Wolff erwartet "Updaterennen" für zweite F1-Saisonhälfte
In Budapest schien es so, als ob die Spitzenteams wieder näher beisammen liegen würden. Nach der Sommerpause könnte es eng weitergehen.
Die Formel-1-Spitze ist vor der Sommerpause zusammengerückt. Wie sehr nur die Streckencharakteristik in Ungarn die Dominanz von Mercedes gebremst hat, wird aber erst das nächste Rennen am 23. August in Zandvoort zeigen.
Kimi Antonelli nimmt 50 Punkte Vorsprung auf seinen ersten WM-Verfolger Lewis Hamilton mit in die zwölf ausständigen Rennen. "Es steht noch viel Arbeit an, es gibt noch viel zu lernen", sagte der 19-Jährige. "Aber es war eine gute erste Hälfte der Saison."
Antonelli ist in neun von elf Grand Prix auf das Podest gefahren, sechs hat er gewonnen. Selbst am für Mercedes bisher schwierigsten Wochenende in Budapest rettete sich der Italiener von Startplatz sieben noch auf Endrang drei. "Wir haben das Ergebnis maximiert", meinte Antonelli.
Dauerpechvogel Russell
Die WM ist aber längst nicht zu seinen Gunsten gelaufen, auch wenn dessen Pechsträhne seinen Teamkollegen George Russell mit mittlerweile 59 Punkten Rückstand auf WM-Rang drei verfrachtet hat. "Hoffentlich dreht es sich. So eine Saison habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt", sagte Russell.
Die Bevorzugung eines Piloten werde es nicht geben, betonte Mercedes-Teamchef Toto Wolff im ORF. "Wir sind George schuldig, dass wir sie fahren lassen." Der Engländer war durch ein technisches Problem beim Start in Ungarn ans Ende des Feldes zurückgefallen. Wolff sah die Schuld dafür ausschließlich beim Team.
Für den Rest der Saison erwartet der Wiener ein "Updaterennen" zwischen den Rennställen. "Ich glaube, es ist zusammengerückt. Wir werden versuchen, da immer wieder etwas zu bringen."
Norris profitierte von Ferrari-Fehlgriff
Ferrari machte in Ungarn lange Zeit den stärksten Eindruck - verspielte am Ende aber das Podest. Hamilton sah dafür auch einen Strategie-Fehlgriff seines Teams verantwortlich, das ihn im Finish bei einem virtuellen Safety Car noch einmal zum Reifenwechsel geholt hatte.
"Im Nachhinein: Meine Reifen waren völlig in Ordnung. Ich hätte zumindest Platz drei behalten können", meinte der 41-Jährige. So aber fuhr er in der Box zu schnell und kassierte auch noch eine Zeitstrafe, die ihn hinter seinen Teamkollegen Charles Leclerc auf Platz fünf spülte.
Die Gunst der Stunde nutzte Lando Norris. Sein erster Sieg als Weltmeister lässt den Briten zuversichtlicher auf die zweite Saisonhälfte blicken - auch wenn seinem McLaren nicht alle Strecken so gut liegen werden wie jene in Mogyorod bei Budapest.
Erste Nicht-Mercedes-Pole macht Hoffnung
"Es gibt Bereiche, in denen das Auto noch nicht dort ist, wo es sein soll, aber ich habe Vertrauen in das Team", betonte Norris. "Der erste Sieg ist ein bisschen früher gekommen, als ich geglaubt habe."
Norris durchbrach am Samstag nicht nur die Quali-Serie der Mercedes-Piloten, die sich bis dahin die Pole Positions für alle Saison-Grand-Prix untereinander aufgeteilt hatten, er war auch im Rennen auf dem für McLaren maßgeschneiderten Kurs klar der schnellste Mann.
"Wenn das Auto gut ist, und wenn ich im Flow bin, dann gibt es kein Halten", meinte der 26-Jährige. "Ich bin optimistisch für die Zukunft. Ich denke, wir können weitere Rennen gewinnen." In der WM-Wertung fehlen Norris aber bereits 91 Punkte auf Leader Antonelli.
Verstappen trotz Unmut mit Aufwärtstrend
Red Bulls vierfacher Weltmeister Max Verstappen liegt als WM-Sechster 110 Zähler zurück. Ein Ungarn-Rennen mit Platz zwei und damit deutlich über den Erwartungen stimmte den Niederländer aber etwas weniger missmutig als zuletzt.
"Wir hatten einige gute Momente, einige Lichtblicke, aber insgesamt war es hart", sagte Verstappen über seine erste Saisonhälfte, die erste unter dem von ihm ungeliebten neuen Reglement mit deutlich mehr Fokus auf die Batterie, die Energierückgewinnung und Energieeffizienz.
Ein leichter Aufwärtstrend ist erkennbar. Dreimal in den vergangenen vier Rennen landete Verstappen auf dem Podest. "Wir müssen versuchen, solider zu sein in allen Bereichen, mehr problemfreie Wochenenden haben", sagte der 28-Jährige auch in Richtung seines Teams.
"Und wir müssen vor allem mehr Leistung finden, so einfach ist es am Ende des Tages." Lob vom Ex-Champion gab es für Antonelli. "Für einen 19-Jährigen war er bisher grundsolide", meinte Verstappen. "Das ist wirklich beeindruckend zu sehen."