Olympique-Fans feierten ihren Präsidenten Tapie als "Boss"
Ein Skandal um ein gekauftes Fußballspiel 1993 brachte Tapie zwischenzeitlich ins Gefängnis. Wegen der Schmiergeldaffäre wurde er Ende 1995 zu acht Monaten Haft verurteilt, dem Verein wurde eine Meisterschaft aberkannt und er musste in die zweite Liga.
Bei Olympique hatte Tapie indes bis zuletzt viel Unterstützung bei den Fans, die ihn "Boss" nannten.
In Deutschland war er vor allem als ehemaliger Adidas-Besitzer bekannt. Der Verkauf seiner Anteile an dem deutschen Sportartikelhersteller Anfang der 90er Jahre beschäftigte jahrelang Gerichte. Tapie hatte die Anteile 1990 gekauft und 1993 an die damals staatliche Bank Crédit Lyonnais verkauft. Als diese die Anteile mit großem Gewinn weiterverkaufte, fühlte sich der zu dem Zeitpunkt in der Privatinsolvenz befindliche Geschäftsmann betrogen und zog vor Gericht.
Tapie bekam 400 Millionen Euro Schadenersatz vom Staat
2008 bekam er von einem privaten Schiedsgerichts gut 400 Millionen Euro Schadenersatz vom Staat zugesprochen.
Das Urteil sorgte allerdings für einen politischen Skandal. Der Verdacht stand im Raum, dass die damalige Wirtschaftsministerin und heutige Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, im Auftrag des damaligen konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy keine Rechtsmittel eingelegt hatte. Tapie hatte Sarkozy vor seinem Wahlsieg 2007 unterstützt. Lagarde wurde 2016 wegen Beihilfe zur Veruntreuung von Staatsgeldern schuldig gesprochen, ging aber straffrei aus. Die juristische Aufarbeitung der Affäre dauert an.
Tapie hatte dennoch bis zum Schluss gute Beziehungen in die Politik. Premierminister Jean Castex lobte ihn als "Kämpfer" und einen "sehr engagierten Mann".