FC Pinzgau Saalfelden: Der logische Aufsteiger?

Aufmacherbild
 

Nicht mehr lange dauert es, ehe feststeht, welche Vereine in der nächsten Saison ihre fußballerische Heimat in der 2. Liga finden könnten. Genau genommen am 3. März läuft die finale Nennfrist der Bundesliga für Regionalliga-Anwärter bezüglich Österreichs zweithöchster Spielklasse ab.

In der Regionalliga West gibt es hierbei nur einen Verein, der das Abenteuer zweite Liga wagen möchte und auch realisieren könnte. Nach der Absage des SAK, gilt der FC Pinzgau Saalfelden als größter und auch logischster Kandidat aus dem Westen. Der Salzburger Verein hat seit vergangenem Sommer hohe Ambitionen und sieht seine Zukunft klar in der zweiten Liga.

Möglich wird dies vor allem auch durch ein Engagement von drei amerikanischen Investoren, die ihr Know-how unter anderem von Erfahrungen beim MLS-Verein Real Salt Lake mitbringen.

Um herauszufinden, wie hoch die Chancen stehen, dass der FC Pinzgau in der kommenden Saison erstmals Zweitliga-Luft schnuppern kann, spricht LAOLA1 mit einem der drei Vorstände des Vereins, Christian Herzog.

Aufstiegsgedanken statt Abstiegssorgen

Noch vor knapp einem Jahr sah die Realität für den FC Pinzgau im Vergleich zu heute radikal anders aus. Statt Aufstiegstraum herrschte beinharter Abstiegskampf. Generell spielte der Verein in den vergangenen drei Jahren stehts gegen den Abstieg.

Seit Sommer 2019 läuft jedoch alles absolut mustergültig. Eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Abstiegssorgen adé, plötzlich ist der Aufstieg in die 2. Liga mehr als nur greifbar. Fast zu schnell passierte das alles, wie Christian Herzog erklärt: "Sportlich schaut es ganz gut aus. Da sind wir schneller am Punkt, als wir eigentlich gedacht haben. Wir versuchen gerade alle unsere Hausaufgaben zu erledigen, da sind wir auf einem guten Weg, aber natürlich wird die Zeit schon langsam knapp. Wir haben noch einiges zu erledigen."

Kopfzerbrechen über Flutlicht-Varianten

In der Saalfelden-Arena könnten 2.-Liga-Spiele ausgetragen werden
Foto: © HERO

Es wird für den FC Pinzgau also bis zum 3. März wohl ein Wettlauf gegen die Zeit. Grundsätzlich ist die Saalfelden-Arena, in der der Verein seine Heimspiele austragen würde, zweitligatauglich, es fehlt lediglich eine Flutlicht-Anlage.

Diese liefert aber ein größeres Problem: "Da haben wir eine Lösung gefunden, da geht es noch um eine Bewilligung. 400 Lux (die für die 2. Liga benötigt werden, Anm. d. Red.) bringen wir auf alle Fälle hin. Die bringen uns aber eigentlich nichts, da wir für den ÖFB-Cup 800 Lux benötigen würden. Von der Frist der Behörden ist das nicht mehr möglich, also müssen wir einen 400er-Zwischenschritt machen. Das ist aus unserer Sicht nicht besonders sinnvoll, lässt sich aber anders nicht lösen, weil wir diese bis Ende Februar nachweisen müssen."

Die Saalfelden-Arena bietet grundsätzlich etwa 2.500 Zuschauen Platz. Der Verein aus jener Stadt, aus der Rapid-Kapitän Stefan Schwab stammt, rechnet bei einem etwaigen Aufstieg mit etwa 1.000 bis 1.500 Zuschauern pro Spiel.

Noch zehn Spiele zum Glück

Sportlich muss der FC Pinzgau für das "Abenteuer 2. Liga" ebenfalls noch seine Hausaufgaben machen. Sechs Vereine – je zwei aus den Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Salzburg – spielen ab 14. März in der neuen Regionalliga-West-Eliterunde um die Meisterschaft. Von allen sechs Vereinen nahmen nur der FC Pinzgau und der SAK am verpflichtenden Bundesliga-Workshop im Herbst teil, diese beiden Teams wären also als einzige Vereine aufstiegsberechtigt. Nachdem der SAK daraufhin aber ankündigte nicht aufsteigen zu wollen, blieb nur noch der FC Pinzgau übrig. Dafür müssen die Salzburger jedoch am Ende der Eliterunde Platz eins oder zwei belegen. Ein Aufstieg trotz Platz drei oder schlechter wäre nicht möglich.

Der wichtigste Schritt ist also noch zu gehen, beim bisherigen Verlauf der Saison – der FC Pinzgau gewann 13 von 18 Ligaspielen und musste nur zwei Niederlagen hinnehmen – ist dieser jedoch alles andere als unwahrscheinlich. Vorstand Christian Herzog schätzt den SAK und den SV Wörgl hierbei als größte Konkurrenten ein.

Amerikaner klopften an

Doch wie kam dieser nahezu Hollywood-artige Aufstieg überhaupt zustande? Die Hauptrolle spielen drei Amerikaner, die in der Vergangenheit im Umfeld des MLS-Vereins Real Salt Lake tätig waren bzw. in Salt Lake City wohnten. Sie klopften im Frühjahr 2019 beim Verein aus dem Bezirk Zell am See an "und fragten uns: Wir haben eine konkrete Idee und Fachleute sowie ein Netzwerk mit. Habt ihr Interesse, gemeinsam ein Projekt anzugehen? Das haben wir uns angeschaut und als sehr gute Möglichkeit empfunden."

Es ist eher so, dass wir ein Marketing-Konzept, das uns international besser aufstellt, bekommen haben, mit einer Vermarktungs-Idee von einem Fußballverein in den USA. Diese drei Personen, die da involviert sind, haben eine Idee, wie man einen europäischen Fußballklub in Amerika vermarkten kann.

Der Vorstand des FC Pinzgau über die amerikanischen Investoren

Der 50-jährige Herzog betont aber, dass es sich dabei nicht um ein klassisches Investment handelt, "wo jemand kommt, Geld in einen Verein pumpt und wenn es ihm nicht mehr gefällt, dann ist er wieder weg. Es ist eher so, dass wir ein Marketing-Konzept, das uns international besser aufstellt, bekommen haben, mit einer Vermarktungs-Idee von einem Fußballverein in den USA. Diese drei Personen, die da involviert sind, haben eine Idee, wie man einen europäischen Fußballklub in Amerika vermarkten kann."

Einer der drei Investoren hat seinen Hauptwohnsitz bereits in den Pinzgau verlagert, der zweite pendelt zurzeit zwischen Amerika und Österreich, der dritte Investor regelt die Geschicke von Amerika aus.

Viel Erfahrung vom namhaften Coach

Christian Ziege, damals noch als Trainer in der 3. deutschen Liga
Foto: © GEPA

Aus der Sicht des Kaders sowie des Trainerstabs hat sich der FC Pinzgau, eben mitunter dank des Engagements der Amerikaner, ein äußerst stabiles Fundament aufgebaut. Mit Christian Ziege haben die Salzburger seit Frühjahr 2019 einen nahmhaften Trainer engagiert.

Mit dem Ex-Bayern-Spieler – der 48-Jährige bestritt von 1990 bis 1997 nicht weniger als 185 Spiele für den deutschen Rekordmeister – sind die Verantwortlichen höchst zufrieden: "Es ist eine super Zusammenarbeit. Es passt menschlich und fachlich. Es passt auch zu dem Konzept, das wir haben. Es hat natürlich auch einen anderen Fokus, da der Name Christian Ziege auch in Amerika bekannt ist. Das bringt uns sehr viel. Christian kann uns auch sehr viel Erfahrung mitgeben, wir kommen ja aus dem Amateurbereich. Es ist unser Ziel das Abenteuer 2. Liga mit ihm gehen zu können", sagt Herzog. Seit Sommer besitzt Ziege einen Dreijahres-Vertrag.

Insgesamt 13 Legionäre stellt Pinzgau stand heute, auch sportlich profitiert der Verein im Süden Salzburgs also von der Kooperation mit den US-amerikanischen Investoren: "Natürlich nützen wir auch die Möglichkeit sechs bis acht Spieler im Gesamtkader zu haben, die wir über unser Netzwerk bekommen", erklärt der 50-jährige Salzburger. Dennoch wolle man "auf alle Fälle die österreichische Identität beibehalten, das ist auch der Wunsch beider Seiten." Mit Dominik Kirschner vom SK Vorwärts Steyr und Denis Kahrimanovic angelte man sich außerdem erst kürzlich zwei Spieler mit 2.Liga-Erfahrung, unterstreicht also die hohen Ambitionen.

Auf Social-Media-Kanälen nur in Englisch unterwegs

Die Internationalisierung des Vereins ist jedenfalls schon in vollem Gange. Der Twitter-Auftritt des FC Pinzgau ist ausschließlich in englischer Sprache, das lockt auch amerikanische Fans an. Bei einem Testspiel des Vereins sahen beispielsweise 400 Zuschauer aus dem Bereich Salt Lake City mittels Livestream zu. Vorstand Herzog spricht dabei vor allem die Unterschiede für Fans in Amerika an: "In Amerika gibt es das Problem, dass sich ein Fan nicht an einem Fußballverein beteiligen kann. Er kann weder Mitglied werden, noch Eigentümer. Sie haben dort andere Kulturen, weil es alles Franchises sind."

Es gäbe demnach "nachhaltiges Interesse am österreichischen Fußball. Wir haben uns ja auch erst überzeugen lassen müssen. Beim Erstkontakt war es für uns schon auch interessant zu hören, wie die Menschen das in den USA sehen", beschreibt Herzog.

Ein Testspiel gegen Liefering ging mit 2:4 verloren
Foto: © GEPA

Welches Ziel sich der gebürtige Salzburger Christian Herzog für die kommende Saison setzt? "Mein Wunsch wäre es, dass wir dann organisatorisch und was das Umfeld betrifft bundesligatauglich sind. Wenn es dann parallel auch mit dem sportlichen Aufstieg klappt, wäre das natürlich sehr schön."

Am Platz kam für die Truppe von Christian Ziege kürzlich auch schon Zweitliga-Flair auf: Am 17. bzw. 25. Jänner bestritten die Salzburger Testspiele gegen den FC Liefering sowie die Juniors OÖ. Gegen Liefering verlor man mit 2:4, den Juniors OÖ musste man sich mit 1:3 geschlagen geben.

Aufstieg nur noch Formsache?

Fakt ist: Die Chancen für den FC Pinzgau Saalfelden, in der Spielzeit 2020/21 erstmals in der zweiten Liga zu spielen, könnten vermutlich höher kaum sein. Noch gibt sich Christian Herzog vorsichtig: "Wir arbeiten darauf hin, dass wir nächstes Jahr in der 2. Liga spielen und versuchen alles fertigzubringen."

Ob die organisatorische Pflicht erfüllt wurde, wird bereits kurz nach dem 3. März feststehen. Danach könnte der Aufstieg nur noch aufgrund von Ergebnissen scheitern. "Wenn es uns aber nicht gelingt, aus welchen Gründen auch immer, dann ist es für uns kein Beinbruch, dann versuchen wir es nächstes Jahr wieder. So lange, bis es uns gelingt und wir dann auch das Gefühl haben, dass wir in die 2. Liga gehören", sagt Herzog abschließend.

Es scheint also, als würde die 2. Liga früher oder später einen Neuling bekommen. Die Vorzeichen für die Möglichkeit, das "Abenteuer 2. Liga" bereits nach dieser Saison zu wagen, stehen jedenfalls alles andere als schlecht.

Textquelle: © LAOLA1.at

SK Rapid: Darum soll Ljubicic-Transfer zu Chicago geplatzt sein

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare