Israel-Teamchef Andi Herzog: "Danach lechzen alle"

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Nach den ersten Wochen und Monaten weiß Andreas Herzog mittlerweile genau, auf was er sich eingelassen hat.

Der israelische Teamchef wagte fernab der Heimat einen Neuanfang. Einen schwierigen, wie sich mit zwei Niederlagen in den ersten zwei Spielen herausstellte. Mit einem 2:1 gegen Schottland und einem 2:0 gegen Albanien am Sonntag in der Nations League gab es jedoch bereits Grund zum Jubeln.

Der 50-jährige Wiener ist guten Mutes, dass sich Erfolg einstellen wird. "Sie haben schon sehr, sehr gute Zeiten hier gehabt, und da lechzen natürlich alle danach. Aber es ist trotzdem noch ein langer Weg", gesteht Herzog in einem Beitrag im "ORF" bei "Sport am Sonntag".

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"Israels Fußball wurde in den letzten Jahren nicht von Erfolgen überstrahlt"

"Es ist jetzt einige Zeit nicht so gut gegangen, und deshalb ist es umso wichtiger, dass wir schon langsam wieder Erfolge einfahren, damit das Selbstbewusstsein, das Selbstvertrauen, der Glaube an die Nationalmannschaft von den Fans zurückkehrt, damit wieder eine gewisse Euphorie entsteht. Und da helfen im Endeffekt nur Siege und die gilt es in den nächsten Spielen zu holen."

Die Situation ist zerfahren, mittlerweile seit vielen Jahren. Zahlreiche Fans haben sich von Israels Nationalteam abgewandt, die Teamchefsuche dauerte sieben Monate an, ehe Sportdirektor Willi Ruttensteiner installiert und Herzog nach Tel Aviv lotste.

Dort haben die beiden rot-weiß-roten Vertreter ihre Hombase, Tormann-Trainer Klaus Lindenberger rundet die ÖFB-Delegation ab. Abgesehen vom Sportlichen hat sich der ÖFB-Rekordteamspieler mit den Lebensgewohnheiten in Israel bereits angefreundet.

"Ein schönes, interessantes Land, ich fühle mich ehrlich gesagt sehr, sehr wohl. Natürlich ist die Aufgabe schon eine gewisse Herausforderung, weil der israelische Fußball jetzt in den letzten Jahren oder Monaten nicht vom Erfolg überstrahlt worden ist."

Herzogs Tor 2001: "Darauf bin ich schon hundert Mal angesprochen worden"

Und dieses Thema überstrahlt einfach alles. Dass ausgerechnet jener Mann das Land wieder zu einer Adresse im internationalen Fußball machen soll, der für eine der größten Niederlagen verantwortlich zeichnet, rief anfangs viele Skeptiker auf den Plan.

Herzog war es nämlich, der mit seinem Tor in der 92. Minute im Jahr 2001 Israels zweite WM-Teilnahme nach 1970 praktisch in letzter Sekunde zunichte machte. Schon im Hinspiel traf der Ex-Mittelfeldspieler gegen seinen jetzigen Arbeitgeber.

Und insgesamt traf Herzog gegen kein Land öfter als gegen Israel - insgesamt vier Mal. "Bitte erwähnt es nicht so oft, sonst kriege ich hier gröbere Probleme. Ich habe eh am Anfang natürlich Schwierigkeiten gehabt mit dem Tor da in der letzten Sekunde. Darauf bin ich schon hundert Mal angesprochen worden", scherzt der Neo-Teamchef und legt nach:

"Ich möchte nur eines sagen: Ich hätte lieber öfter gegen die Deutschen getroffen, das hätte mir mehr Spaß gemacht."

Neue Erfahrungen: Anderer Glaube, andere Regeln

Spaß macht es Herzog auch, einen neuen Kulturkreis kennenzulernen. Dabei kommen natürlich auch Probleme und Ungewohntheiten auf ihn zu, die er bisher noch nicht kannte.

"Im Endeffekt bin ich hier angetreten, um mit der Nationalmannschaft - mit jüdischen, mit arabisch-stämmigen Spielern – Erfolg zu haben. Ich kann nur sagen, dass das bei uns in der Nationalmannschaft überhaupt kein großes Thema ist. Da versteht sich jeder ganz gut und darauf lege ich auch Wert. Wir sind hier zum Fußball spielen und wenn irgendeiner glaubt, dass er mit einem anderen nicht zurechtkommt, dann hat er in meiner Mannschaft nichts verloren."

Ruttensteiner sieht darin sogar eine "sehr schöne Funktion des Fußballs", da der Aspekt des friedvollen Miteinanders vorgelebt wird. Herzog lernte auch den Sabbat, den wöchentlichen Ruhetag des Judentums besser kennen, an dem Gläubigen jegliche Form der Arbeit untersagt ist. Auch in dieser Hinsicht hat Herzog schon Erfahrungen gemacht:

"Klar war es neu für mich. Ich bin mit einem im Aufzug gestanden, den ich gefragt habe, wo er überhaupt hinfahren will. Er hat gesagt, dass er keinen Knopf drücken darf. Dann habe ich gesagt, dass ich ihn für ihn drücke. Er wäre wahrscheinlich mit mir in meinen Stock gefahren und dann wäre er ein paar Etagen zu Fuß runtergegangen. Also anderer Glaube, andere Regeln."

"Ich habe einen Umbruch gestartet"

Die für ihn neuen Bedingungen haben jedoch keinen Einfluss darauf, dass er mit Israel möglichst schnell Erfolge vorweisen will. Der Tenor einiger Journalisten geht in die Richtung, dass Herzog und Ruttensteiner scheinbar nicht wussten, worauf sie sich eingelassen haben. Einer meint sogar: "Wir sind am Tiefpunkt."

Dieser meint auch, dass Herzog nicht viel Zeit bekommen wird. Ein paar erfolglose Spiele könnten bereits das Ende bedeuten, schon nach den zwei Pleiten zum Auftakt war es haarig.

Herzog und Ruttensteiner haben jedoch einen längerfristigen Aufbau der israelischen Nationalmannschaft im Sinn, um nachhaltigen Erfolg zu garantieren. "Ich habe den Job angetreten, habe einen Umbruch gestartet, mit vielen jungen, talentierten Spielern. Dass da nicht gleich alles zu hundert Prozent funktionieren kann, das muss man auch von meiner Seite aus akzeptieren. Ob es die Öffentlichkeit oder die israelischen Fans so schnell akzeptieren, ist die andere Frage", hält der Teamchef fest.

Und Ruttensteiner meint zur Ausrichtung: "Mich reizt die Aufgabe, ein Land, das jetzt ungefähr Nummer 100 der Weltrangliste ist, noch in allen Bereichen zu fördern, weiterzuentwickeln und vielleicht einen Langzeitplan zu schaffen, über den man in viellicht zehn Jahren einmal sagt: Das war das Richtige."

Textquelle: © LAOLA1.at

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