Nutzt Burgstaller seine nächste große ÖFB-Chance?

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Dass Guido Burgstaller angesichts seines aktuellen Laufs bei Schalke 04 eine neue Chance im ÖFB-Team bekommen würde, lag auf der Hand.

Die Betonung liegt auf "Chance".

Denn der Kärntner ist beileibe nicht das erste Mal im Nationalteam mit dabei. Neun Länderspiele hat er bereits in den Beinen. Von Anfang 2012 bis Herbst 2013 war er als Rapidler quasi fixes Kadermitglied. Im März 2016 durfte er auch unmitelbar vor der EURO vorspielen.

"Er hat leider nie ein Tor bei uns erzielt", sagt Teamchef Marcel Koller.


"Konnte es nicht so umsetzen, wie wir uns das gewünscht haben"

Soll heißen: Burgstaller war zwar öfters mit dabei, aber den nachhaltigen Eindruck, dass er mittendrin bleiben muss, hat er nicht hinterlassen. Gerade die wichtigsten Argumente für Offensivkräfte, nämlich Tore, konnte er nicht liefern.

"Als er noch bei Rapid war, war bereits auffällig, dass er viel läuft, sich viele Möglichkeiten herausspielt, aber die nötige Ruhe vor dem Tor noch ein bisschen gefehlt hat", erinnert sich Koller, "in England (Anm.: bei Cardiff City) hat er praktisch nicht gespielt. In Nürnberg hat er dann Tore erzielt und war ja auch bei uns mit dabei. Er konnte es aber nicht ganz so umsetzen, wie wir uns das gewünscht haben."

Der ÖFB-Coach baut auf einen relativ fixen Stamm. Wer neu in den Kader aufrückt, ist also bestens beraten, sich so schnell wie möglich unverzichtbar zu machen. Das ist Burgstaller im Nationalteam bisher nicht gelungen.

Wohl auch deshalb ignorierte Koller im Herbst den Erfolgslauf des 27-Jährigen im Nürnberg-Dress. 14 Tore in 16 Liga-Spielen hätten wohl auch damals bereits eine Einberufung gerechtfertigt. Wobei Burgstaller nicht der erste Spieler wäre, der im ÖFB-Dress eine längere Anlaufzeit braucht als im Verein.

"Schalke ist kein kleiner Verein"

Dass er den Schritt aus der zweiten Liga zu einem Großklub wie Schalke 04 auf Anhieb geschafft hat, macht Hoffnung, dass er auch im Nationalteam jenen Schritt machen kann, zu dem er bei seinen bisherigen Bewährungsproben nicht in der Lage war.

"Wir hoffen, dass er jetzt mit einer ganz dicken Brust kommt. Es wäre gut, wenn wir ihm ein blaues Tirkot überziehen, damit er das Gefühl hat, er sei bei Schalke, damit er die Tore reinballert, dass es nur so kracht", schmunzelt Koller.

Die Art und Weise, wie sich der Legionär in Gelsenkirchen durchgesetzt hat, imponiert dem Schweizer jedenfalls: "Er spielt regelmäßig. Die verletzten Stürmer auf Schalke sind ja auch zurückgekommen und er spielt immer noch. Das spricht für ihn. Das zeigt, dass er weitergekommen ist, sich auch mental weiterentwickelt hat. Schalke ist nicht irgendwie ein kleiner Verein, sondern da ist schon sehr viel Druck dahinter. Dort wird sehr viel verlangt und das macht er gut."

Gerade bei Stürmern ist der Grat zwischen Lauf und Ladehemmnung auf ein schmaler. "Er hat gleich beim ersten Spiel ein Tor erzielt und konnte den Schwung mitnehmen. Wir wissen alle: Wenn du kommst und nicht bald das Tor triffst, geht es gleich los: 'Der ist aus der zweiten Liga gekommen und schießt kein Tor.' Dann werden die Minuten vorgerechnet, wie lange er kein Tor gemacht hat und das belastet einfach. Dann beginnt auch der Stürmer zu studieren, warum es gerade nicht läuft."

Herausforderer von Janko

Bei Schalke hat Burgstaller tendenziell weitere intensive Erfahrungen gemacht, wie man mit Drucksituationen umgeht. Nun heißt es dem Druck standzuhalten, auch für das Heimatland endlich zu überzeugen.

Ob es reicht, mehr oder weniger auf Anhieb Platzhalter Marc Janko herauszufordern, wird sich weisen. "Wir wissen, dass beide Tore schießen können, aber das ist noch zu früh", lässt sich Koller nicht in die Karten blicken.

Auch deshalb, weil Janko zuletzt pausieren musste. Laut Plan kann er jedoch am kommenden Wochenende wieder für den FC Basel auflaufen.

Die Möglichkeit, beide von Anfang an zu bringen, schließt der Teamchef zumindest nicht aus: "Es gibt natürlich Überlegungen, ob man mit einem, zwei oder drei Stürmern spielt. Die Ausgangslage ist klar: Moldawien wird mit dem neuen Trainer Fußball spielen wollen, mehr mit dem Ball nach vorne kommen und versuchen, Nadelstiche zu setzen, vielleicht auch vorne Pressing machen. Dementsprechend wollen wir Gegenmaßnahmen anstellen."

Kein Alleinunterhalter

Zudem sollte man bedenken, dass Burgstaller nicht auf die Rolle als Solo-Spitze fixiert ist und als variabel einsetzbare Offensivkraft gerade in der ÖFB-Elf bisher meist auf dem Flügel ein Thema war.

Der Idealfall wäre, wenn er nach dem Moldawien-Spiel teamintern von seinen Heldentaten berichten könnte. Denn so aggressiv der Kärntner auf dem Platz auftritt, so zurückhaltend agiert er laut Koller abseits davon:

"Er ist ein eher ruhiger Spieler, der sich auf dem Platz austobt. Er ist nicht der Spieler, der die großen Geschichten erzählt und damit den ganzen Tisch unterhält."



Textquelle: © LAOLA1.at

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