Janko attackiert ÖFB-Funktionäre: "Beschämend!"

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65 Länderspiele, 28 Tore und nun ein verbaler Volltreffer.

Marc Janko ist seit 2006 im Nationalteam mit dabei, hat also schon einiges erlebt, ist mit 34 Jahren der älteste ÖFB-Kicker. Was sich im und rund um den ÖFB derzeit abspielt, findet nicht seinen Gefallen.

Bei seinem Medientermin am Dienstag attackiert der Goalgetter speziell die Vorgangsweise der Funktionäre in den turbulenten, vergangenen Wochen:

"Sie sollten mit einer Stimme sagen, wie es weitergeht und keine Grabenkämpfe eröffnen, indem sich der zu Wort meldet und der zu Wort meldet. Das ist einfach beschämend!"

Jankos Brandrede auf Video:

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)


"Was hat der Willi verbrochen?"

Janko setzt dabei zu einem wahren Monolog über den aktuellen Zustand des Fußball-Bundes an, indem er auf diverse Punkte eingeht. So meint der Niederösterreicher etwa zum Umstand, dass auch der Job von Sportdirektor Willi Ruttensteiner ernsthaft in Gefahr sein soll:

"Anscheinend wird auch der Willi in Frage gestellt. Was hat der Willi verbrochen? Zu Willi Ruttensteiner kann man stehen, wie man will, aber er hat mitverantwortet, dass einer der erfolgreichsten Trainer der ÖFB-Geschichte installiert worden ist, und das nach einer erstmalig fundierten Analyse, nach einer erstmaligen Suche, die so zuvor noch nie stattgefunden hat. Jetzt greift man ihn deswegen an, dass er gehen muss. Ich habe auch gelesen, dass es nicht am Fachlichen liegen soll, sondern an der Kommunikation."

"Um was geht es den Entscheidungsträgern wirklich?"

Darausfolgend wirft Janko einige Fragen auf: "Da frage ich mich als Spieler schon: Worum geht es hier im Endeffekt? Welche Kriterien werden ausschlaggebend sein, welche Personalien neu besetzt werden? Um was geht es den Entscheidungsträgern hier wirklich? Das stimmt mich als Spieler schon ein bisschen nachdenklich. Ich finde das ein bisschen besorgniserregend, weil ich persönlich diese Entwicklung mitgemacht habe und mir wünschen würde, dass es dementsprechend gut weitergeführt wird."

Damit meint der Stürmer die Entwicklung in der gesamten Teamchef-Ära von Marcel Koller. Denn auch wenn es in der WM-Qualifikation nicht nach Wunsch gelaufen ist, bilanziert der Sparta-Prag-Legionär die vergangenen sechs Jahre positiv:

"Der Trainer hat unbestritten viel für den ÖFB geleistet. Dass er einer der erfolgreichsten Trainer in der Geschichte war, liegt auf der Hand. Das sind die Fakten. Es ist meiner Meinung nach eine Entwicklung zu erkennen. Die Ära vor Koller und die Ära Koller kann man nicht miteinander vergleichen. Vor Koller war meistens schon nach dem dritten oder vierten Spieltag Schluss. Erfolg verläuft leider nicht immer linear, sondern manchmal in Sinuskurven. Es ist im Leben genauso wie im Sport: Es gibt immer Phasen, in denen es nach oben geht, und es gibt auch Phasen, in denen es nach unten geht."

"Alle, die jetzt wieder aus den Löchern kriechen..."

Jankos Meinung nach müsse Fußball-Österreich an der Selbsteinschätzung feilen: "Wir müssen uns möglicherweise schön langsam damit anfreunden, dass Österreich nicht bei jedem Großereignis dabei sein kann. Mittelfristig muss es das Ziel sein, uns für immer mehr Großereignisse zu qualifizieren. Ich glaube auch, dass dieser ominöse zehnte Platz in der Weltrangliste die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit zu unseren Ungunsten erschwert hat, dass beim einen oder anderen die Bäume in den Himmel gewachsen sind. Ich habe damals schon gesagt, dass die Weltrangliste für mich null Bedeutung hat."

Umso mehr Bedeutung hat für den 1,96-Meter-Hünen, dass Koller nach seiner lange Zeit erfolgreichen Arbeit einen gebührenden Abschied bekommt:

"Ich wünsche mir, dass die Verabschiedung mit dem größtmöglichen Respekt und dem größtmöglichen Dank dem Trainer gegenüber verläuft. Das hat er sich verdient. Alle, die jetzt wieder aus ihren Löchern gekrochen kommen, waren sehr, sehr lange, sehr, sehr still. Viele haben sich am Anfang auch öffentlich entschuldigt. Mittlerweile haben sie sich wieder ein bisschen gedreht. Also ich finde es schon sehr fragwürdig, was da teilweise passiert, wer sich wieder zu Wort meldet. Ich finde, dass man diese Geschichte von ÖFB-Seite her schon ein bisschen eleganter hätte lösen können und nicht schon ein paar Tage vor der Sitzung von Seiten von ein paar Entscheidungsträgern verlautbart, dass der Vertrag nicht verlängert wird."

"Ich bin ein bisschen verwundert darüber und frage mich immer wieder, ob da wirklich der Sport und die Entwicklung der Mannschaft im Vordergrund stehen, wenn man solche Sachen zu Ohren bekommt", so Janko weiter.




Textquelle: © LAOLA1.at

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