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Scharfe Bottas-Kritik an Mercedes-Strategie

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Lewis Hamilton war knapp dran am Sieg beim Grand Prix von Frankreich. Eineinhalb Runden vor Schluss musste der siebenfache Champion Max Verstappen dann doch vorbeiziehen lassen

Während Red Bull nach Verstappens Ausritt am Start mit der Zwei-Stopp-Strategie alles richtig gemacht hat, wurde das Risiko der Ein-Stopp-Taktik bei Mercedes nicht belohnt. 

Valtteri Bottas, der sich am Ende mit Rang vier begnügen musste, übt laute Kritik an der Strategie seines Teams. "Als Team waren wir zu sehr darauf fokussiert, die Einstoppstrategie auszuführen. Wir dachten, das wäre die bessere, aber das war es nicht", klagt der Finne bei "Sky". 

Bottas sicher: "Dann hätten wir um den Sieg gekämpft"

Verstappen hatte Hamilton nach dem Start die Führung "geschenkt", als er bei böigem Wind am Ausgang der ersten, nach links gekrümmten Kurve die Kontrolle über sein Auto verlor und kurz die Strecke verließ.

Danach fuhr Hamilton unspektakulär voraus, obwohl er über Funk ein schlechtes Fahrverhalten und schnell erhitzende Reifen monierte. Dabei hatte es durch Regen am Vormittag sogar ein wenig abgekühlt. Es gelang ihm, den Vorsprung auf Verstappen kontinuierlich auszubauen und über drei Sekunden auf den Niederländer herauszufahren.

Das reichte aber um wenige Zehntelsekunden nicht, um nach dem Reifenwechsel am Ende der 19. Runde vorne zu bleiben. Verstappen, der eine Runde vorher in die Boxengasse abgebogen war, schaffte den Undercut und hatte die Führung wieder.

In der 32. Runde von 53 ließ sich Verstappen noch einen Satz Medium-Reifen anstecken, Hamilton blieb hingegen bei seinen schon abgenutzten Hard-Walzen. Zunächst überholte Verstappen dann Bottas und machte Jagd auf den WM-Titelverteidiger - am Ende erfolgreich. Bottas brach komplett ein und musste auch Perez passieren lassen.

Bottas glaubt, den Fehler in der Strategie-Überlegung gefunden zu haben: "Wir dachten, dass die Reifen bei den kühleren Bedingungen besser halten würden, aber das haben sie nicht. Unsere Vorhersagen für das Reifenleben hat nicht gepasst, das ist die Realität."

Er ist sich sicher: "Hätten wir zwei Stopps gemacht, hätten wir es sicher auf das Podium geschafft und um den Sieg gekämpft. Das ist sicher."

Wolff über Bottas: "Endlich regt er sich auf!"

"Endlich regt er sich auf! Das lässt er raus, das war gut so."

Wolff über die Kritik von Bottas

Bottas hatte seinen Unmut über die Strategie bereits während des Rennens am Funk deutlich gemacht - so verärgert und genervt hat man den Finnen selten gehört. "Warum hört mir niemand zu, wenn ich sage, dass das ein Zweistopper ist?!", schimpfte Bottas. 

Mercedes-Teamchef Toto Wolff reagiert fast erfreut auf den Vorwurf seines Schützlings: "Endlich regt er sich auf! Das lässt er raus, das war gut so", sagt der Wiener bei "ServusTV".

Dennoch stellt Wolff klar: "Wir glauben immer noch, dass die Einstopp die bessere Strategie war. Wir haben einfach unsere Reifen gekillt, als sie nach dem Stopp so knapp beieinander waren. Da kannst du dann wenig tun."

Wolff: "Alles falsch gelaufen bei der Strategie"

Warum man beim ersten Boxenstopp den Platz an Verstappen verloren hat, darüber grübelt man bei Mercedes unmittelbar nach dem Rennen noch. "Wir haben über drei Sekunden Gap gehabt, um den Undercut zu verteidigen, aber der hat nicht gereicht. Uns geht irgendwo eine Sekunde ab. Die Max-Outlap war sensationell, aber die Sekunde fehlt. Da müssen wir schauen, wo wir mit Instrumenten, Software daneben lagen", erklärt Wolff. 

"Wir haben das Rennen beim Boxenstopp verloren. Wir hatten gedacht, dass wir genügend Schutz vor dem Undercut hatten, was nicht gestimmt hat", so Wolff. "Von dann an waren wir im Hintertreffen, um ehrlich zu sein. Der Kampf zwischen den drei Autos an der Spitze war intensiv. Der zweite Stopp erschien uns als zu großes Risiko, weil das Rennen im Weg war. Das haben wir heute falsch eingeschätzt. Heute ist so ein bisschen alles falsch gelaufen bei der Strategie."

Hamilton: "Wir haben ein gutes Paket"

Lewis Hamilton betont, dass es nach Verstappens zweiten Boxenstopp die einzige Option gewesen wäre, draußen zu bleiben und durchzufahren. "Er hat mich mit dem Undercut gehabt, er kam vor mir raus und ich konnte die Pace nicht gehen, sie waren zu schnell auf der Geraden. Daher war es die einzige Option, so lange wie möglich draußen zu bleiben und zu hoffen, dass die Reifen halten."

Das haben sie am Ende bekanntlich nicht. "Natürlich, wir haben nicht gewonnen und haben geführt, aber am Ende hatte ich keine Reifen mehr. Da habe ich die Position noch verloren, dennoch war es ein gutes Rennen", ist der siebenfache Champions mit Platz zwei nicht unzufrieden. 

Red Bull habe am gesamten Wochenende den besseren Speed auf der Geraden gehabt. "Wir müssen Pace finden, das ist klar. Wir müssen uns anschauen, warum wir so viel auf den Geraden verloren haben, ob das mit der Power oder Luftwiderstand zu tun hat. Wir haben aber immer noch ein gutes Paket", gibt sich Hamilton kämpferisch. 

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Textquelle: © LAOLA1.at