Bei Willi Ruttensteiner regierte das Gefühls-Chaos

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Als es dann so weit war mit dem Match, regierte bei Willi Ruttensteiner doch ein wenig das Gefühls-Chaos.

"Vom Gefühl her war es für mich ganz, ganz komisch, denn ich war 18 Jahre lang auf einen Sieg von Österreich programmiert, du kennst die Spieler in- und auswendig. Aber letztendlich freue ich mich natürlich über den Sieg, das ist keine Frage", erklärt Israels Sportdirektor nach dem 4:2-Triumph gegen das ÖFB-Team.

Freude. Stolz. Emotionen. Der besondere Abend war Ruttensteiner nach dem Schlusspfiff ins Gesicht geschrieben. An Schulterklopfern mangelte es in den Katakomben nicht.

Als "Weltwunder" hatte der 56-Jährige einen etwaigen Sieg gegen seinen langjährigen Arbeitgeber im Vorfeld im LAOLA1-Interview eingeschätzt.

Eine vielsagende Statistik

"Das habe ich gesagt, weil Österreich normalerweise wirklich eine überlegene Mannschaft ist. Ich habe vor dem Spiel eine Statistik von dieser Saison erstellt, und jetzt frage ich dich: Wie viele Spielminuten haben israelische Topspieler in den fünf Topligen Europas gespielt?"

Der Autor dieser Zeilen hatte die Antwort gerade nicht im Kopf, aber Ruttensteiner löste das Rätsel: "870 Minuten. Und wie viel haben Österreichs Legionäre gespielt? Über 20.000 Minuten. Daran sieht man den Unterschied an internationalen Spielern. Wir können uns in diesem Punkt überhaupt nicht mit Österreich vergleichen."

Das folgende Aber ist kein unwesentliches: "Aber man hat in diesem Spiel auch wieder gesehen, dass im Fußball Teamstärke, Spirit, zu fighten und Herz auch etwas bewegen kann, wenn man ein bisschen glücklich ist - und das waren wir, sonst hätten wir das Spiel noch in der ersten Halbzeit verloren."

Die israelische Mentalität

So mancher israelische Medienvertreter sprach vom größten Sieg des Nationalteams seit 20 bis 25 Jahren. Diese Einordnung kostet dem Oberösterreicher ein Schmunzeln:

"Das ist die israelische Mentalität. Bei positiven Dingen ist es der größte Sieg seit 20 Jahren, dann wird alles nach oben geschraubt. Auf der anderen Seite, wenn es nicht so läuft, kriegt man es knüppeldick und die Kritik ist wahnsinnig groß - das haben wir auch schon erlebt."

Rückenwind für die Projekte

Schwarz-weiß-Denken, das jenes in Österreich zu übersteigen scheint. Ruttensteiner betont, dass es hierbei wichtig sei, "einen Mittelweg zu finden und zu sagen: Ein Entwicklungsplan ist notwendig, es gibt wenig an Infrastruktur oder an grundlegenden Dingen in der Trainerausbildung. An dem müssen wir arbeiten, sonst geht da nix weiter."

Irgendwie typisch für den früheren ÖFB-Sportdirektor, dass ihm auch in der Stunde des bislang größten Triumphs im neuen Job die noch ausstehenden Entwicklungsschritte keine Ruhe lassen.

Das 4:2 gegen Österreich sollte ihm für seine Vorhaben Rückenwind bescheren: "Die Frau Sportministerin war in der Kabine, vielleicht gibt es dadurch mehr Unterstützung. So gesehen war der Sieg natürlich extrem wichtig."

Textquelle: © LAOLA1.at

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