Die Faktoren für die Niederlage in Amsterdam

 

Nach dem Nordmazedonien-Spiel durfte sich Franco Foda noch feiern lassen.

Beim 0:2 in den Niederlanden blieb der Überraschungseffekt aus - sowohl auf das Ergebnis als auch auf Personal und System bezogen.

Während der Auftaktgegner sichtlich nicht damit gerechnet hatte, dass der ÖFB-Teamchef ein 3-5-2 mit David Alaba als "Hauptdarsteller" aus dem Hut zaubern würde, konnte sich Bondscoach Frank de Boer in aller Ruhe darauf vorbereiten.

Auch ansonsten fiel dem ÖFB-Team in der Johan Cruyff Arena in Amsterdam nicht allzu viel ein. Stattdessen verfiel man wieder in die zuletzt bereits besorgniserregende Harmlosigkeit vor dem gegnerischen Tor.

Die Ursachenforschung nach der Niederlage:

DER FAKTOR SYSTEM

Dass der Teamchef enorme Mängel darin ortete, wenn es nach guten Balleroberungen darum ging, im Umschaltspiel etwas Zählbares zu produzieren, ist verständlich.

Hier hätte das ÖFB-Team systemunabhängig bessere Lösungen finden können.

Dennoch: Es war erst das zweite Länderspiel in einer 3-5-2-Variante mit David Alaba als Abwehrchef. Abläufe und blindes Verständnis können noch nicht so ausgeprägt sein. Zudem wusste ein gut vorbereiterer Gegner mit weitaus höherer Klasse als Nordmazedonien gut damit umzugehen. Vielleicht auch daher die hohe Quote an Eigenfehlern.

"Die beiden Systeme haben sich relativ gut neutralisiert", erklärt Stefan Lainer, der betont, dass es auch Holland nicht leicht gehabt habe, es aber mit einer Spur mehr Qualität besser ausgespielt habe.

"Dann muss man natürlich versuchen, übers Zentrum Überzahl zu schaffen, was jedoch auch schwer ist, weil du da auch drei auf drei bist", so der Außenverteidiger, der sich auf rechts nicht ideal eingebunden gefühlt hat:

Lainer fühlte sich rechts liegen gelassen
Foto: © GEPA

"In der ersten Halbzeit waren Konny Laimer und ich rechts alleine auf weiter Flur. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, da etwas zu kreieren. Über links sind wir das eine oder andere Mal gut durchgekommen, haben gut Überzahl geschafft, aber über rechts kam zu wenig."

Und das, obwohl man eigentlich die Mitte vernachlässigt habe, wie Martin Hinteregger nach dem Schlusspfiff im "ORF" kritisierte:

"Großes Manko war, dass wir immer nur über außen gekommen sind. Das ist ein bisschen zu leicht auszurechnen. Wenn wir mal ein, zwei Mal durch die Mitte gespielt haben, war der 'Baumi' vorm Tor. Das sind die gefährlichen Sachen, die haben wir zu wenig einstudiert oder zu wenig Fokus darauf gelegt."

Viel Zeit, während einer EURO ein System sattelfest einzustudieren, bleibt bekanntlich nicht. Insofern stellt sich die Frage, warum der Teamchef recht lange zugewartet hat, um das System zu ändern? Mit einer hochflexiblen Startelf am Feld wäre nicht einmal ein Wechsel notwendig gewesen, um einen eventuell höheren Wohlfühlfaktor zu erzielen.

DER FAKTOR OFFENSIVSPIEL:

Noch ein Hinteregger-Sager: "Sie haben top verteidigt, obwohl wir es ihnen nicht allzu schwer gemacht haben." Kompliment für die Niederlande oder Kritik an der ÖFB-Offensive? Letzlich wohl beides.

Es würde viel zu kurz zu greifen, die ÖFB-Harmlosigkeit an den Stürmern festzumachen, schließlich sind auch die Spieler dahinter eingeladen, die Angreifer entweder besser in Szene zu setzen oder selbst torgefährlicher zu agieren.

Dass jedoch Michael Gregoritsch und Christoph Baumgartner nur bedingt gut miteinander harmonierten, war offensichtlich - auch Baumgartner monierte nach der Partie, dass man keine ideale Abstimmung gehabt habe.

Allzu viel gemeinsame Spielzeit hatten die beiden noch nicht, schon gar nicht als Doppelspitze in diesem System.

Baumgartner/Kalajdzic, Gregoritsch/Arnautovic, Baumgartner/Gregoritsch - bei dieser EM gab es schon einige rot-weiß-rote Sturm-Duos. Ob Foda noch die von vielen geforderte Variante mit Marko Arnautovic und Sasa Kalajdzic auspackt?

Vier Mal in den letzten fünf Spielen ohne eigenen Treffer ist jedenfalls kein Ruhmesblatt und muss sich dringend verbessern.

DER FAKTOR QUALITÄT:

Der Hinweis diverser ÖFB-Spieler, dass man es mit einem Gegner zu tun hatte, der auf einigen Positionen Weltklasse-Personal zu bieten hat, kam nicht von ungefähr.

Das waren in der Tat nicht "Irgendwelche", wie es Baumgartner ebenso trocken wie wirkungsvoll auf den Punkt gebracht hat.

Immer wieder ist von der besten ÖFB-Generation seit langer Zeit die Rede. Die individuelle Klasse einige Vertreter der "Elftal" steht noch einmal darüber. Beide Thesen gehen sich auch gleichzeitig aus.

Letztlich sind Fußball-Nationen wie die Niederlande (beinahe schon traditionell) oder die Entwicklung von Belgien in den vergangenen zwei Jahrzehnten nach wie vor Vorbilder für Fußball-Österreich.

Die rot-weiß-rote Ausbildung ist viel besser geworden, aber gerade im Top-Level-Bereich geht noch mehr. David Alaba ist nach wie vor der einzige bei der absoluten Vereins-Elite gefragte Österreicher.

Matthijs de Ligt (Juventus) oder Frenkie de Jong (FC Barcelona) haben noch viele Karriere-Jahre vor sich, spielen aber dennoch längst bei Weltklubs.

Hier hat Österreich bei aller Freude über die gute Entwicklung in Sachen Legionäre, die vor allem in der deutschen Bundesliga eine gute Rolle spielen, noch einiges an Luft nach oben.

Da hoffentlich niemand gewillt ist, nur das aktuelle Level zu halten, sondern weiterer Fortschritt angestrebt ist, scheint dies unabhängig von dieser EURO eines der wichtigeren Themen der kommenden Jahre.

DER FAKTOR ARNAUTOVIC:

Auch wenn er letztlich nie bei einem Weltklub eine prägende Rolle gespielt hat, ist Marko Arnautovic natürlich nach wie vor jener ÖFB-Spieler, der auf diesem Niveau den Unterschied ausmachen kann.

Arnautovic brauchte in Amsterdam Trost
Foto: © GEPA

In Amsterdam stand der 32-Jährige nicht zur Verfügung, die Gründe sind bekannt. Stattdessen litt er nach der UEFA-Sperre auf der Tribüne mit seinen Kollegen.

In Sachen Qualität meint Lainer: "Ich finde, dass wir nicht weit weg waren. Aber uns hat natürlich ein Spieler wie Marko gefehlt, der sich mit seinem Können in Eins-gegen-Eins-Situationen vielleicht befreien und somit Überzahl schaffen hätte können."

Dass Arnautovic vermisst wurde, steht außer Frage. Das Theater rund um die UEFA-Ermittlungen gegen den ÖFB-Star habe laut Lainer jedoch nicht abgelenkt:

"Das darf auf keinen Fall eine Ausrede sein. Aber ein Spieler wie Marko mit seiner Qualität, auch wenn er reinkommen würde, wäre natürlich magisch gewesen. Aber das ist jetzt nur Gerede, es ist nicht so gewesen. Ich will damit nur sagen, dass wir nicht aus dem Vollen schöpfen konnten."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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