DTM-Finale: Unsportlichkeit - oder gar Schande?

DTM-Finale: Unsportlichkeit - oder gar Schande? Foto: © GEPA
 

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.

So banal lässt sich das Finale furioso der ersten DTM-Saison mit GT3-Autos zusammenfassen. Sonntag bei strahlendem Herbstwetter auf dem Nürnberger Norisring: Die Titelkandidaten und Erstplatzierten nach 15 von 16 Rennen, die aus Reihe eins gestartet waren, kollidieren und verlieren dabei das Rennen und die Meisterschaft. Und danach verlieren Liam Lawson (Ferrari) und Kelvin van der Linde (Audi) auch noch die Nerven.

Der Südafrikaner musste alles riskieren und tat es auf der Innenbahn hinein in die Haarnadel. Lawson lag zwar vorn, wurde aber von van der Linde touchiert und konnte außen nicht ausweichen, weil da sein Ferrari-Kollege Nick Cassidy (der den bei der Formel 1 benötigten Alex Albon vertrat) fast gleichauf war.

Fünf Strafsekunden für den Audi-Fahrer wegen der Kollision, später zog er sich bei einer Berührung mit dem weiteren Titelanwärter und Samstag-Sieger Max Götz (Mercedes) noch einen Reifenschaden zu. Für Lawson, der mit 19 Punkten Vorsprung ins letzte Rennen gegangen war, hätten ein paar Punkte gereicht – nicht aber ein Nuller.

Auer mit im Fokus

Dementsprechend groß waren Enttäuschung und Frust bei Lawson und seinem Team AF Corse. "Immer wieder vom gleichen Kerl rausgeworfen zu werden - er ist der dreckigste Fahrer, gegen den ich je fuhr", beschimpfte der 19-jährige Neuseeländer den sechs Jahre älteren Südafrikaner.

Sein Teamchef Ron Reichert legte nach: "Wir wollen uns nicht zu bestimmten Situationen auf der Strecke äußern. Was hier heute passiert ist, ist eine Schande für den Sport. Das gesamte Rennen ist nicht gut für den Sport, den wir betreiben", erklärte Reichert gegenüber Sat.1.

Damit spielte er auf die Winward-Fahrer Philip Ellis und vor allem Lucas Auer an. Der Tiroler, am Start Vierter, war unbeschadet als Erster aus dem Gemetzel in der ersten Kurve gekommen und fuhr vermutlich sein bestes DTM-Rennen, hatte bis zu 15 Sekunden Vorsprung – auf dem kurzen Norisring fast unmöglich – und schenkte seinen vermeintlichen achten Sieg dem Mercedes-Kollegen Götz, der zuvor schon vom Schweizer Ellis vorbeigelassen worden war.

"Das Auto war fantastisch und fuhr wie auf Schienen. Am Ende ließ ich Götz für die Meisterschaft vorbei", bestätigte der Tiroler.

Es gibt keine Herstellerwertung

Teamwork oder Unsportlichkeit? Mercedes stand schon vor dem letzten Rennen als Sieger der Markenwertung, AF Corse als Gewinner der Teamwertung fest. Da hätte sich nichts geändert. Zu vergeben war der wichtigste Titel, jener der Fahrer.

Wäre die DTM wie früher eine Herstellerserie, wäre eine "Stallorder" noch zu argumentieren gewesen. Aber jetzt ist die DTM eine Meisterschaft für Privatteams, und Winward (Auer, Ellis) schuldete HRT (Götz) rein gar nichts.

Lucas Auer wird sich bei Mercedes damit sicher Pluspunkte geholt haben. Von Lawson, AF Corse und vielleicht auch anderen (Nicht-Mercedes-)Teams hat er sicher keine Lorbeeren für Fairness zu erwarten. Hätte Auer vor Götz gewonnen, wäre Lawson Meister geworden. So aber lautet der Endstand Götz 230 vor Lawson 227 und van der Linde 208.

Die große Frage

Emotionslos betrachtet ist der Franke Götz (35), der bei seinem Heimspiel den größten Karriereerfolg mit zwei Laufsiegen und dem Titel feiern durfte, zweifellos ein würdiger, wenn auch am Ende beschenkter Champion. Götz und sein Salzburger Fanklub jubelten in dieser Saison über drei Laufsiege, zudem hatte der Routinier nur einen einzigen Nuller in 16 Rennen.

Folgerichtig das Schlusswort des neuen Champions: "Meister wird man nicht in einem Rennen."

Da hat er wohl recht. Oder auch nicht?

P.S. Der dreifache DTM-Champion und Wahl-Bregenzer René Rast, zuletzt in der Formel E (aus der Audi ausgestiegen ist), kommt 2022 in die DTM zurück und ersetzt bei Abt-Audi Mike Rockenfeller, der Audi nach 15 Jahren verlassen wird. Rast wird neben DTM-Rennen auch Entwicklungsarbeit für Audis LMDh-Boliden bestreiten.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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