WM-Sensation Acosta: Die rasende Zahnspange

WM-Sensation Acosta: Die rasende Zahnspange Foto: © getty
 

2, 1, 1, 1 - was nach Platzierungen von Altstar Valentino Rossi oder dem achtfachen Weltmeister Marc Marquez in ihrer Blützezeit aussieht, vollbrachte ein 16-jähriger Rookie in den ersten vier Saisonrennen der Moto3.

Pedro Acosta heißt der junge Mann, der das Fahrerlager der Motorrad-WM derzeit regelrecht verzückt und ins Staunen versetzt. Mit einer wahnsinnigen und für sein Alter nahezu unvorstellbaren Abgebrühtheit brachte der Spanier die ersten drei Erfolge seiner noch sehr jungen Karriere in trockene Tücher.

Mit vier Podest-Platzierungen in den ersten vier Rennen stellte der KTM-Fahrer einen Rekord auf, zum ersten Mal in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft schaffte ein Rookie dieses Kunststück. In der WM-Wertung liegt Acosta mit 95 Punkten nach vier von 19 Rennen bereits 51 Zähler vor seinem ersten Verfolger Nicolo Antonelli (ITA/44 Punkte).

LAOLA1 stellt den Überflieger auf dem KTM-Bike genauer vor:

Mit fünf Jahren bereits die ersten Zweirad-Erfahrungen auf einem Bike

Pedro Acosta auf seiner Red Bull KTM
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Pedro Acosta Sanchez erblickt am 25. Mai 2004 im spanischen Ort Murcia das Licht der Welt. Als jüngstes von drei Kindern - er hat zwei ältere Schwestern - wächst der junge Spanier direkt am Meer in Mazarron, einer kleinen Hafenstadt zwischen den autonomen Regionen Andalusien und Valencia, auf.

Im Alter von gerade einmal fünf Jahren macht Acosta seine ersten Erfahrungen mit einem Motocross-Bike: "Mein Vater hat mir eines zum Testen gekauft und es war sofort ein unglaubliches Gefühl", sagte der 16-Jährige einst in einem Interview.

Früh wurde sein großes Potenzial erkannt, speziell sein Vater, ein Fischer, gilt als sein größter Förderer. Immer wieder brachte er seinen Sohn zu kleineren Rennen, so auch zum "MINI BIKES MINI ALEVIN B", welches Acosta 2013 auf Anhieb gewann.

2015 verbuchte Klein-Pedro - damals gerade einmal elf Jahre alt - den nächsten nennenswerten Erfolg, mit dem Gewinn der MiniGP 110 Class macht sich der Spanier in der heimischen Nachwuchs-Szene erstmals einen Namen. Spätestens der zweite Platz in der Meisterschaft des folgenden Jahres in der MaxxiGP 220 Class sowie der dritte Rang in der spanischen Moto4-Klasse bestätigten sein außergewöhnliches Talent.

Bereits 2017 eroberte das Ausnahmetalent Acosta seinen ersten Titel

Mein bestes Rennen war in Aragon 2017, der erste Grand Prix. Ich denke, es war meine beste Leistung, weil ich eine sehr hohe Pace ansetzen musste, um zu gewinnen.

Pedro Acosta

2017 - im Alter von nur 13 Jahren - wagte Acosta den Sprung in die spanische PreMoto3-WM, wo er mit dem beeindruckenden Titel-Gewinn erneut eine deftige Duftmarke am Weg zur Spitze setzte. Dabei ist dem unerschrockenen Youngster besonders ein Rennen in Gedächtnis geblieben: "Mein bestes Rennen war in Aragon 2017, der erste Grand Prix. Ich denke, es war meine beste Leistung, weil ich eine sehr hohe Pace ansetzen musste, um zu gewinnen." In der Folge wurden Teams in der Moto3 Junior World Championship auf ihn aufmerksam, letztlich durfte er 2018 ein Rennen für das "Swiss Innovative Investors Junior"-Team bestreiten, bei dem er direkt mit Rang 13 in die Punkte fuhr.

Dazu war der aufstrebende Spanier mit seinen 14 Lenzen der jüngste Fahrer neben Landsmann Carlos Tatay, den türkischen Brüdern Deniz und Can Öncü, sowie dem Belgier Barry Baltus, der damals sogar erst 13 Jahre alt war.

2018 sollte schließlich auch ein wichtiges Jahr in seiner Entwicklung sein: "Ich lernte in einer Gruppe mit vielen Fahrern um Positionen zu kämpfen, aber auch auf den verschiedensten Rennstrecken zu fahren", erinnert sich Acosta.

Der Durchbruch im Red Bull Rookies Cup, inklusive Sieg in Spielberg

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Seine Leistungen der vorangegangenen Jahre sollten dem "rasenden Wunderkind" mit der Zahnspange sowohl einen Platz in der Moto3 Junior World Championship als auch im Red Bull Rookies Cup - einer der wichtigsten Nachwuchs-Klassen in der Zweirad-Szene - bringen.

Nachdem Acosta das Auftakt-Wochenende nach einem schweren Sturz in Jerez de la Frontera verpasste, schrieb der damals 15-Jährige mit zwei zweiten Rängen in Mugello und Assen erstmals so richtig an. Am kommenden Rennwochende am Sachsenring sollte auch der erste Sieg im Red Bull Rookies Cup folgen, zwei weitere Erfolge am Red-Bull-Ring in Spielberg sowie in Misano kamen noch hinzu.

Die Saison beendete der Murcianer mit dem Vize-Weltmeistertitel, allerdings war jedem Kenner und Experten sofort klar, dass es dabei nicht bleiben wird. Acosta fuhr sich mit diesen Leistungen auch ins Rampenlicht der Moto3, blieb jedoch ein weiteres Jahr im Red Bull Rookies Cup - mit Erfolg.

Der 1,60-Meter-Youngster fuhr der Konkurrenz in den ersten sechs Saison-Rennen regelrecht um die Ohren, siegte ein ums andere Mal auf dominante Art und Weise. Zwar ließ seine Form in weiterer Folge nach, dennoch sicherte er sich in souveräner Manier den Weltmeistertitel, auch Platz drei in der spanischen Moto3-Meisterschaft, in der er nebenbei ebenfalls fuhr, sollte herausspringen.

Wer sichert sich das Supertalent?

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war der Weg des Spaniers gezeichnet, zahlreiche Teams aus der Moto3 standen um die Dienste des Rookies Schlange. Nachdem ein Deal mit dem CarXpert-Prüstel-GP-Team bereits als fix galt, zerschlug sich dieser Wechsel aufgrund einer nicht anerkannten Zusammenarbeit mit Acostas spanischem Moto3-Team, für das er zuvor im Einsatz war.

Daraufhin wurde der 16-Jährige als Nachfolger von Moto3-Weltmeister Albert Arenas - stieg in die Moto2 auf - gehandelt, letztendlich setzte sich aber das Red Bull KTM-Ajo-Team durch und sicherte sich das Supertalent für die kommenden zwei Jahre.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Vorschusslorbeeren bereits hoch, mit weiteren guten Leistungen bei den Testfahrten in Katar bestätigte der Junge aus Murcia zumindest, dass mit ihm zu rechnen sein wird.

Furioser Auftakt in Katar

Ende März beim ersten Saison-Rennen am Losail International Circuit von Katar qualifziert sich Acosta für den elften Startplatz und fährt daraufhin in seinem allerersten Grand Prix in der Motorrad-WM direkt auf Platz zwei - geschlagen nur von KTM-Teamkollege und Landsmann Jaume Masia.

Die erste Sternstunde des Rookies folgt in der Woche darauf: Wie zahlreiche andere Piloten wird der 16-Jährige nach dem Qualifying zu den Stewards zitiert. Der Grund? Sie sollen auf der Ideallinie getrödelt und dadurch andere Fahrer gefährdet haben. Dies hat einen Start aus der Boxengasse zu Folge.

Acosta lässt sich davon nicht beirren, startet eine furiose Aufholjagd, spült sich mit gnadenlosen Manövern an die Spitze und fährt seinen ersten Moto3-Sieg ein. Dafür erntete er auch Lob von höchster Stelle: "Das ist super. Glückwunsch zu deinem ersten Erfolg in der Weltmeisterschaft! Bravo", gratuliert der achtfache Weltmeister Marc Marquez direkt nach dem Rennen über Twitter.

Teamchef Aki Ajo war daraufhin voll des Lobes: "Wir freuen uns riesig über den Sieg, den Pedro Acosta als Rookie einfahren konnte. Er hat unglaubliche Arbeit geleistet."

Ajo fuhr fort: "Ich bin sehr von Pedros Herangehensweise beeindruckt, da er den Konkurrenten der alten Schule der Vergangenheit sehr ähnelt." Die alte Schule hat er sich wohl bei seinen großen Vorbildern Kevin Schwantz und Casey Stoner abgeschaut.

Erfolg bestätigt

Der Druck wuchs auf den jungen Rookie, das erste Rennen in Europa, jenes in Portimao, Portugal, sollte die Fakten endgültig auf den Tisch legen. One-Hit-Wonder oder Wunderkind? Es stellte sich Letzteres heraus.

In der Qualifikation zum Großen Preis von Portugal fuhr "die rasende Zahnspange", wie Acosta liebevoll genannt wird, auf einen soliden zwölften Rang. Es war aber die Leistung im Rennen, die seinen Status endgültig belegte.

Innerhalb weniger Runden wagte sich der KTM-Pilot seinen Weg an die Spitze, dort angelangt, machte er es sich hinter Renn-Leader Dennis Foggia gemütlich. Auf Rang zwei liegend checkte Acosta den Italiener ab, nur um in der letzten Runde ein schier unmögliches Überholmanöver auf der Bremse anzusetzen - und es ging auf. Der Spanier raste daraufhin mit genügend Vorsprung auf die Zielgerade zu, feierte seinen zweiten Sieg in Folge und jubelte über eine klare Führung in der Moto3-WM.

Schreibt Acosta Geschichte?

Acosta beim Pressetermin vor dem Spanien-GP
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Es folgte der WM-Lauf in Jerez, bei dem es bereits im Vorfeld ein echtes Highlight für Acosta gab. Bei der großen Pressekonferenz vor dem Wochenende nahm der 16-Jährige neben den MotoGP-Größen Joan Mir, Marc Marquez, Fabio Quartararo, Franco Morbidelli und Francesco Bagnaia Platz. Im Rahmen des Medientermins blieb sogar Zeit für einen kurzen Plausch mit Marquez, der ihm dabei viel Lob zusprach, ihn jedoch davor warnte, sich nicht zu viel Druck aufzulegen.

Jener Druck wurde ihm bereits von der internationalen Presse aufgebürdet, doch der 16-Jährige löste diese Aufgabe einmal mehr in extrem abgeklärter Manier. Das Qualifying - derzeit wohl noch seine größte Schwachstelle - beendete der WM-Leader auf dem 13. Rang. Sein Ziel vor dem Rennen? Der Circuito de Jerez - Angel Nieto besteht aus 13 Kurven, somit könnte er sich in jeder Kurve einen Kontrahenten schnappen.

Freilich ging es nicht so schnell von statten, dennoch erkämpfte sich Acosta seinen Weg an die Spitze, wo ein harter Fight mit Romano Fenati, Teamkollege Jaume Masia und Markenkollege Deniz Öncü anstand. Immer wieder wechselte die Führung, in der vorletzten Runde der Schock-Moment: Acosta geht beim Kurvenausgang zu früh aufs Gas und kann einen Highsider nur mit viel Mühe verhindern.

Der Spanier rutscht auf Rang vier zurück, mit Beginn der Schlussrunde liegt er jedoch bereits wieder auf dem dritten Platz. Raus aus Kurve 5 geht es die lange Gerade hinunter Richtung Turn 6, dort setzt Acosta innen an und passiert tatsächlich auf der Bremse sowohl Öncü als auch Masia. Diese Führung lässt sich das Wunderkind nicht mehr nehmen, seine schärfsten Konkurrenten kommen in der letzten Kurve 13 nach einem Fehler von Öncü zu Sturz.

Damit feiert der Rookie souverän den dritten Erfolg in Serie, das vierte Podium in vier Rennen und trägt sich in die Geschichtsbücher der Motorrad-WM ein. Wahrscheinlich nicht zum letzten Mal.

Der designierte Nachfolger von Superstar Marc Marquez?

Der Weg von Pedro Acosta ist definitiv vorgezeichnet, mit dem Red Bull KTM-Ajo-Team steht eine grandiose Crew hinter ihm, die - angeführt von Teamchef Aki Ajo - bereits in den Jahren zuvor tadellose Arbeit leistete und zahlreiche kommende MotoGP-Stars ausbildete.

So gelang unter anderem dem mittlerweile achtfachen Weltmeister Marquez 2010 der Durchbruch in der Moto3 unter Ajo, aber auch der jetzige KTM-Fahrer Brad Binder schaffte den Sprung in die MotoGP. Mit Luis Salom wäre vor einigen Jahren ein weiteres großes Talent Gewehr bei Fuß gestanden, der Spanier verunglückte leider bei einem Trainingsunfall in Barcelona tödlich.

Nichtsdestrotrotz könnte Acosta der designierte Nachfolger von Marc Marquez werden, da ist sich auch Honda-Star sicher: "Wenn er kühlen Kopf bewahrt, dann wird er es in die MotoGP schaffen und dort seinen Job sehr gut machen. Er wird ein weiterer Spanier in der Königsklasse sein. Wenn er diese Entwicklung fortsetzt, dann habe ich kein Problem zu sagen, dass er es für alle sehr schwierig machen wird."


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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