Ercan Kara: Der "Instinktfußballer" zeigt auf

Ercan Kara: Der
 

Wenn man so will, war Ercan Kara Franco Fodas größter Poker in der Anfangsformation für das Färöer-Spiel - und der ist aufgegangen.

Der Rapid-Stürmer feierte sein Startelf-Debüt im Nationalteam und erwies sich laut Teamchef als "belebendes Element".

Der 25-Jährige bereitete das 1:0 von Konrad Laimer mustergültig vor und brachte auch ansonsten eine gute Leistung.

"Ercan hat über weite Strecken des Spiels den Eindruck aus dem Training bestätigt. Wir wollten viel über die Flanken spielen, er war in der Box immer präsent - bei jeder gefährlichen Aktion war er an Ort und Stelle, da wo ein Stürmer auch hingehört", lobt Foda.

Zu kritisieren gibt es am Auftritt des Angreifers eigentlich nur eines.

Kara: "Werde schon wieder treffen"

"Dass er eigentlich ein, zwei Tore erzielen hätte können, war das einzige Manko. Vor der Halbzeit hatte er schon eine Riesen-Möglichkeit, aber ich bin mit seinem Startelf-Debüt sehr, sehr zufrieden", resümiert Foda.

Nach der Pause hämmerte Kara den Ball zudem noch an die Latte.

Im "ORF" bemängelte der Wiener naturgemäß, dass er den ersten ÖFB-Einsatz von Beginn an nicht mit einem Treffer krönen konnte:

"Natürlich will man als Stürmer immer treffen, aber wichtig ist, dass wir gewonnen haben, das zählt. Ich werde schon wieder treffen."

Der nächste Meilenstein

Mangels Einsätzen in ÖFB-Nachwuchs-Nationalteams war es übrigens tatsächlich das allererste Mal, dass Kara die Bundeshymne auf dem Feld gehört hat. In seinen vier Länderspielen davor kam er stets als Joker ins Spiel.

Man darf durchaus behaupten, dass dies ein weiterer Meilenstein in der zuletzt rasanten Entwicklung des Spätstarters ist.

Erst im Sommer 2019 wechselte der 1,92-Meter-Hüne von Mauerwerk in die 2. Liga zum SV Horn. 13 Tore in 16 Liga-Spielen später unterschrieb Kara im Jänner 2020 bei Rapid.

Dort deutete er von Beginn an seine Torgefahr an, startete jedoch mit 20 Pflichtspiel-Treffern in der Vorsaison erst so richtig durch.

Wie Kalajdzic nie in einer Akademie

In der laufenden Saison darf man behaupten, dass er sich vor allem in der Bundesliga einen Hänger leistete. Mit drei Toren am vergangenen Wochenende gegen die WSG Tirol gelang jedoch rechtzeitig fürs Nationalteam der Befreiungsschlag. Das dabei getankte Selbstvertrauen überzeugte Foda im Training.

"Das ist ähnlich wie bei Sasa Kalajdzic, der war auch nie in einer Akademie. Das sind halt Instinktfußballer, das merkt man einfach."

Ercan Kara

Dass es Kara aber überhaupt jemals ins Nationalteam schaffen würde, war so lange nicht abzusehen, dies geht schon aus seinem Lebenslauf hervor.

Auch wenn er mit 18 für zwei Jahre in der zweiten Mannschaft von Austria Wien andockte, ist er kein Absolvent einer Akademie, sondern schaffte es über Umwege ins Profigeschäft.

"Das ist ähnlich wie bei Sasa Kalajdzic, der war auch nie in einer Akademie", erwähnt Foda, "das sind halt Instinktfußballer, das merkt man einfach."

Foda freut sich über eine weitere Alternative

Ob es ein Zufall ist oder nicht, dass solche Stürmer-Typen zuletzt immer wieder im Nationalteam aufgezeigt haben, sei dahingestellt. Als unkonventionell geht jedenfalls auch Kara durch.

In Torshavn fand er laut Teamchef jedenfalls schnell ins Spiel: "Er hatte viel Spaß und Freude. Er ist auch oft in die Tiefe gegangen. Es war also nicht nur so, dass er eine klassische Neun, also nur in der Box, gespielt hat, sondern er hat die Bälle gut gehalten. Er hat auch das Tor von Konni Laimer durch einen Tiefgang gut vorbereitet."

Manches ÖFB-Kadermitglied tat sich zuletzt schwer, die Chance zu nutzen, wenn sie sich ergeben hat. Kara ist zumindest ein Ausrufezeichen in eigener Sache gelungen.

"Insgesamt war seine Leistung wirklich sehr zufriedenstellend. Das muss er aber weiterhin bestätigen. Trotzdem ist es gut zu wissen, dass wir Alternativen haben", so Foda.

Keine Verschnaufpause, trotzdem "frisch"

Zumindest sollte sich der Stürmer die Chance verdient haben, sich auch mit besseren Gegnern als den Färöer zu messen - vielleicht schon am Dienstag in Dänemark.

Für Rapid bestritt Kara bereits 19 Pflichtspiele in dieser Saison - und zwar alle von Beginn an. Dazu kommen drei ÖFB-Kurzeinsätze im September und nun ein 88-minütiger Nationalteam-Auftritt.

Wie sehr es seinem Vereinstrainer Didi Kühbauer gefällt, dass der Angreifer keine Verschnaufpause hat, sei dahingestellt. Kara selbst verspürt keine Müdigkeit:

"Ich fühle mich gut. Es waren nicht wenige Spieler bisher. Aber wenn man professionell genug ist und gut regeneriert, kann man immer noch frisch sein."

Vielleicht darf Kara ja bereits am Dienstag beweisen, wie frisch er ist. In Dänemark erwartet er jedenfalls "ein komplett anderes Spiel. Deswegen müssen wir eine bessere Leistung als gegen die Färöer abliefern, um Erfolg zu haben."

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