Jakob Pöltl: "So spielt es sich sicher leichter"

Jakob Pöltl: Foto: © getty
 

Jakob Pöltl hat in den letzten Wochen und Monaten eine starke Entwicklung hingelegt.

Der Wiener hat sich als unangefochtener Starting Center der San Antonio Spurs etabliert und zählt in einigen Kategorien zur Elite der gesamten NBA.

Der 25-Jährige ist im Schnitt mit 1,8 Blocks die Nummer 6 in der Liga, mit 62,8 Prozent Trefferquote aus dem Feld sogar die Nummer 4 der offiziellen Bestenliste, bei den Offensiv-Rebounds (3,3) liegt er auf Rang 9. In zahlreichen defensiven Spezial-Statistiken ist Österreichs NBA-Export ebenso ganz vorne dabei.

Waren seine Durchschnittswerte in Punkten und Rebounds auch in den Monaten zuvor schon auf persönlichem Höchst-Niveau, beeindruckt er im April besonders mit seinen Blocks (2,3) und beim früheren Problembereich Freiwurf: Von der Linie stehen seit 1. April 20 Treffer bei 26 Versuchen und damit eine hervorragende Quote von 76,9 Prozent zu Buche (im März waren es noch 44,7).

Pöltl knackte zuletzt die 2.000-Punkte-Marke und durfte sich über weitere Jubiläen freuen (200. Spiel mit den Spurs, 100. Sieg mit den Texanern).

San Antonio konnte vier seiner letzten fünf Partien gewinnen und liegt derzeit mit 29 Siegen und 28 Niederlagen auf Rang 9 der Western Conference. Die Top-6 qualifizieren sich direkt für die Playoffs, die Teams auf den Plätzen 7 bis 10 für das Play-in.

Der Sieger des Spiels 7 gegen 8 steht in den Playoffs, der Verlierer bekommt gegen den Sieger von 9 gegen 10 noch eine Chance. Von den Spurs wird also zumindest Rang 8 anvisiert.

Frage: Jakob, Stand Sonntagabend liegst du in der offiziellen Bestenliste der NBA an vierter Stelle in Sachen Feldwurfprozentsatz und auf Platz sechs bei den Blocks. Bei dir persönlich läuft es sehr gut, oder?

Jakob Pöltl: Cool, so genau wusste ich das gar nicht! Ja, ich bin in den letzten Wochen irgendwie in einen Rhythmus gekommen. Generell haben wir uns als Team aus einem Loch gespielt: Zuerst haben wir nicht gut gespielt, dann stark gespielt, aber trotzdem verloren. Seit wir uns da rausgekämpft haben, läuft es für alle auch individuell besser.

Frage: Hilft es, dass du immer viele Minuten bekommst und dir um die Spielzeit
keine Gedanken machen musst?

Pöltl: Die fixe Rolle in der Starting Five macht auf jeden Fall einen deutlichen Unterschied. Ich hatte Zeit, damit zurechtzukommen und mich wohlzufühlen. Zu Beginn der Saison war ich zwar sporadisch Starter, aber nun ist meine Rolle konstant und es spielt sich so sicher leichter.

Frage: Fragen zu deinen Freiwürfen beantwortest du mittlerweile vermutlich gerne? Du hast 13 deiner letzten 14 Versuche von der Linie getroffen und hältst im April bei starken 76,9 Prozent.

Pöltl: Für mich persönlich war es nie wirklich ein Thema, es hat nichts an meiner Routine geändert. Ich komme insgesamt ja nicht zu so vielen Freiwürfen und es konnte passieren, dass drei von drei Versuchen daneben- und ein paar Wochen später mit dem gleichen Ablauf drei von drei reingingen. Freiwürfe sind auch eine Kopfsache und ich freu mich natürlich darüber, dass es in letzter Zeit auch in diesem Bereich gut läuft.

Frage: Die „Hack-a-Jak“-Taktik wird nun ob deiner stark verbesserten Quote nur noch selten angewendet, zuletzt von deinem Ex-Coach Dwane Casey.

Pöltl: Ja, das habe ich auch lustig gefunden, dass es der Ex-Coach macht, aber ich konnte das zum Glück bestrafen. Sollen sie es ruhig probieren!

Frage: Ihr hattet zwischendurch immer wieder mit Ausfällen zu kämpfen, seit der Rückkehr von Lonnie Walker seid ihr aber praktisch komplett und die Balance zwischen Startern und Bank stimmt wieder.

Pöltl: Gerade bei so einem dichten Spielplan wie heuer macht es einen riesigen Unterschied, wenn ein bis zwei Spieler aus der Rotation fehlen. Dann fällt deutlich mehr Last auf die anderen, die ohnehin schon alle müde sind. Wir haben uns nie aufgegeben, aber es gab schon Phasen, in denen der letzte Kampfgeist gefehlt hat, wenn wir einen späten Run kassiert haben. Wir haben uns zum Glück aus diesem Tief befreien können.

Frage: Der Kampf um die Playoffs bzw. das Play-in ist extrem eng. Nach dem Sieg gegen die Pelicans sieht es zumindest für einen Play-in-Platz recht gut aus.

Pöltl: Ich schaue nicht jeden Tag auf die Standings, aber ich weiß, dass unser restlicher Spielplan schwer ist. Zumindest Platz sieben oder acht wäre super, weil wir dann zwei Chancen hätten. Das Potenzial ist auf jeden Fall da, wir müssen es auf dem Parkett zeigen.

Frage: Was hältst du allgemein von der Beibehaltung der Play-in-Spiele, die letzte Saison für die Bubble eingeführt wurden?

Pöltl: Nicht alle sind dafür, aber mich stört es nicht. Es gibt so oder so Teams, die es knapp nicht in die Playoffs schaffen. Was dafür spricht ist, dass dadurch mehr Teams länger im Rennen bleiben.

Frage: Du hast den restlichen Spielplan angesprochen: In den meisten der verbleibenden 13 Spiele seid ihr von der Papierform her nicht Favorit. Neun Spiele sind auswärts, wo ihr heuer stärker performt als daheim. Spekulieren darf man auch damit, dass einige der besseren Teams gegen Ende des Grunddurchgangs vermehrt Spieler schonen.

Pöltl: Ich kann es mir nicht erklären, warum wir uns auswärts leichter tun als zu Hause, aber ich nehme es gerne als gutes Omen. Das mit dem Schonen der Spieler ist so eine Sache. Natürlich macht es einen Unterschied, ob ein LeBron James spielt oder nicht, aber ich habe das Gefühl, dass es in den meisten Spielen von uns selbst abhängt. Es kommt darauf an, dass wir es schaffen, 100 Prozent auf das Feld zu bringen. Die Papierform sagt wenig aus, wir haben heuer schon viele Spiele gegen stärkere Teams gewonnen und viele gegen schwächere Teams verloren.

Frage: Erstmals in deiner NBA-Karriere bist auch du für ein Spiel geschont worden, und zwar gegen Phoenix. War die Pause notwendig?

Pöltl: Ich habe die Belastungen schon ziemlich gespürt. Ich spiele viele Minuten, wir haben viele Back-to-back-Spiele und die kleinen Wehwehchen machen sich immer stärker bemerkbar. Ein Tag Pause hat da gutgetan. Dass die Pause unbedingt notwendig war, würde ich zwar nicht sagen, aber ich denke, es war eine gute Entscheidung – zumal wir das Spiel auch gewonnen haben.

Frage: Bleiben die Lakers dein Meisterschaftsfavorit, auch wenn sie wegen der Verletzungspausen von LeBron James und Anthony Davis vermutlich nicht aus einer Top-Position in die Playoffs gehen werden?

Pöltl: Der Titelkampf ist heuer sicher spannend, aber für mich bleiben die Lakers klar der erste Anwärter. Solange die Stars in den Playoffs fit sind, ist die Setzung nicht so wichtig, auch wenn der Playoff-Run dadurch sicherlich etwas schwieriger wird.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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