Justin Omoregie: Das ist Salzburgs Alleskönner

 

"Ich würde nicht einmal ausschließen, dass er Tormann spielen kann. Er kann alles", kommt Martin Scherb ins Schwärmen, wenn er nach Justin Omoregie gefragt wird.

Österreichs U19-Teamchef weiß, wovon er spricht, denn Scherb betreut Omoregie bereits seit vielen Jahren in diversen U-Nationalmannschaften des ÖFB - und setzte ihn auf noch mehr Positionen ein.

Auch bei seinem Klub, dem FC Red Bull Salzburg, ist das Potenzial des hochveranlagten 18-Jährigen längst erkannt worden, weshalb die Klubführung der "Bullen" ihm erst kürzlich einen Vertrag bis 2027 unterzeichnen ließ. Neben Omoregie ist damit nur Neuzugang Karim Konate und Liefering-Kollege Samson Baidoo so lange an den Verein gebunden.

Doch was hält Omoregie selbst von seiner Polyvalenz? Und auf welcher Position fühlt er sich am wohlsten? LAOLA1 hat mit dem charismatischen Teenager gesprochen und stellt den Alleskönner etwas genauer vor:

Ein Karrierebeginn wie Alaba

Omoregie, modern gestylter Afro am Kopf, oftmals ein Kruzifix-Flinserl im linken Ohrläppchen und nie ohne Grinser im Gesicht anzutreffen, wurde 2003 in Wien geboren. Seinen nigerianischen, ständig falsch ausgesprochenen Nachnamen hat er von seinem aus Westafrika stammenden Vater, die Mutter ist Polin.

Schon mit fünf Jahren begann er beim SV Aspern mit dem Kicken - eine der vielen Gemeinsamkeiten, die er mit seinem Idol David Alaba teilt. 2011 wechselte er in den Nachwuchs der Vienna, wo er früh eine Freundschaft mit Yusuf Demir schloss. 2013 ging es weiter zur Wiener Austria, doch die Veilchen mussten ihr Juwel schon 2017 wieder ziehen lassen.

Die zu diesem Zeitpunkt bereits äußerst renommierte Red Bull Akademie in Salzburg streckte die Fühler aus - und Omoregie folgte dem Ruf aus der Mozartstadt.

Salzburg machte ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte

"Meine Eltern haben mich damals mit der Nachricht überrascht, die mich sehr gefreut hat, weil Salzburg ein sensationeller Klub ist", blickt der 18-Jährige zurück. Salzburg machte ihm ein Angebot, "das ich eigentlich nicht ablehnen konnte".

13-jährig zog Omoregie schließlich ins hunderte Kilometer von zuhause entfernte Internat der Red Bull Akademie. "Das war schon eine Herausforderung, ich musste mich anpassen, das hat eine Zeit gedauert. Natürlich war es nicht so einfach, weg von den Eltern, weg von den Freunden, alles neu. Aber ich habe das relativ schnell gemeistert."

Mittlerweile hat sich dieser frühe Karriereschritt als goldrichtig herausgestellt. Omoregie wurde zur abgelaufenen Saison 2021/22 aus der U18 der "Bullen" zum FC Liefering hochgezogen, wo er von Beginn an für Aufsehen sorgte. Zunächst mit einer Blutgrätsche zum Saisonauftakt, die ihn nach seinem 2.-Liga-Debüt gleich mal für zwei Spiele in die Zuschauerrolle beförderte, dann mit richtig starken Leistungen über den gesamten Herbst.

"Extrem gutes Jahr für mich"

Mit Ende der Hinrunde riss der Faden allerdings etwas, da sich Omoregie erstmals in seiner Karriere ernsthaft verletzte. Zuerst eine Meniskusverletzung, dann eine Kreuzbandzerrung und schließlich neben Leistenproblemen auch noch eine Corona-Infektion setzten den Youngster für große Teile des Frühjahres außer Gefecht.

"Ich sehe das mit den Verletzungen als Lernprozess. Ich finde, es ist wichtig, dass man das auch durchlebt, auch wenn es hart ist."

Justin Omoregie über seine Verletzungspause

"Ich sehe das mit den Verletzungen als Lernprozess. Ich finde, es ist wichtig, dass man das auch durchlebt, auch wenn es hart ist. Ich glaube trotzdem, dass es ein extrem gutes Jahr für mich war. Ich konnte mich sehr gut weiterentwickeln und im Profisport ein bisschen Fuß fassen", zieht Omoregie trotz der langen Verletzungspause ein positives Saisonresümee.

Eine Sache ärgert den Wiener aber schon: Nachdem er im Herbst noch eine der Schlüsselfiguren beim Youth-League-Gruppensieg der U19 des FC Red Bull Salzburg war, verdammten ihn seine Verletzungen im Viertelfinale, im Halbfinale und beim Endspiel zum Zusehen.

"Es tut schon ein bisschen weh, wenn man da nicht mitmachen kann, wenn man die ganzen Spiele davor gemacht hat und meiner Meinung nach auch ziemlich gut gespielt hat", trauert Omoregie dieser Erfahrung nach, beweist im selben Atemzug aber Teamspirit: "Aber im Endeffekt sind wir alle eine Mannschaft und die Mannschaft steht über dem Spieler. Schade, dass es im Finale nicht gereicht hat, aber ich bin trotzdem unglaublich stolz auf die Mannschaft."

Salzburg-Beförderung "nicht selbstverständlich"

Die Chance auf weitere internationale Erfahrung ist aber ohnehin greifbar nahe. Omoregie wurde im März 2022 nämlich offiziell ab Sommer in die erste Salzburger Mannschaft hochgezogen und wird zumindest die Vorbereitung "oben" mitmachen, auch erste Champions-League-Minuten für den 18-Jährigen sind nach derzeitigem Stand und aufgrund der Vereinsphilosophie der "Bullen" alles andere als unvorstellbar.

Für Omoregie war es "natürlich nicht selbstverständlich, dass man so einen Vertrag bei einer so guten Mannschaft unterschreibt".

Für ihn ist die Beförderung aber auch eine Bestätigung. "Man hat so viel harte Arbeit in den letzten Jahren hingelegt, musste seine Kindheit auf die Seite schieben, deswegen ist es sehr geil zu sehen, dass das alles Früchte trägt", spricht er die Opfer des Profifußballs an.

Nächstes Highlight U19-EM

Bevor das Abenteuer Salzburg beginnen kann, steht aber eine ähnlich spannende Aufgabe am Programm: Die am Samstag beginnende U19-EM in der Slowakei.

Omoregie verpasste die Eliterunde der Qualifikation, in der Österreichs U19 sensationell Dänemark und den amtierenden U19-Europameister Spanien hinter sich ließ, aufgrund seiner Verletzungen zwar, drückte aber umso intensiver von zuhause aus die Daumen.

"Ich habe es von daheim verfolgt und ich habe mich natürlich riesig gefreut, dass wir uns qualifiziert haben", so der 18-Jährige, der die ÖFB-U19 als seine Familie bezeichnet.

Vom Zehner in die Innenverteidung und wieder zurück

In dieser Familie sind, um nur einige zu nennen, mit Ervin Omic, Benjamin Kanuric oder Adis Jasic zahlreiche hochveranlagte zentrale Mittelfeldspieler zugegen - was uns zur Polyvalenz Omoregies bringt.

Der Allrounder hat in der vergangenen Saison nämlich als Achter in der Raute seinen Durchbruch gefeiert und ist aufgrund seiner Athletik und seiner technischen Fähigkeiten auf dieser Position auch bei den "großen Bullen" eingeplant.

Zu Beginn seiner Karriere war der 1,91 Meter Hüne noch auf der Zehn beheimatet und rückte dann immer weiter zurück bis in die Innenverteidigung, ehe er sich im letzten Jahr wieder im zentralen Mittelfeld festsetzte.

"Habe keine Lieblingsposition"

"Ich habe keine Lieblingsposition. Für mich ist das Wichtigste, dass ich das Team unterstütze. Ob auf der Außenverteidigerposition, als Innenverteidiger, als Achter, als Sechser - das macht für mich keinen Unterschied. Ich versuche einfach, dem Team zu helfen und es auf der Position zu unterstützen, auf der es mich braucht", will sich der Alleskönner auf keine Idealposition festlegen.

In der Nationalmannschaft wurde er zuletzt meist auf der Innenverteidigerposition gebraucht. Bei der EM könnte es auf die Linksverteidigerposition hinauslaufen, da kein einziger gelernter Linksverteidiger für das Turnier einberufen wurde.

"Ich mache alles, um der Mannschaft weiterzuhelfen. Wenn es auf der Linksverteidigerposition ist, werde ich diese Challenge annehmen und versuchen, mein Bestes zu geben", verspricht Omoregie.

Und wenn Teamchef Scherb während der EURO die Tormänner ausgehen sollten, weiß er, an welche Adresse er sich wenden muss.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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