Kara: "Macht nix, wenn ich auf die Fresse kriege"

Kara: Foto: © GEPA
 

Das Foto mit dem gegnerischen Fuß im Gesicht von Ercan Kara machte nach dem Gastspiel auf den Färöer die Runde und ziert auch diese Geschichte.

"Ich habe es schon gesehen. Bei mir suchen's immer die besten Bilder aus", muss der Rapidler grinsen, "mir macht es nichts aus, wenn ich mal eine auf die Fresse kassiere. Das ist schon das eine oder andere Mal passiert, also kein Problem."

Mit seinem gelungenen Startelf-Debüt scheint der 25-Jährige endgültig im ÖFB-Nationalteam angekommen zu sein. Zumindest hat sich der Stürmer als Alternative präsentiert, die sich weitere Chancen verdient.

Eine bemerkenswerte Entwicklung für den Spätstarter. Ob er etwa im Alter von 18 Jahren geglaubt hätte, es bis ins A-Team zu schaffen?

"Man hat seine Träume, und die gehen manchmal in Erfüllung und manchmal nicht", meint Kara.

Nichts im Leben geschenkt

Daraus lässt sich schließen, dass Kara selbst weiter an den Durchbruch glaubte, als es in jüngeren Jahren vielleicht nicht so lief. Mit 18 unterschrieb er im Sommer 2014 bei der zweiten Mannschaft von Austria Wien, bei der zwei Jahre später für ihn Endstation war.

Via Mauerwerk schaffte er es im Sommer 2019 in die 2. Liga zum SV Horn, ein halbes Jahr später gelang der Sprung zu Rapid, der Rest ist inzwischen gut bekannte Geschichte.

Eine Akademie hat Kara wie etwa auch Sasa Kalajdzic nie von innen gesehen, was Teamchef Franco Foda dazu veranlasst hat, die beiden als "Instinktfußballer" zu bezeichen.

Was ihn als Instinktfußballer auszeichnen würde? "Dass ich keine Akademieausbildung habe", lacht Kara und meint schließlich ernsthafter: "Dass man es nicht einfach hat, dass man immer für alles kämpfen muss, dass man nichts im Leben geschenkt kriegt."

Überzeugte und weniger überzeugte Leute

"Natürlich gab es den einen oder anderen, der mir auf meinem Weg geholfen hat. Es wäre aber unfair, wenn ich Namen nennen würde, denn dann würde ich vielleicht jemanden vergessen. Es gab genauso Leute, die nicht so überzeugt waren. Es ist schön, jedem die Antwort auf dem Platz zu geben."

Ercan Kara

Auf der harten Tour nach oben gab es freilich auch Fürsprecher. Nennen will sie Kara nicht - aus gutem Grund:

"Natürlich gab es den einen oder anderen, der mir auf meinem Weg geholfen hat. Es wäre aber unfair, wenn ich Namen nennen würde, denn dann würde ich vielleicht jemanden vergessen. Es gab genauso Leute, die nicht so überzeugt waren. Es ist schön, jedem die Antwort auf dem Platz zu geben."

Auch in den vergangenen acht Tagen hat der Angreifer, dessen Idol Didier Drogba ist, einige Antworten geliefert. Erst drei Tore und eine Vorlage gegen die WSG Tirol, dann ein Assist und ein guter Auftritt für das ÖFB-Team - so lässt man das Gerede über etwaige Ladehemmung verstummen.

"In der einen Woche sind drei Tore und zwei Siege passiert. Die Leute reden und diskutieren jeden Tag. Sollen sie weiterreden, mich interessiert das nicht", habe er sich jedoch auch davor durch Kritik nicht aus dem Konzept bringen lassen.

"Ziemlich neu" im Stürmer-Konkurrenzkampf

Dass Kara als bester Österreicher des Färöer-Spiels ins Rampenlicht gerückt ist, ist verdient. Dass Foda jedoch noch in Torshavn betont hat, dass der Stürmer solch eine Leistung erst weiter bestätigen müsse, lässt sich natürlich unterschreiben. Noch dazu, da der Gegner nicht gerade zur Elite-Kategorie gehört.

Ein Ausrufezeichen in eigener Sache war es dennoch. "Ich spiele einfach das, was ich kann. Ich kenne meine Stärken und probiere Sie auf den Platz zu bringen, um der Mannschaft zu helfen. Das ist mir gegen die Färöer gelungen", so Kara.

Die Stürmer-Situation wurde rund um das ÖFB-Team in den vergangenen Jahren mal mehr, mal weniger intensiv diskutiert. Derzeit fehlen mit Marko Arnautovic und Kalajdzic zwei Kaliber verletzungsbedingt. Sind alle Kandidaten fit, schaut es an vorderster Front jedoch nicht so schlecht aus.

Kara: "Ich finde, wir haben im Nationalteam sehr gute Stürmer. Marko, Sasa, 'Gregerl' haben alle sehr gute Qualität. Ich bin ziemlich neu und probiere einfach umzusetzen, was ich kann."

Ein besonderer Moment - auch bei 0:4

Von einem Stammplatz ist er im ÖFB-Team natürlich noch entfernt, aber die Chancen auf einen Einsatz in Dänemark sind durchaus gestiegen. Für das erste Gegentor der Skandinavier in dieser WM-Qualifikation zu sorgen, "wäre schön".

"Es war kein schönes Debüt, aber für mich war es ein besonderer Moment, auch wenn ich bei 0:4 reingekommen bin."

Ercan Kara

"Sie haben eine sehr gute Mannschaft. Sie stehen sehr gut, haben kein Tor kassiert. Das spricht für sie. Wir müssen einfach 100 Prozent geben und an dem Tag eine sehr gute Leistung abrufen. Aber ich finde, wir haben die Qualität dazu. Deswegen bin ich überzeugt, dass wir erfolgreich sein können", betont der Rapidler.

Für Kara wäre es sein sechstes Länderspiel. Seine Premiere feierte er im März ausgerechnet per Kurzeinsatz beim 0:4-Heimdebakel gegen die Dänen. Ein Match, das er trotz des Ergebnisses nicht aus dem Gedächtnis streichen möchte:

"Im Endeffekt war es mein Debüt, deswegen brauche ich nichts löschen. Es war kein schönes Debüt, aber für mich war es ein besonderer Moment, auch wenn ich bei 0:4 reingekommen bin. Jetzt haben wir die Chance, dieses 0:4 wettzumachen."

Die Träume bleiben geheim

Gelingt das, vielleicht sogar mit Hilfe einer weiteren starken Kara-Leistung, wäre es der nächste Meilenstein für den Wiener. Zu realisieren ist das Tempo seines Aufstiegs gar nicht mal so einfach:

"Es ging alles sehr schnell. Ich hatte keine Zeit, das alles zu verarbeiten. Deswegen schwimme ich einfach weiter und schaue, wo die Reise hingeht."

Bezüglich seiner Vorstellungen bleibt Kara jedoch schweigsam: "Meine Träume werde ich nicht sagen, das bleibt bei mir."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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