Warum tut sich Windtner das an?

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Burgenland: Gerhard Milletich

Kärnten: Klaus Mitterdorfer

Niederösterreich: Johann Gartner

Oberösterreich: Gerhard Götschhofer

Salzburg: Herbert Hübel

Steiermark: Wolfgang Bartosch

Tirol: Josef Geisler

Vorarlberg: Horst Lumper

Wien: Robert Sedlacek

Nie gehört? Nichts versäumt!

Dennoch gilt es, sich diese neun Namen gut einzuprägen, denn sie könnten in naher Zukunft „wichtig“ für den Profi-Fußball in Österreich sein.

Dies sind nämlich die neun Landespräsidenten, die derzeit als Kollektiv in aller Munde sind. Denn das Machtspielchen, um es vornehm auszudrücken, das Teile von ihnen abziehen, gleicht einer Schande.

Und warum das alles? Macht, Einfluss, Mitspracherecht und offenbar vor allem die Befriedigung der eigenen Eitelkeit.

Denn inzwischen scheint durchgesickert, warum sie Leo Windtner im Wahlausschuss im ersten Anlauf glatt durchfallen haben lassen: Um selbst ein kleines Stück Rampenlicht abzubekommen und sich in Zukunft ÖFB-Vizepräsident nennen zu dürfen. Herzliche Gratulation zum Visitenkarten-Upgrade!

Zur Erinnerung: Der ÖFB-Wahlschuss für die Präsidentenwahl besteht aus zehn Mitgliedern – den neun Landespräsidenten plus Bundesliga-Boss Hans Rinner.

Sieben dieser zehn Herrschaften stimmten gegen Windtner, dem Vernehmen nach waren dies Geisler, Hübel, Sedlacek, Gartner, Mitterdorfer, Milletich sowie Rinner.

Für Windtner votierten Bartosch (Steiermark), Lumper (Vorarlberg) und logischerweise sein oberösterreichischer Landsmann Götschhofer – dieses Trio ließ in dieser Posse also Vernunft walten.

Wie durch ein „Wunder“ wurde Windtners Scheitern natürlich den Medien zugespielt, damit die Peinlichkeit für den Oberösterreicher ein bisschen größer ist – und vermutlich auch der Druck auf ihn, den Begehrlichkeiten nachzugeben.

Im zweiten Anlauf wurde Windtner schließlich einstimmig (!) als einziger Kandidat für die ÖFB-Präsidenten-Wahl am kommenden Sonntag nominiert.

Man durfte stets davon ausgehen, dass diese Trendwende in der Meinungsbildung nicht nur der öffentlichen Aufregung geschuldet war, sondern ihren Preis hatte.

Aber welcher Preis schien den Herren Geisler, Hübel, Sedlacek, Gartner, Mitterdorfer, Milletich und Rinner angemessen, um nicht nur Windtner, sondern auch den Ruf des Fußballbundes zu schädigen?

Das eigene Fortkommen natürlich.

Mit der Wahl Windtners wurden 2009 die Vizepräsidenten im ÖFB abgeschafft. Ab sofort soll es sie wieder geben – einen soll dem Vernehmen nach die Bundesliga stellen, die anderen drei jeweils ein Vertreter (also tendenziell ein Landespräsident) aus den Regionen West, Mitte und Ost.

Nun könnte man meinen: Eh wurscht! Wenn einige dieser Herrschaften so machtgeil sind, dass sie diese föderalistisch besonders korrekt aufgeteilten Amterl unbedingt brauchen, dann sollen sie diese haben, spielt doch keine Rolle.

Nun, ganz so einfach ist es nicht: Sollte der ÖFB demnächst eine Teamchef-Entscheidung treffen müssen (und das muss er ob des auslaufenden Vertrags von Marcel Koller so oder so), werden die „Experten“ aus den Ländern in Zukunft ein gewichtigeres Wörtchen mitzureden haben oder wie sie selbst es nennen: „Zeitgerecht eingebunden werden“. Wer an dieser Stelle an die „guten“, alten Seilschaften denkt, liegt womöglich nicht so falsch.

Dem Vernehmen nach soll der Stachel bei diversen Landes-Kaisern nämlich sehr tief gesessen haben, dass Windtner im „Alleingang“ mit Sportdirektor Willi Ruttensteiner eine Personal-Auswahl wie Koller durchgeboxt hat.

Wen sie wohl lieber als ranghöchsten Trainer gehabt hätten? Kurt Jara? Oder wieder einen Coach der Marke Didi Constantini? Man möge die Fantasie spielen lassen.

Und dies ist nur ein Beispiel. Man wird die personellen Entwicklungen im ÖFB in mittelfristiger Zukunft wohl auch in diesem Zusammenhang überprüfen müssen.

Kehrt bis Sonntag nicht rechtzeitig Vernunft ein und sollte alles wie offenbar geplant durchgezogen werden, stellt sich folgende Frage:

Hat der ÖFB mit Windtner in Zukunft einen erpressbaren Präsidenten?

Eine Marionette von Gnaden einiger Landespräsidenten, bei denen man sich nicht ganz sicher sein kann, ob einige von ihnen nicht selbst die Marionetten eines anderen Strippenziehers sind?

Das würde womöglich zu weit gehen, denn Windtner hat in der Vergangenheit Wege gefunden, sich durchzusetzen. Aber ein extrem schaler Beigeschmack bleibt so oder so.

Denn (irreparabel?) beschädigt ist ein Präsident, der sich mutmaßlich auf solche Deals einlässt, so oder so.

Warum tut sich Windtner das an? Bei der Art und Weise, wie der 66-Jährige in den vergangenen Wochen von seinen Gegnern vorgeführt wurde (Stichworte: komischerweise den Medien zugespieltes Scheitern im Wahlausschuss), muss er den Job als ÖFB-Boss wirklich sehr, sehr, sehr lieben.

Denn wenn man trotz erfolgreicher Amtszeit aus diesen fragwürdigen Gründen derart gedemütigt wird, könnte man auch einfach den Hut drauf hauen und aus der gemütlichen Pension heraus beobachten, ob es andere tatsächlich besser können.

Textquelle: © LAOLA1.at

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