Bundesländer-Heimspiele kein ÖFB-Signal gegen Wien

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Gerade einmal 11.700 Zuschauer verirrten sich im November beim Teamchef-Debüt von Franco Foda gegen Uruguay ins Ernst-Happel-Stadion.

Auch in den Länderspielen davor war das ÖFB-Team im Wiener Prater nur bedingt ein Kassenschlager - abgesehen vom 3:2 gegen Serbien, als viele Fans der Gäste Tickets lösten.

Inzwischen hat Foda offiziell sein Büro in den Räumlichkeiten der schwer in die Jahre gekommenen Arena bezogen.

Länderspiel wird er im Happel-Oval vorerst jedoch keines coachen.


Ein Bogen um Wien?

Denn die kommenden drei Heimspiele des Nationalteams finden allesamt in den Bundesländern statt.

Am 23. März trifft man in Klagenfurt auf Slowenien, am 30. Mai in Innsbruck auf WM-Gastgeber Russland und am 2. Juni erneut in Klagenfurt auf Deutschland. Dazwischen steht am 27. März ein Testspiel in Luxemburg auf dem Programm.

"Wir haben damit kein Zeichen gesetzt", wehrt ÖFB-Präsident Leo Windtner jegliche Spekulation, dass man von Seiten des Fußballbundes bewusst einen weiten Bogen rund um das Happel-Stadion machen würde, entschieden ab.

Foda: "Neues Stadion in Wien wäre gut"

Aufgrund der Wahl der Testspiel-Kontrahenten lässt sich dies für den ÖFB praktischerweise auch glaubhaft begründen.

"Gerade bei den letzten beiden Gegnern hat sehr stark die logistische Frage mitgespielt. Russland ist in Tirol auf Trainingslager, daher war es naheliegend, Innsbruck als Austragungsort zu wählen. Deutschland hat das Trainingslager in Südtirol, daher sind wir sind dem Wunsch der Deutschen, dass man Klagenfurt als nächstliegendes Stadion dafür auswählt, entgegengekommen. Bei Slowenien ist es auch irgendwo naheliegend, dass Klagenfurt der beste Standort ist, gerade auch für die Gäste-Zuschauer", erläutert Windtner.

Ausführungen, die Foda zu einem Zwischenruf veranlassen: "Es wäre trotzdem gut, wenn wir in Wien ein neues Stadion bauen würden."

Ein Dauer-Thema, in das 2018 Bewegung kommen soll und muss.

Wo finden Heimspiele der Nations League statt?

Unter Ex-Teamchef Marcel Koller war es oberstes ÖFB-Gebot, wann immer möglich in Wien zu spielen. Der Schweizer forcierte, dass das Publikum das Happel-Stadion als fixes Heim-Stadion wahrnimmt und bastelte daran, dieses als sportliche Festung zu etablieren - eine Strategie, die lange Zeit aufging.

Parallel dazu mehrten sich jedoch auch die Probleme. Trainings mussten immer wieder in die Südstadt verlegt werden. In Sachen Stadionmiete soll es von Seiten der Stadt Wien wenig Entgegenkommen geben. Bezüglich Neubau eines geplanten "Nationalstadions" sind gleichzeitig kaum Fortschritte wahrnehmbar.

Auch wenn Windtner durch die Wahl der Testspiel-Orte kein Signal an Wien aussenden will, soll es im ÖFB Stimmen geben, die nicht unglücklich darüber sind, wenn man zumindest im ersten Halbjahr 2018 mit keinem Länderspiel in Wien präsent ist.

Damit gewinnt man in zwei nicht unwesentlichen Fragen Zeit. Finden die Heimspiele der Nations League im Herbst wieder in der Hauptstadt statt oder tritt man erneut den Weg in die Bundesländer an? Und wie geht es in Sachen Nationalstadion weiter?

Termine mit Strache und der Stadt Wien

Letzteres ist ein heißes Eisen, mit dem nun eine neue Bundesregierung betraut ist. Zudem wird man wohl auch abwarten müssen, wer in Zukunft das Amt des Wiener Bürgermeisters bekleiden wird.

"Ich habe das Kapitel Sport aus dem Regierungsprogramm sehr genau studiert. Es ist dort sehr deutlich enthalten, dass beim Thema Infrastruktur klare Schritte gesetzt werden sollen", hofft Windtner auf Unterstützung des Bundes und verweist darauf, dass demnächst ein Termin mit dem neuen Sportminister H.C. Strache auf dem Programm stehen würde:

"Dort werden wir dieses Thema sicherlich auch entrieren. Wir werden aber jetzt schon im Jänner auch weitere Gespräche mit der Stadt Wien führen, die ja hier doch einigermaßen mitentscheidend sein wird."

Kollision mit Bundesliga-Finale

So richtungsweisende Gespräche in Sachen Infrastruktur anstehen, so richtungsweisend sind die Frühjahrs-Testspiele für Foda in sportlicher Hinsicht. Der Fahrplan des Deutschen für die vier Probeläufe, bevor es in den Pflichtspiel-Herbst geht:

"In den beiden März-Länderspielen werde ich noch einiges ausprobieren, was das System und auch die taktische Ausrichtung betrifft. Russland und Deutschland beim zweiten Lehrgang sind die letzten Vorbereitungsspiele auf die Nations League. Da wollen wir schon eine Mannschaft haben, die sehr gut miteinander funktioniert."

Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass die Saison in der österreichischen Bundesliga erst am 27. Mai endet und das Kräftemessen mit Russland bereits drei Tage später über die Bühne des Tivoli-Stadions geht.

"Das ist nicht ideal, aber die Situation ist, wie sie ist. Man muss das Beste daraus machen. Das werden wir tun und uns trotz allem gut auf die beiden Testspiele vorbereiten. Wir wollen wenn möglich beide Spiele gewinnen, das muss unsere Mentalität und Intention sein", erklärt Foda.

Der Teamchef betont, dass für diese beiden Begegnungen schlichtweg keine anderen Termine möglich gewesen wären: "Es geht immer um Angebot und Nachfrage. Es gab eben nur die Möglichkeit, am 30. Mai gegen Russland und am 2. Juni gegen Deutschland zu spielen. Das sind zwei WM-Teilnehmer, und diese Möglichkeit wollten wir wahrnehmen. Auch wenn es nicht einfach ist, werden wir uns sehr gut und professionell vorbereiten."

Fodas erste Reisen als Teamchef

Umso wichtiger sei laut Foda, die Spieler schon in den kommenden Wochen und Monaten zu besuchen und auch mit den jeweiligen Vereinen eine gute Gesprächsbasis herzustellen. Dabei will der 51-Jährige nicht nur die Form der jeweiligen Kandidaten überprüfen, sondern sich auch zu Gemüte führen, mit welchen taktischen Konzepten die Spieler im Klub konfrontiert und mit welchen Aufgaben sie darin betraut sind. Dies möchte er dann mit seinen eigenen Vorstellungen abgleichen.

Diesbezüglich wartet ein intensives Reiseprogramm. Am Freitag sitzt Foda bei Leverkusen gegen Bayern auf der Tribüne. Die Co-Trainer Thomas Kristl (Leipzig) und Imre Szabics (Augsburg) werden ebenfalls in Deutschland unterwegs sein. Am Sonntag geht es nach Spanien, um mit den Spielern von Salzburg und seines ehemaligen Arbeitgebers Sturm Graz in Kontakt zu treten.

Am Wochenende darauf sieht sich Foda erst Hoffenheim gegen Leverkusen und danach Bayern gegen Werder Bremen an. Am Rande des München-Besuchs möchte Foda versuchen, mit David Alaba Kontakt aufzunehmen.

"Generell haben wir eine Liste mit 40 bis 50 Spielern erstellt, die für uns in Zukunft in Frage kommen", verdeutlicht der gebürtige Mainzer und verweist darauf, wie wichtig ihm die flexible Einsatzbarkeit seiner Schützlinge ist.

Wenig in Wien, wenig in Graz

Mit dem Hinweis, wie viel er unterwegs ist, versucht Foda auch die leidige Diskussion über seinen Hauptwohnsitz, der weiterhin in Graz sein wird, zu entkräften:

"Gerade im Jänner und Februar bin ich viel unterwegs, da werde ich wenig in Wien sein, aber auch wenig in Graz. Wenn ich in Wien benötigt werde, bin ich in Wien. Ich bin aber auch, was der Teamchef-Posten ja hergibt, sehr viel unterwegs. Ich möchte so viele Spiele wie möglich sehen und Kontakt mit den Spielern und Sportdirektoren der Vereine haben. Da wartet sehr viel Arbeit auf uns."

Herauskommen soll eine Mannschaft, bei der "die Fans im Stadion immer das Gefühl haben müssen, dass sie 90 Minuten alles investiert, um das Spiel zu gewinnen."

Gelingt dies, wird es auch nicht so entscheidend sein, in welchem Stadion sie dies tut.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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