Spa: Wo Schumachers Stern aufging

Spa: Wo Schumachers Stern aufging Foto: © GEPA
 

Wenn die Formel 1 am Wochenende aus der Sommerpause zurück zur Arbeit (an der Strecke) kommt, geschieht dies traditionell in den belgischen Ardennen.

Auch wenn alle Augen auf die Fortsetzung des Rennkrimis Hamilton vs. Verstappen bzw. Mercedes vs. Red Bull gerichtet sind und dabei offen ist, wer die "Guten" und wer die "Bösen" sind, so ist in Spa-Francorchamps der dort erfolgreichste Fahrer der Geschichte immer irgendwie anwesend: Michael Schumacher.

Wer Neuigkeiten über den Zustand des Ende Dezember 2013 in Frankreich beim Skifahren verunglückten siebenfachen Champions sucht, wird nichts erfahren. Anzunehmen ist: Gäbe es (positive) News, wären die kommuniziert worden…

Schumacher ist mit sechs Siegen (zwischen 1992 und 2002) in Spa der "Roi". Von den aktiven Piloten war hier Kimi Räikkönen gleich erfolgreich wie Lewis Hamilton (je 4), Sebastian Vettel siegte drei Mal. Und unvergessen unter allen Fans: Das kuriose Debüt des 22-jährigen Michael Schumacher in Spa vor 30 Jahren. Denn weil der etatmäßige Jordan-Pilot Bertrand Gachot wegen einer handgreiflichen Kontroverse in London kurz hinter Gittern weilte, war das Cockpit frei – und Mercedes-Rennleiter Jochen Neerpasch reagierte am schnellsten (und effektivsten), verschaffte dem Mercedes-Junior sein F1-Debüt. Vom beeindruckenden Start mit Jordan-Ford (vor allem als Siebenter des Qualifyings, im Rennen in der ersten Kurve wegen Kupplungsschadens schnell out) ging es flott zum Benetton-Debüt in Monza, denn diese Chance mit einem Goldjungen ergriff Schlitzohr Flavio Briatore am schnellsten.

Nachteil für Red Bull in Spa?

Der letzte Red-Bull-Sieg in Spa, auf einer Power-Strecke und damit über Jahre mit Handicap für die österreichisch-britische Equipe, liegt sieben Jahre zurück – Daniel Ricciardo triumphierte 2014 im ersten Jahr der Hybrid-Ära. Seither dominierte Mercedes (drei Mal Hamilton, einmal Rosberg), Ferrari kam je einmal mit Vettel und Leclerc zum Erfolg.

Doch die Geschichte mit Strecken-Nachteilen weist Red Bulls Motorsport-Eminenz Helmut Marko zurück: "Wir sind mittlerweile auf allen Strecken stark, da gibt es kein Handicap." Der Grazer gibt aber zu: Die Unfälle von Silverstone und dem Hungaroring, die bei Verstappen und Pérez vorzeitige Wechsel auf neue Teile der Antriebseinheit erforderten, würden in der zweiten Hälfte zu einem Problem werden – beim Bedarf neuer Teile kommt die Strafversetzung und damit eine weitere "Ohrfeige" im Duell mit Mercedes. "Wir werden versuchen, das Motorrisiko so gering wie möglich zu halten. Mit Hamilton gibt es einen extrem starken Gegner und mit Mercedes ein Team, das scheinbar vor nichts zurückschreckt", erklärt Marko, dem die Ereignisse der letzten Rennen vor der Sommerpause wohl noch immer aufstoßen.

Markos allerbester Feind, Toto Wolff, nimmt die Situation gelassen – obwohl während der Erfolgsserie der Bullen im Juni und Juli zu erkennen war, dass verlieren dem Wiener so gar nicht in den gewohnten Kram passt. Musste Mercedes im Siegeszug der Hybridära nur fürchten, dass sich die beiden Fahrer gegenseitig schaden (und das auch nur bis 2016, als Rosberg gleichauf mit Hamilton war), so ist heuer ein gleichwertiger – phasenweise überlegener – Gegner zu bekämpfen. "Das ist ein neuer Ansporn für uns, denn jetzt stehen die Chancen manchmal schlechter, also werden wir uns noch mehr anstrengen", sagt der Wiener. Damit verlieren nicht schmerze, habe man die eigenen Erwartungen zurückgeschraubt: "Und jetzt gehen wir gestärkt in die neue Herausforderung."

Gerhard Berger, der bei Schumachers Debüt 1991 als Zweiter hinter Ayrton Senna für einen weiteren McLaren-Doppelsieg sorgte, meint zur zweiten Saisonhälfte: "Vor kurzem hätte ich noch gesagt, Max wird es heuer stemmen, aber in der Formel 1 darfst du die Konkurrenz nie unterschätzen und nichts für gesichert halten. Max müsste eigentlich mit einem komfortablen Vorsprung in der WM nach Spa-Francorchamps kommen, aber Mercedes und Hamilton veränderten die Lage – mit allen Mitteln."

Und weiter: "Ich erlebte schon viele Gigantenduelle in der Formel 1, aber das heuer ist einzigartig, mit den zwei Topfahrern, den Technikgenies dahinter, mit Wolff gegen Marko – das sind alles herausragende Fachleute, die für eine unglaubliche Ausgangslage sorgen. Ich wäre nicht überrascht, wenn die Entscheidung erst in Abu Dhabi (Finale am 12. Dezember, Anm.) fällt."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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