Franco Foda: "Geht doch nicht um meine Person"

 

Wird es der letzte Lehrgang von Franco Foda als ÖFB-Teamchef?

Die Beantwortung dieser Frage hängt nicht zuletzt von den beiden WM-Quali-Auftritten im Oktober auf den Färöer und in Dänemark ab, zu einem guten Teil jedoch natürlich auch von der Sichtweise des designierten neuen ÖFB-Präsidenten Gerhard Milletich.

Dessen erste öffentliche Wortspenden ("Alternativen zu Foda suchen") deuten eher darauf hin, dass Fodas Tage gezählt sind. Gleichzeitig möchte der Burgenländer Schnellschüsse vermeiden, was dem Deutschen zumindest eine Chance gibt.

Inzwischen hat es auch das angekündigte Gespräch zwischen Milletich und Foda gegeben, zu dem sich Zweiterer jedoch ausschweigt.

"Wir hatten in der letzten Woche ein Telefongespräch", erzählt Foda, "es war ein privates Gespräch, ein gutes Gespräch, aber die Inhalte werde ich jetzt natürlich nicht nach außen kommunizieren."

Wenn der neue Vorgesetzte eines hochrangigen Angestellten in aller Öffentlichkeit bekundet, dass man sich um Alternativen umsehen muss, ist das selten ein gutes Zeichen. Wie Foda diese Vorgangsweise einordnet?

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Damit muss man umgehen können

Er habe die besagte "ORF"-Sendung nicht gesehen, weshalb er Milletichs Aussagen nicht im Detail kommentieren könne.

Dennoch meint Foda: "Fakt ist einfach: Das ist ja nichts Außergewöhnliches im Fußball. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, wird oft relativ schnell auch über den Trainer diskutiert. Das ist unser Business, unser Job. Damit muss man sich auseinandersetzen, damit muss man umgehen können. Und das kann ich. Insofern ist es so, wie es ist."

Dass dem Oktober-Lehrgang auch in persönlicher Hinsicht eine entscheidende Rolle zukommt, wird Foda wissen. Im Hinblick darauf entschied er sich für Kader-Kontinuität und dafür, dem bisherigen Personal die Chance zu geben, die jüngste Talfahrt zu korrigieren.

"Wichtig wird sein, dass wir alle gemeinsam versuchen, aus dieser Situation herauszukommen. Vor drei Monaten haben wir uns alle im Arm gelegen und eine tolle EM gefeiert. Jetzt gilt es einfach alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit wir aus dieser schwierigen Phase wieder herauskommen. Das geht einfach nur gemeinsam", so Foda.

Streit? Foda: "Erreiche die Mannschaft"

Wie angezählt er sich dennoch fühle? "Es geht doch jetzt gar nicht um meine Person. Wir müssen jetzt einfach alle gemeinsam diese Negativspirale wieder ins Positive drehen."

Wie geschlossen man im ÖFB-Lager dieses Vorhaben in Angriff nimmt, wird sich weisen. Immer wieder ist das Verhältnis zwischen Foda und der Mannschaft ein Thema - zuletzt während des September-Lehrgangs und vor allem in den Tagen danach, als das "Profil" von erheblichen internen Dissonanzen berichtete.

"Ich habe diesen Artikel nicht gelesen, aber mir wurden einzelne Inhalte zugetragen. Dieses Thema hatten wir davor schon irgendwann. Ich denke, dass ich die Mannschaft erreiche", kommentiert der ÖFB-Teamchef.

Natürlich seien die jüngsten Ergebnisse nicht zufriedenstellend gewesen, die Mannschaft habe jedoch jeweils alles gegeben, um die Spiele zu gewinnen, auch in Israel und gegen Schottland.

Noch keine persönliche Kritik durch die Spieler

Foda kann sich auch nicht vorstellen, dass ein Spieler diese Thematik öffentlich diskutieren würde: "Wir führen immer sehr viele Gespräche, auch mit dem Spielerrat vor den Spielen, wir tauschen uns immer aus. Die Spieler haben mir diese Mitteilung noch nie gegeben."

Aussagen wie jene von Marko Arnautovic nach dem Schottland-Spiel, dass man nicht die richtigen Lösungen gehabt habe, würde es im Vereins-Fußball Woche für Woche zu Genüge geben. Man könne auch jede Aussage immer diskutieren:

"Es gab in den letzten Wochen auch einige Aussagen von Marko oder David Alaba, dass die Stimmung gut ist, obwohl das immer anders kolportiert wurde. Trotzdem wird in einem Artikel immer betont, dass die Stimmung nicht gut ist. Letztlich ist es immer auch Interpretationssache."

Foda nimmt Spieler in die Pflicht

Für die Matches gegen die Färöer und Dänemark bietet Foda seinen Spielern die Gelegenheit zur Wiedergutmachung und nimmt sie dafür auch in die Pflicht:

"Ein Trainer ist immer verantwortlich, wie eine Mannschaft ins letzte Drittel kommt. Wir kommen dort extrem gut hin, können uns gut durchspielen, haben eine gute Ballzirkulation. Dann ist es einfach wichtig, dass die Spieler als die Protagonisten auf dem Platz in dieser letzten Zone auch entschlossener zu Werke gehen. Und das haben wir schon gezeigt, dass wir auch Tore erzielen können."

Man wird sehen, wie sehr sich die Spieler auch für ihren Coach ins Zeug legen. Die aktuelle Situation ist für Foda jedenfalls keine leichte:

"Klar, es ist nicht angenehm. Aber jeder, der mich kennt, weiß, dass ich auch im Erfolgsmoment nicht euphorisch oder so optimistisch bin. Insofern kannst du auch dann, wenn es einmal nicht so läuft, nicht so tief fallen. Ich kann jede Situation immer realistisch einschätzen. Mir wäre auch die andere Situation lieber, so wie es direkt nach der EM war. Aber solche Phasen gibt es im Fußball. Wichtig ist, dass man in solchen Phasen die Ruhe bewahrt und auf das konzentriert, was man beeinflussen kann - und das ist immer, die Mannschaft bestmöglich auf das nächste Spiel vorzubereiten."


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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