Stefan Faistenauer: USA statt FC Bayern München

Stefan Faistenauer: USA statt FC Bayern München
 

Morgens läuft Stefan Faistenauer gerne am Strand oder trainiert in einem Gym direkt beim Strand. Nach der Arbeit ist immer wieder Schwimmen angesagt oder auch ein Buch am Strand.

Man kann es wirklich schlechter erwischen, als sein Home Office in Miami zu verbringen.

Vor zehn Jahren war der Plan noch ein ganz anderer. Für viele Jugendliche ist es der Traum, irgendwann einmal ins Dress des FC Bayern München zu schlüpfen.

Faistenauer erfüllte sich diesen Traum im Teenager-Alter.

Der Traum von der großen Profi-Karriere platzte jedoch, wie er unweigerlich bei der Mehrheit der Jugendlichen platzen muss, die sich mit 14 Jahren vornehmen, ganz groß rauszukommen. Das schaffen bekanntlich nur die wenigsten Kicker.

Dies bedeutet jedoch logischerweise nicht, dass man keine spannende Karriere abseits einer Fußballer-Laufbahn hinlegen kann.

Bei LAOLA1 erzählt Faistenauer seine Geschichte, wie es ihn einst aus Tirol in den Nachwuchs des deutschen Rekordmeisters und später in die USA verschlug.

Via Tiroler Landesauswahl zum FC Bayern

Der Kontakt zu Faistenauer resultierte aus dieser Geschichte über die bisherigen Österreicher im Bayern-Nachwuchs:

Viele dieser Herrschaften sind aus dem Profi-Fußball bekannt, dafür muss man nicht zwingend David Alaba oder Alessandro Schöpf heißen. Beim Namen Stefan Faistenauer klingelte es indes weniger, wenngleich der sportliche Lebenslauf durchaus interessant geklungen hat.

2010 wechselte er im Alter von 13 Jahren vom FC Kufstein zum FC Bayern. Wie der Kultverein auf ihn aufmerksam wurde?

"Ich habe mit der Tiroler Landesauswahl damals ein Testspiel gegen die Bayern gespielt und wusste anscheinend zu überzeugen", erinnert sich Faistenauer, "anschließend wurde ich jedes Quartal zu einem Training eingeladen. Nach diesen vier Einheiten bekam ich das Angebot, in der nächsten Saison nach München zu transferieren."

Im VW-Bus der Bayern mit Mama Friedl

Dass mit Schöpf beziehungswiese Marco Friedl zu dieser Zeit zwei weitere Tiroler Talente in München ihre fußballerische Ausbildung genossen, spielte durchaus eine Rolle.

"Da meine Eltern beruflich nicht in der Lage waren, mich täglich ins Training zu fahren, funktionierte es nur, weil die Bayern uns einen VW-Bus zur Verfügung gestellt haben. Marcos Mutter fuhr uns dann vier Mal die Woche zum Training."

Stefan Faistenauer

"Da ich weiterhin in Wörgl das Gymnasium besucht habe und meine Eltern beruflich nicht in der Lage waren, mich täglich ins Training zu fahren, funktionierte es nur, weil die Bayern uns einen VW-Bus zur Verfügung gestellt haben. Marcos Mutter fuhr uns - und das inkludiert die Rosenheimer und Bad Aiblinger Kids - dann vier Mal die Woche zum Training", erzählt Faistenauer.

Schöpf habe er erst später in München kennengelernt: "Da er aus Längenfeld kommt, war pendeln für ihn nie eine Option, weil es zu weit ist."

Der nunmehrige Schalker Schöpf und Werder-Legionär Friedl blieben viele Jahre bei den Bayern. Für Faistenauer lief es weniger gut. Er blieb von Sommer 2010 bis Sommer 2011.

Schwierigkeiten Anschluss zu finden - auf und abseits des Platzes

"Unglücklicherweise habe ich mir eine Woche vor dem Trainingsstart die Patellasehne gerissen und war erst mal einige Monate im Rehazentrum zu finden. Außerdem hatte ich in diesem Jahr einen Wachstumsschub vom 20 Zentimetern, da hat dann der Körper nicht ganz mitgespielt."

So verpasste der Innenverteidiger unter anderem ein Trainingslager in Katar, stattdessen hieß es Aufbautraining in München. Der gerade in diesem Alter so wichtige soziale Aspekt kam schließlich ebenfalls zu kurz.

"Ich hatte dann, ehrlich gesagt, Schwierigkeiten, Anschluss an die Mannschaft zu finden - spielerisch, aber auch neben dem Platz. Gefühlt habe ich mehr Zeit mit den Verletzten beziehungsweise Spielern von Bayern II oder vor allem Österreichern wie Christian Derflinger, Alessandro Schöpf oder David Alaba verbracht als mit meiner Mannschaft."

Gegen Ende der Saison habe er noch einige Spiele bestritten: "Trotzdem musste ich mich dann fragen, ob ich als Ersatzspieler in die neue Saison starten will, denn zu dieser Zeit waren die anderen Spieler einfach weiter als ich, oder ob ich mir eine neue Aufgabe suchen und mir mit Spielpraxis die Freude am Fußball zurückholen will?"

Nächster Stopp: Unterhaching

Die Antwort war ein Wechsel in die Jugend der SpVgg Unterhaching. Beim Münchener Vorortverein verbrachte Faistenauer die Saison 2011/12.

"Dort hat mich Manfred Schwabl von Beginn an unterstützt und mit Physios, Akupunktur etc. verlinkt, um meinen Körper wieder in den Griff zu bekommen", erinnert sich Faistenauer, der zudem - tendenziell besonders wichtig - den gewünschten Spaß am Fußball wiederfand:

"In Haching hatte ich eine tolle Zeit mit einigen richtig starken Kickern mit ähnlichem Hintergrund aus den Akademien von 1860, Bayern oder Augsburg. Ich bin heute noch mit einigen aus der Haching-Zeit gut befreundet. Aus meiner damaligen Mannschaft sind vier weitere Spieler in die USA gekommen, um hier an Colleges zu spielen und zu studieren."

Gott sei Dank hat sich die Mama durchgesetzt

Bildung ist ein gutes Stichwort. Für Faistenauer ging es im Sommer 2012 zurück nach Tirol - zuerst zum FC Wacker Innsbruck, dann folgten Stationen beim FC Kufstein und dem SC Schwaz.

"Der Wechsel zurück nach Tirol war eine aktive Entscheidung, der schulischen Laufbahn den Vorrang zu geben. Die Anreise nach Innsbruck per Zug ging um einiges schneller als nach Haching", begründet Faistenauer.

Wobei sich hier durchaus auch die Mama aktiv eingemischt hat, wie der heute 24-Jährige lachend zugibt:

"Ich hatte am Anfang leider nicht den Weitblick, aber Gott sei Dank hat sich meine Mama damit durchgesetzt, dass die Bildung an erster Stelle kommt und dann der Fußball. Deshalb habe ich auch das BRG Wörgl durchgezogen und bin nicht in Deutschland in ein Internat gegangen. Während meines Bachelors lernte ich langsam die Wichtigkeit von Bildung zu verstehen und fand meine Begeisterung für eine wirtschaftliche Karriere anstatt dem Ball nachzujagen."

Der Abschied vom Traum Fußball-Profi

Wobei auch beim Beginn dieses Kapitels der Fußball mehr als nur eine Nebenrolle gespielt hat. Zuvor galt es jedoch den Traum von der Profi-Karriere - und das am besten beim FC Bayern - hinter sich zu lassen.

"Um ehrlich zu sein, war ich als Kind nie ein großer Fan von Bayern, Borussia Dortmund war mir immer sympathischer. Aber ich habe die Möglichkeit bei den Bayern als riesige Chance gesehen, weil dieser Verein jedem in der Welt ein Begriff ist. Ich wusste, dass sich dadurch später die eine oder andere Türe für mich öffnen wird."

Stefan Faistenauer

"Seit ich drei Jahre alt war, habe ich Fußball gespielt. Natürlich war es mein großer Traum, irgendwann als Profi mein Brot zu verdienen", gesteht Faistenauer, der aus heutiger Sicht mit breitem Grinser eingestehen kann, dass bei diesem Traum der FC Bayern in Wahrheit gar nicht die Hauptrolle gespielt hat:

"Um ehrlich zu sein, war ich als Kind nie ein großer Fan von Bayern, Borussia Dortmund war mir immer sympathischer. Aber ich habe die Möglichkeit bei den Bayern als riesige Chance gesehen, weil dieser Verein jedem in der Welt ein Begriff ist. Ich wusste, dass sich dadurch später die eine oder andere Türe für mich öffnen wird."

Zunächst ging im Sommer 2016 die Türe in die USA für den damals 19-Jährigen auf.

Via Highlight-Tape an die Uni in Florida

"Über einen damaligen Mitspieler in der Regionalliga West bei Schwaz habe ich erstmals von Spieler-Agenturen gehört, die Europäer nach Amerika vermitteln. Ich habe mich bei einer solchen Agentur angemeldet und wurde per Highlight-Tape an US-Colleges angeboten. Ich hatte dann ungefähr 30 Unis aus dem ganzen Land, die mich kontaktiert haben und rekrutieren wollten", erzählt Faistenauer.

Die Wahl des Tirolers fiel auf die Nova Southeastern University in Florida, genauer gesagt in Fort Lauderdale. Für die "Sharks" kickte er drei Jahre in der Division 2, wobei hier wohl eine kurze Einführung ins Divisionen-System im College-Sport von Nöten ist.

Faistenauer: "Bei den Divisionen geht es nicht um das sportliche Level, sondern um die allgemeine Größe der Uni. Deshalb bedeutet D2 nicht zwingend ein schlechteres Level als Division 1. Meine Uni hatte 25 internationale Spieler, teilweise aus Akademien der Premier League, La Liga, der Bundesliga, aber auch aus Brasilien oder Kolumbien - und das in einem Kader von 30 Leuten."

Bei anderen Mannschaften in der Liga sei es ähnlich international zugegangen: "Am Wochenende konnte es gut sein, dass elf 'Ausländer' gegen elf 'Ausländer' für zwei amerikanische Unis in der Startaufstellung gestanden sind."

Neue Herausforderung in New York

Nach drei Jahren und seinem Bachelor-Abschluss suchte Faistenauer eine neue Herausforderung: "Ich bin dann zu einer D1-Mannschaft in New York, der Long Island University, um dort auch meinen Master zu machen. Es war mein letztes Jahr, denn Sportler haben an Colleges nur für vier Jahre eine Spielberechtigung, und das in einem Zeitraum von fünf Jahren."

Auch wenn er nun auf D1-Niveau kickte, sei das sportliche Level beider Unis sehr ähnlich gewesen: "Mit besserem taktischen Verständnis in Florida, weil wir mehr Europäer hatten, und höherem Tempo in New York, weil mehr Fokus auf Athletik gelegt wurde. Insgesamt ist das Niveau schwer einzuordnen, weil sich das Level innerhalb einer Liga stark unterschiedet. Es gibt keinen Auf- und Abstieg, sondern nur Playoffs mit einem Gewinner. Die schlechtesten Teams waren cirka auf dem Niveau der Landesliga oder Gebietsliga Tirol. Die besten Teams könnten sicher in der Regionalliga kicken."

Für Faistenauer war der Fußball der Türöffner in die USA, wo er auch nach dem Abschluss seiner Uni-Laufbahn geblieben ist.

Nach dem Bachelor in Betriebswertschaft in Florida und dem Master in Data Analytics in New York erfolgte der Einstieg ins Berufsleben.

Ab nach San Francisco

"Ich habe gerade einen neuen Job angenommen und arbeite nun für die Deutsche Außenhandelskammer als Projekt-Manager im Bereich Innovation Solutions mit den Themen nachhaltige Energie, Batterie-Technologie und autonomes Fahren. Wir unterstützen deutsche Unternehmen beim US-Markteintritt."

Arbeitsort? San Francisco - bekanntlich auch eine der schöneren Städte in den USA. Im Juni geht es in die kalifornische Metropole, derzeit steht noch das Home Office in Miami auf dem Programm.

"Bis dahin genieße ich die Sonne hier", lacht Faistenauer, der auch diese Geschichte während eines Strand-Besuchs erzählt.

Auch wenn der Plan vor zehn Jahren beim FC Bayern ein anderer war: Schlecht gelaufen ist es keineswegs, und der Fußball hatte seinen fairen Anteil daran.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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