uhr in der Nacht auf Donnerstag) zu Hause gegen die Minnesota Timberwolves in die Saison starten, aber auch außerhalb der Zone einbringen können.

Neben Popovich stehen ihm auch die Routiniers Gasol und Aldridge sowie Klub-Legende Tim Duncan mit Rat und Tat zur Seite. Letzterer ist nach seinem Karriereende noch immer regelmäßig beim Training vor Ort. "Ich habe viel Wissen, auf das ich zurückgreifen kann, viel Erfahrung und Spielverständnis, das ich hoffentlich anzapfen kann", erklärte Pöltl. "Um mich als Basketballer weiterzuentwickeln, ist das hier auf jeden Fall eine Top-Möglichkeit."

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

Jakob Pöltl kommt bei Spurs-Pleite bei Hawks von der Bank

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