Im Zweifel lieber Remis: Lehren aus der ersten WM-Runde
Am ersten Spieltag der WM 2026 hagelte es viele Unentschieden. Die hohe Anzahl der Remis könnte im neuen Modus des erstmals auf 48 Teams aufgestockten Turniers begründet sein.
Die ersten 24 von 104 Spielen der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko sind absolviert.
Was ist bisher aufgefallen? Von der größeren Vorsicht, beachtlichen Außenseitern und Stars, die reihenweise treffen.
Eine Flut von Unentschieden
So einen WM-Spieltag wie am Montag gab es zuletzt exakt 68 Jahre davor, als vier Remis aufeinanderfolgten.
Ziemlich überraschend trennten sich zunächst Ex-Weltmeister Spanien und Außenseiter Kap Verde 0:0, es folgten das 1:1 zwischen Belgien und Ägypten, das 1:1 zwischen Saudi-Arabien und Uruguay sowie das 2:2 zwischen Iran und Neuseeland.
Wie selten das ist, zeigte eine FIFA-Statistik: Einen solchen Spieltag hatte es in der Turnierhistorie zuvor nur am 15. Juni 1958 gegeben. Allgemein fiel der Trend zum Remis am ersten Spieltag auf.
Auch die Schweiz (1:1 gegen Katar), Kanada (1:1 gegen Bosnien-Herzegowina) und die Niederlande (2:2 gegen Japan) kamen trotz ihrer Favoritenrolle nicht über einen Punkt hinaus.
Die vielen Unentschieden könnten auch im neuen Modus der erstmals auf 48 Teams aufgestockten WM begründet sein. In die Runde der besten 32 kommen nicht nur die zwölf Gruppensieger und die zwölf Zweiten, sondern auch die acht besten Dritten.
Der Quervergleich verschiedener Gruppen führt verstärkt zu taktischen Spielereien, wie die Europameisterschaften 2016, 2021 und 2024 bereits belegten.
(Fast alle) Stars werden ihrem Ruf gerecht
Die ganz großen Namen sind - fast ausnahmslos - in Form und haben den ersten Spieltag mit ihren Toren geprägt. Lionel Messi zog mit einem Dreierpack beim 3:0 seiner Argentinier gegen Algerien mit dem Deutschen Miroslav Klose als erfolgreichster WM-Torschütze gleich.
Beide haben nun 16 Tore. Norwegens Stürmerstar Erling Haaland feierte einen WM-Start nach Maß, er traf in seiner ersten Partie beim 4:1 gegen den Irak direkt zweimal.
Auch der französische Topstar Kylian Mbappe (3:1 gegen Senegal) und Englands Kapitän Harry Kane (4:2 gegen Kroatien) erzielten jeweils Doppelpacks. Brasiliens Vinicius Junior bewahrte den Rekord-Weltmeister mit seinem Treffer beim schwungvollen 1:1 gegen Geheimfavorit Marokko vor einer Auftakt-Watschen.
Ohne Tor blieb Spaniens Lamine Yamal, der nach einer Verletzung erst spät eingewechselt wurde. Und auch Portugals Altmeister Cristiano Ronaldo ging nach einer blassen Vorstellung beim 1:1 gegen die DR Kongo leer aus (Ist seine Zeit vorbei? >>>).
Außenseiter überraschen
Die Erweiterung des Teilnehmerfelds von 32 auf 48 Nationen verwässert den sportlichen Wettbewerb - das war eines der Kernargumente derjenigen, die die Aufstockung kritisch beurteilen.
In Debütant Curacao und Tunesien (1:5 gegen Schweden) gab es zwar vereinzelt Beispiele für diese These, doch die meisten Außenseiter schlugen sich beachtlich - oder überraschten sogar wie Kap Verde, das sensationell eine Nullnummer gegen Europameister Spanien schaffte.
Zudem siegte Australien unerwartet 2:0 gegen die als Geheimfavorit gehandelte Türkei. Der frühere WM-Gastgeber Katar trotzte der Schweiz ein Remis ab.
Und auch Haiti sah beim 0:1 gegen Schottland zumindest ordentlich aus - und blieb nicht chancenlos. Für einen echten Coup sorgte die Demokratische Republik Kongo, die gegen Mitfavorit Portugal mit Cristiano Ronaldo ein 1:1 erkämpfte.