"Damals herrschte große Euphorie, man hat gesagt, das Halbfinale ist das Minimum. Ich wollte die Euphorie nicht bremsen. Im Nachhinein wäre vielleicht besser gewesen, wenn ich etwas auf die Bremse gestiegen wäre."
Frage: Worauf muss die ÖFB-Auswahl achten, damit die EM nicht so endet wie 2016?
Koller: Wir hatten damals nicht Corona, aber mit den Terroranschlägen war auch eine gewisse Unruhe drin. Die Stimmungslage ist aktuell anders. Damals herrschte große Euphorie, man hat gesagt, das Halbfinale ist das Minimum. Ich wollte die Euphorie nicht bremsen. Im Nachhinein wäre vielleicht besser gewesen, wenn ich etwas auf die Bremse gestiegen wäre.
Frage: Bei einer Pressekonferenz einen Monat nach der EM machte sich der ÖFB nur den Vorwurf, dass die Mannschaft einmal zu lange bei einem Sponsorenessen war und einmal vor dem Aktivieren in Paris im Stau gesteckt ist. Hat man es sich damals zu leicht gemacht mit den Erklärungen für das schlechte Abschneiden?
Koller: Die Sponsor-Geschichte nach dem Spiel in Paris war nicht ideal, und wenn man im Stau steht, ist das auch nicht förderlich.
Frage: Das waren die Gründe für das frühe Ausscheiden?
Koller: Wir müssen jetzt das Ganze nicht noch einmal aufarbeiten. Wenn der Alaba-Schuss nach wenigen Sekunden gegen Ungarn drin gewesen wäre, hätte das ganze Turnier anders laufen können. Wir hatten auch im letzten Spiel gegen Island noch unsere Chancen auf den Aufstieg. Aber es bringt nichts mehr, fünf Jahre zurückzuschauen. Wir haben damals Entscheidungen getroffen und sind dahinter gestanden.
Frage: Eineinhalb Jahre nach der EM ist Ihre Zeit als österreichischer Teamchef zu Ende gegangen, begleitet von einigen bemerkenswerten Wortmeldung von ÖFB-Präsidiumsmitgliedern. Schmerzt Sie die Art und Weise des Abschieds noch?
Koller: Nein. Vielleicht hat sich der eine oder andere in der Öffentlichkeit nicht optimal geäußert, doch ich bin kein nachtragender Mensch.
Frage: Seit Ihrem Abgang vom FC Basel im vorigen Sommer sind Sie ohne Job. Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?
Koller: Ich will weiterhin als Trainer tätig sein und habe mit dem einem oder anderen Verein und Nationalverband gesprochen. Aber noch gibt es nichts Konkretes.