ÖFB-Team: Das will Foda gegen Polen sehen

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Knapp eineinhalb Jahre ist ÖFB-Teamchef Franco Foda im Amt, gegen Polen wird es am Donnerstag (20:45 Uhr im LIVE-Ticker und als LIVE-TALK) mit dem Ankick der EM-Qualifikation so richtig ernst.

Gegen den stärksten Gruppen-Gegner steht das, was sich das Nationalteam unter Anleitung des Deutschen in zahlreichen Testspielen und vergangenen Herbst in der UEFA Nations League erarbeitet hat, auf dem Prüfstand.

Foda hat jedenfalls eine klare Vorstellung davon, was er beim Auftakt der Mission EURO 2020 von seiner Elf sehen will.

Stabile Defensive als Basis

"Es ist allseits bekannt, dass das polnische Nationalteam gerade in der Offensive mit Lewandowski, Piatek, Milik und auch Zielinksi sehr viel Qualität hat. Daher gilt es für uns in erster Linie einmal, defensiv sehr kompakt zu stehen und die Räume sehr eng zu machen. Wir dürfen diese Stürmer nicht zur Entfaltung kommen lassen."

Wie in der Amtszeit des 52-Jährigen gewohnt, ist nicht zu erwarten, dass Österreich über ein vertretbares Maß hinaus Risiko nehmen wird - diesmal kommt der Weltklasse-Angriff des Kontrahenten als Faktor dazu.

"Die Basis, um erfolgreich zu sein, ist immer eine stabile Defensive", betont Foda, "es ist allseits bekannt, dass das polnische Nationalteam gerade in der Offensive mit Lewandowski, Piatek, Milik und auch Zielinksi sehr viel Qualität hat. Daher gilt es für uns in erster Linie einmal, defensiv sehr kompakt zu stehen und die Räume sehr eng zu machen. Wir dürfen diese Stürmer nicht zur Entfaltung kommen lassen."

Es war zuletzt nicht gerade einfach, dem ÖFB-Team Tore zu schießen. In zwölf Partien unter Foda kassierte man deren neun - nur bei den beiden Test-Pleiten gegen Brasilien (0:3) und Dänemark (0:2) kassierte man mehr als einen Gegentreffer.

"Wir haben im letzten Jahr gezeigt, dass wir wenig Gegentore bekommen. Es ist für die gesamte Mannschaft wichtig, das gute Gefühl zu haben, dass wir in der Defensive gut stehen und nicht konteranfällig sind - auch das wird gegen Polen ein wichtiger Bestandteil des Spiels sein, weil sie im Umschaltspiel sehr zügig und schnell nach vorne spielen. Das ist gut zu wissen, da wir ja immer auch nach vorne spielen, den Gegner früh unter Druck setzen und im Ballbesitz aktiv sein wollen."

Polen ein schwer ausrechenbarer Gegner

Besagtem Spiel nach vorne wird auch gegen Polen eine entscheidende Bedeutung zukommen. "Wir spielen zu Hause", unterstreicht der Teamchef, "das Wichtigste ist, dass wir uns auf unser Spiel konzentieren. Gerade in solchen Spielen ist es wichtig, dass man mit Selbstvertrauen auftritt und an die eigene Qualität glaubt."

Polen hat unter dem in Österreich aus seinen Spielertagen sehr bekannten Teamchef Jerzy Brzeczek in sechs Spielen noch kein Spiel gewonnen - eine Statistik, die Foda jedoch relativiert und auf die schwere Nations-League-Gruppe mit Italien und Portugal hinweist. Auch gegen diese Kaliber hätte Polen bei besserem Spielverlauf gewinnen können.

Polnische Spieler in der österreichischen Bundesliga haben Tradition. Hinter Deutschland, Kroatien, Serbien, Brasilien und der Slowakei folgt Polen mit 52 Legionären in der Liga-Historie. Diese polnischen Kicker haben unsere Liga geprägt.

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JERZY BRZECZEK - 306 Bundesligaspiele: Polens Teamchef ist eine Bundesliga-Legende. 1995 kam er erstmals zum FC Tirol, zu dem er über die Stationen LASK und Maccabi Haifa zurückkehrte und 2 Meistertitel holte. Es folgten Spiele für Sturm, FC Kärnten und Wacker Tirol, ehe er in Polen seine Spielerkarriere ausklingen ließ.

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KRZYSZTOF RATAJCZYK - 261 Bundesligaspiele: Von 1996 bis 2002 lief der beinharte Verteidiger für Rapid auf, Titel holt er in Österreich danach mit der Austria (1 Meistertitel, 2 Cuptitel). Auch in Mattersburg ließ er Bundesliga-Gegner seine Härte spüren.

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RADOSLAW GILEWICZ - 241 Bundesligaspiele: 1999 landete der FC Tirol mit seiner Verpflichtung von Karlsruher SC einen Goldgriff. "Rado" holte vier Meistertitel in Österreich (3x Tirol, 1x FAK), wurde zudem 2001 Torschützenkönig und 2000 Fußballer des Jahres. Mit der Austria gab es auch noch 2 Cuptitel zu bejubeln.

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ADAM LEDWON - 224 Bundesligaspiele: Ein Kämpfer im defensiven Mittelfeld, wie man ihn sich nur wünschen kann. Kam 2000 von Fortuna Köln zur Austria und wurde 2003 Meister, es folgten drei Jahre bei der Admira, zwei bei Sturm. Als Spieler von Austria Kärnten beging er 2008 Suizid.

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ROMAN SZEWCZYK - 216 Bundesligaspiele: Eine Legende im Trikot von Austria Salzburg! Kam 1996 ablösefrei aus Sochaux und blieb bis 2004. 1997 wurde der verlässliche Innenverteidiger mit den Violetten Meister.

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ANDRZEJ LESIAK - 209 Bundesligaspiele: Vier österreichische Vereine stehen in seiner Vita. Über Innsbruck und Dresden landete er in Ried, es folgten die Stationen Stationen Rapid und Salzburg, ehe der Libero erneut im Innviertel spielte (insgesamt 107 Mal). Nach einem Intermezzo in Pasching erneut in Ried und seiterher Trainer (zuletzt in Gurten).

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MACIEJ SLIWOWSKI - 159 Bundesligaspiele: Der Mittelstürmer traf 37 Mal in der Bundesliga und wurde mit Rapid 1995 Cupsieger und 1996 Meister, es folgten die Stationen FC Tirol, Admira und SV Ried. Zuletzt als Trainer in seiner Heimat bei Pilica Bialorzegi tätig.

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TOMASZ WISIO - 154 Bundesligaspiele: Schrieb als Abwehrchef die Erfolgsgeschichte des SV Pasching entscheidend mit, später auch beim LASK und letztlich beim SKN St. Pölten tätig, wo er 2017 im Rechtsstreit den Verein verlassen hat.

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KAZIMIERZ SIDORCZUK - 140 Bundesligaspiele: Von 1997 bis 2002 stand "Kazi" zumeist  im Tor des SK Sturm und hatte damit wesentlichen Anteil am Erfolgslauf unter Ivica Osim. 2 Meistertitel, 2 Cupsiege und 15 Einsätze in der Champions League mit den Blackies hat er in seiner Vita stehen.

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MAREK SWIERCZEWSKI - 129 Bundesligaspiele: Sturm holte den Verteidiger 1996 aus Katowice, prompt holten die Grazer mit dem Cup ihren ersten Titel. Nach dem erneuten Cupsieg 1997 ging es weiter zur Austria, 2004 noch einmal bei der Admira ehe er beim FavAC in der Stadtliga kickte.

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MARCIN ADAMSKI - 106 Bundesligaspiele: Rapid holte den Verteidiger 2002 aus Lubin. Adamski blieb bis 2005 und kehrte nach einem Gastspiel bei Angers noch einmal zurück. Sah in seiner Zeit bei Rapid zweimal Gelb-Rot und zweimal Rot.

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TOMASZ IWAN - 93 Bundesligaspiele: Nach mehreren Jahren in Polen und den Niederlanden holte ihn die Austria nach Österreich. Nach nur einem Jahr ging es weiter zu Admira, wo der Mittelfeldmann drei Jahre lang blieb. Zuletzt von 2013 bis 2018 Sportdirektor des polnischen Nationalteams.

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GRZEGORZ SZAMOTULSKI - 92 Bundesligaspiele: Nach einem Jahr bei der Admira ging es ablösefrei zu Sturm, wo er eher in der Kategorie "Fliegenfänger" in Erinnerung blieb. Danach noch bunte Karriere in England, Schottland, und Israel. Aktuell Tormann-Trainer in Lubin.

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JACEK BAK - 80 Bundesligaspiele: Die Austria holte den 96-fachen Teamspieler 2005 von Al Rayyan (Katar). Der Innenverteidiger sah in jeder Liga-Saison für die Veilchen zumindest einmal glatt Rot.

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TOMASZ RZASA - 58 Bundesligaspiele: Nach einer Karriere in Polen, der Schweiz, Serbien und Holland entschied sich der Verteidiger für die SV Ried. Kam in seinen Einsätzen immerhin auf drei Assists (4 Mal Gelb, 1 Mal Gelb-Rot, 1 Mal Rot).

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ANDRZEJ KUBICA - 48 Bundesligaspiele: Der Mittelstürmer schoss für Rapid 1993/94 in 32 Einsätzen immerhin zehn Tore, dennoch zog es ihn direkt zum Stadtrivalen Austria, wo er in 16 Spielen nur zweimal traf. Spielte dann noch in Belgien, Israel und Japan.

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AREK RADOMSKI - 46 Bundesligaspiele: Für 600.000 Euro wechselte der defensive Mittelfeldspieler 2005 von Heerenveen zur Austria, wo er einen Meistertitel und zwei Cupsiege feiern durfte. 30 Mal lief er zudem für Polens Nationalteam auf.

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JACEK BERENSZTAJN - 42 Bundesligaspiele: In der Cupsieger-Saison der Rieder 1997/98 absolute Stammkraft, auch wenn er ausgerechnet im Endspiel gegen Sturm fehlte. Im Jänner 1999 zog es den Mittelfeldspieler zurück in seine Heimat.

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SEBASTIAN MILA - 36 Bundesligaspiele: Von 2005 bis 2007 spielte der Offensivmann für die Austria, wurde 1 Mal Meister und 3 Mal Cupsieger. Seine Ausbeute: drei Tore und sechs Assists.

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KAZIMIERZ WEGRZYN - 33 Bundesligaspiele: Ein Jahr lang spielte der Innenverteidiger in Ried und war zumeist Stammspieler. Vor dem erfolgreichen Frühjahr 1998 mit dem Cupsieg wechselte er aber zurück nach Polen zu Wisla Krakau.

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Der ÖFB-Coach beschreibt den WM-Teilnehmer als variable und schwer ausrechenbare Mannschaft: "Sie spielen sehr flexibel. Was das Spielsystem betrifft, haben sie unterschiedlich agiert - im 4-2-3-1, sie haben aber aufgrund der großen Stürmer-Auswahl auch die Möglichkeit, 4-4-2 zu spielen. Im Ballbesitz haben sie die Möglichkeit, schnell umzuschalten. Manchmal agieren sie sehr tief, manchmal pressen sie den Gegner auch hoch an, auch da sind sie sehr variabel."

Diese unterschiedlichen Herangehensweisen hat der rot-weiß-rote Betreuerstab intensiv analysiert und mit der Mannschaft besprochen. Laut Foda werde es gegen Polen darauf ankommen, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Dreier- oder Viererkette?

Das betrifft vor allem die Frage, ob Österreich mit Dreier- oder Viererkette in der Abwehr agiert.

"Polen hat vorne die Qual der Wahl. Wir werden also nicht nur einen Plan haben, wir werden uns mit zwei Plänen beschäftigen müssen, weil wir ja noch nicht wissen, wie der Gegner spielt."

"Polen hat vorne die Qual der Wahl. Wir werden also nicht nur einen Plan haben, wir werden uns mit zwei Plänen beschäftigen müssen, weil wir ja noch nicht wissen, wie der Gegner spielt. Es ist wichtig, unsere Spieler auf alles vorzubereiten. Wir sind darauf vorbereitet, wenn der Gegner mit zwei Spitzen spielt, aber auch darauf, dass sie mit einem Stürmer spielen. Im Abschlusstraining liegt der Schwerpunkt darauf, wie und wo wir den Gegner attackieren wollen. Das wird ausschlaggebend", verdeutlicht Foda.

Daher ist es bezüglich Aufstellung zu erwarten, dass drei Akteure in der Startelf stehen werden, die eine Dreierkette bilden können. Zumindest einer dieser Verteidiger sollte jedoch das Potenzial haben, im Falle einer ÖFB-Viererkette auf einer anderen Position spielen zu können.

In der Vergangenheit wurde diese Variante beispielsweise bereits mit Stefan Ilsanker, der auch im defensiven Mittelfeld spielen könnte, praktiziert. Doch es gibt auch weitere Möglichkeiten. So könnte etwa im Fall der Viererketten-Fälle Martin Hinteregger nach links rücken, Aleksandar Dragovic hat schon Erfahrung im zentralen Mittelfeld gesammelt, Julian Baumgartlinger hat selbige in einer Dreierkette. Sollte Debütant Stefan Posch sein erstes Länderspiel feiern, stünde ein Spieler am Platz, der auch schon Rechtsverteidiger gespielt hat.

Verletzungssorgen beeinflussen Pläne nur bedingt

Die jüngste Verletzungsserie hat die personellen Gedankenspiele des Teamchefs jedenfalls nur bedingt beeinflusst: "Der Plan, wie wir spielen sollten, hat sich im Prinzip nicht verändert. Das heißt, daran, in welchem System wir agieren wollen, und von den Spielprinzipien, die wir in den letzten eineinhalb Jahren erarbeitet haben, hat sich nichts verändert. Das Einzige ist die Positionierung der Spieler."

Verletzungen würden jedoch zum Fußball dazugehören und er sei jemand, der sich nur mit den Spielern, die zur Verfügung stehen, beschäftigt: "Klar ist es sehr schade, dass Gregoritsch, Burgstaller, Schöpf oder Lienhart, der in Freiburg sehr gut gespielt hat, kurzfristig ausgefallen sind. Aber das gehört dazu, damit muss man leben. Dementsprechend musst du kurzfristig nach neuen Lösungen suchen und dann auch finden. Das Wichtigste ist, dass du auch jene Spieler findest, die in der Lage sind, gegen Polen zu gewinnen."

Und genau dieser Heimsieg zum Auftakt ist naturgemäß auch das große Ziel. "Ich gehe davon aus, dass viele Zuschauer im Stadion sein werden. Mit dieser Unterstützung, Euphorie und Begeisterung müssen wir auch Fußball spielen", fordert Foda.

Die möglichen Aufstellungen:

Österreich: Lindner (Grasshopper Club Zürich/24 Länderspiele) - Posch (TSG 1899 Hoffenheim/0), Dragovic (Bayer Leverkusen/70/1 Tor), Hinteregger (Eintracht Frankfurt/37/3) - Lainer (Red Bull Salzburg/12/0), Baumgartlinger (Bayer Leverkusen/66/1), Grillitsch (TSG 1899 Hoffenheim/13/1), Alaba (FC Bayern München/67/13 Tore) - Lazaro (Hertha BSC/19/1), Zulj (RSC Anderlecht/9/0) - Arnautovic (West Ham United/77/20)

Ersatz: Stankovic (Red Bull Salzburg/0), Strebinger (Rapid/1) - Wöber (FC Sevilla/3/0), Prödl (Watford/73/4), Ulmer (Red Bull Salzburg/9/0), Ilsanker (RB Leipzig/34/0), Kainz (1. FC Köln/13/0), Laimer (RB Leipzig/0), Schlager (Red Bull Salzburg/8/1), Stöger (Fortuna Düsseldorf/0), Sabitzer (RB Leipzig/33/5), Onisiwo (1. FSV Mainz 05/2/0), Janko (FC Lugano/68/28)

Es fehlen: Schöpf (Außenband-Verletzung), Gregoritsch (grippaler Infekt), Lienhart (Gehirnerschütterung), Burgstaller (Zahn-OP), Wolf (Sprunggelenksverletzung)

Polen: Szczesny (Juventus Turin/40) - Bereszynski (Sampdoria Genua/16/0), Glik (AS Monaco/64/4), Bednarek (Southampton/12/1), Reca (Atalanta Bergamo/3/0) - Blaszczykowski (Wisla Krakau/105/21), Krychowiak (Lok Moskau/59/3), Zielinski (SSC Napoli/41/6), Grosicki (Hull City/64/12) - Lewandowski (Bayern München/102/55), Piatek (AC Milan/2/1)

Ersatz: Fabianski (West Ham United/48), Skorupski (Bologna/3) - Kedziora (Dynamo Kiew/7/0), Cionek (SPAL/21/0), Gumny (Lech Posen/0), Kaminski (Fortuna Düsseldorf/7/0), Jedrzejczek (Legia Warschau/38/3), Pazdan (Ankaragücü/35/0), Frankowski (Chicago Fire/4/0), Goralski (Ludogorez Rasgrad/9/0), Kadzior (Dinamo Zagreb/3/0), Klich (Leeds United/15/2), Linetty (Sampdoria Genua/23/1), Szymanski (Achmat Grosny/4/0), Zurkowski (Gornik Zabrze/0), Milik (SSC Napoli/44/13)

Es fehlt: Kownacki (Muskelverletzung)

Textquelle: © LAOLA1.at

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