Die Weltfußballerwahl ist eine Farce

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Warum die Weltfußballerwahl eine Farce ist

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Cristiano Ronaldo betritt das Podium. Pele übergibt ihm die Auszeichnung. Der Portugiese bricht in Tränen aus. So viel bedeutet es ihm, endlich wieder den Ballon d’Or in Händen zu halten.

Die Reaktion des Real-Stars bei seiner Wahl zum Weltfußballer des Jahres 2013 zeigt, wie viel Prestige mittlerweile mit diesem Titel einhergeht. Doch dieser Hype ist völlig unberechtigt. Denn rein sportlich gesehen hat die Wahl überhaupt keine Relevanz. Die Schuld dafür trägt der Vergabemodus. Dieser gleicht einer Farce.

Zu viele Wahlberechtigte

Früher wählte eine unabhängige Jury aus Sportjournalisten den 1956 erstmals vom Fußballmagazin „France Football“ gekürten Ballon-d’Or-Preisträger. Seitdem dieser Preis von der FIFA 2010 geschluckt wurde, ist jedoch alles anders.

Weil sich der Weltverband in seinem Größenwahn mit der UNO vergleicht, darf nun jedes einzelne Mitgliedsland drei Stimmen abgeben. Die Meinung von Jogi Löw, dessen Wahl repräsentativ den größten Fußballverband DFB vertritt, zählt genauso viel wie jene von Francis Lastic, seines Zeichens Teamchef der 183.000-Einwohner-Insel St. Lucia.

Sportliche Leistungskriterien rücken dadurch in den Hintergrund. Gewählt werden die populärsten Marken – jene Fußballer, die weltweit einen hohen Bekanntheitsgrad genießen: Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Klar, die beiden haben aufgrund ihrer unfassbaren Treffsicherheit ihre Auszeichnungen mehr als verdient. Trotzdem haben weniger gut vermarktete Profis kaum eine Chance mehr. Dies zeigte nicht zuletzt das Jahr 2010, als sowohl WM-Final-Torschütze Andres Iniesta als auch Champions-League-Sieger Wesley Sneijder Messi den Vortritt lassen mussten.

Freunderlwirtschaft

Gleichzeitig hat sich die Abstimmung in den letzten Jahren immer mehr zu einer Sympathie-Wahl entwickelt. Erstens, weil die konstant überragenden Leistungen der beiden Superstars sowieso kaum eine Reihung zulassen. Andererseits aber auch, weil die wahlberechtigten Nationalteam-Kapitäne und -Trainer jeweils ihre eigenen Landsmänner oder Mannschaftskollegen wählen.

Argentiniens Nationaltrainer schrieb letztes Jahr etwa drei seiner Schützlinge auf seinen Wahlzettel. Dasselbe galt für den deutschen Bundestrainer. Ex-Real-Goalie Iker Casillas, damals noch in derselben Kabine wie Ronaldo zuhause, ließ wiederum Messi außen vor.

Man kann den Wählern ihre Sympathie-Stimmen aber kaum verdenken. Auch sie sind sich bewusst, dass ihre einzelne Stimme bei mehr als 600 Wahlberechtigten kaum ins Gewicht fällt. Womit wieder die Problematik des Vergabemodus zum Vorschein kommt.

Klar, der Sport braucht immer seine Helden und Sieger. Deswegen erfreut sich die Weltfußballer-Wahl auch so großer Popularität. Trotzdem sollten Spieler, Medien und Fans anfangen, den Ballon d’Or weniger wichtig zu nehmen. 

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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