Heinz Prüller: Mit Schreibmaschine statt Laptop

Heinz Prüller: Mit Schreibmaschine statt Laptop Foto: © GEPA
 

Wer in Österreich an die Formel 1 denkt, denkt in erster Linie an Rindt, Lauda, Berger, vielleicht auch noch Marko, Wurz und Wolff. Und wer zur nicht mehr ganz jungen Fan-Generation gehört, der denkt auch an Heinz Prüller.

Denn wer ab den 1960ern die Formel 1 hierzulande verfolgte, kam an Heinz nicht vorbei: In Tagespresse, Fachzeitschriften, Radio, TV. Er war für Jahrzehnte der Stammgast am Sonntagnachmittag. Er war die "Formel Heinz", wie es Kollege Gerald Pototschnig in der "Kleinen Zeitung" einmal treffend formulierte.

Am 30. April (leider auch der Todestag von Roland Ratzenberger) wird Heinz Prüller 80 Jahre alt. Bei nicht mehr ganz perfekter Gesundheit, aber immer noch mit dem tiefen Blick in die Formel-1-Welt. Denn als ich vor wenigen Wochen Samstagnacht vom Bahrain International Circuit losfuhr, klingelte das Mobiltelefon, und Heinz war dran: "Bist Du in Bahrain? Was gibt's Neues?"

Ein besonderes 50er-Geschenk

Die Kontakte haben sich in den vergangenen Jahren aufs Telefonieren beschränkt, auch schon vor der Pandemie. Heinz konnte schon länger keine Rennen mehr besuchen, aber das Interesse, die Neugierde waren da wie schon seit 60 Jahren.

Als er zum 50er von Kollegen eine Uraltschreibmaschine nur mit den Tasten B, E, R, G bekam, war klar: Für "Berger" reichte sie. Zehn Jahre später blieb es beim Gerücht, W, U und Z seien dazugekommen. Oder L, A, D.

Aber ich schrieb damals, 2001, in den "Salzburger Nachrichten": Heinz sei der Einzige neben dem französischen Grandseigneur Renaud de Laborderie (1930-2012) in einem F1-Pressezentrum, der noch mit einer herkömmlichen Schreibmaschine quasi Maschinengewehrlärm verursachte, während alle anderen an Laptops werkten.

Heinz' Anruf kam prompt: "Das stimmt nur bei Überseerennen, denn da ist das Internet meistens schlecht, in Europa habe ich selbstverständlich einen Laptop."

Ein "Best of" seiner GP-Geschichten

Was jeden an Heinz beeindruckte: Nicht nur sein universelles Interesse, sondern seine persönliche Speicherplatte: Von Leichtathletik über Eiskunstlauf (früher), Boxen, Radsport, Fußball, natürlich Ski alpin bis zum Motorsport reichten seine Interessen und sein geistiges Archiv. Heinz ist damit neben wenigen anderen Legenden und Weggefährten wie Josef "Joe" Metzger, Wolfgang Winheim, Robert Seeger oder Michael Kuhn eines der großen Universalgenies des heimischen Sportjournalismus.

Nicht nur in der Formel 1 bewandert
Foto: © GEPA

1971, im Jahr eins nach Jochen Rindt, mit dem er gemeinsam eine Formel-1-Euphorie in Österreich ausgelöst hatte, startete der Wiener seine Jahrbuchreihe "Grand Prix Story". Die 2020 ihre 50. Ausgabe erleben sollte, was sich auch wegen des späten Saisonfinales nicht mehr ausging.

Und Heinz war es auch nicht mehr möglich, dafür aktiv zu werden, doch der Residenz Verlag entschloss sich – nicht zuletzt zu Heinz' 80er - zu einer eben erschienenen finalen Hommage: Ein "Best of" seiner Texte aus den vergangenen Jahrzehnten, ergänzt mit zahlreichen Widmungen von Formel-1-Prominenz bis zu Journalistenkollegen, von denen viele seine "Lehrbuben" (und eine sein "Lehrmädchen") waren. Die Fotos aus fünf Jahrzehnten dazu sind eine Fundgrube für jeden Fan. Bernie Ecclestones Widmung schloss mit der vielsagenden Bemerkung: "They do not grow Prüllers these days."

Die Pandemie verhindert derzeit noch eine große Feier und den gemeinsamen Toast auf Heinz, doch das werden wir bestimmt bei erster Gelegenheit nachholen. Ad multos annos, lieber Heinz!

Heinz Prüller: Grand Prix Story. Die Höhepunkte aus 50 Jahren. Residenz Verlag, Wien-Salzburg 2021, 528 Seiten, 34 Euro.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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