Das ist Wöbers Ausgangslage in Amsterdam

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Ein Rot-Weiß-Roter im Weiß-Roten Dress.

Maximilian Wöbers Wechsel vom SK Rapid Wien zum AFC Ajax gehört sicherlich zu den heimischen Transfer-Highlights des Sommers.

Der 19-Jährige ist nach Ex-Sturm-Manager Heinz Schilcher (1971-74), Felix Gasselich (1983-85) und Darko Bodul (2008-11, 2009/10 an Sparta verliehen) der vierte Österreicher beim niederländischen Rekordmeister.

Wöbers Stammelf-Chancen sind durchaus gegeben. Gleichzeitig herrscht aber auch eine gewisse Drucksituation in Amsterdam vor.

Das sind die teuersten ÖFB-Transfers aller Zeiten:

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#25 Julian Baumgartlinger - 4 Millionen Euro - vom 1. FSV Mainz 05 zu Bayer Leverkusen - 2016/17

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#25 Andreas Ivanschitz - 4 Millionen Euro - von Rapid Wien zu RB Salzburg - 2005/06

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#25 Moritz Bauer - 4 Millionen Euro - von Grasshoppers Zürich zu Rubin Kazan - 2016/17

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#22 Markus Suttner - 4,5 Millionen Euro - vom FC Ingolstadt zu Brighton - 2017/18

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#22 Martin Stranzl - 4,5 Millionen - vom VfB Stuttgart zu Spartak Moskau - 2005/06

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#20 Alessandro Schöpf - 5 Millionen Euro - vom 1. FC Nürnberg zu Schalke 04 - 2015/16

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#20 Erwin Hoffer - 5 Millionen Euro - von Rapid Wien zu SSC Napoli - 2009/10

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#19 Michael Gregoritsch - 5,5 Millionen Euro - vom HSV zum FC Augsburg - 2017/18

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#18 Kevin Wimmer - 6 Millionen Euro - vom 1. FC Köln zu Tottenham - 2015/16

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#16 Moritz Bauer - 6,2 Millionen Euro - von Rubin Kazan zu Stoke City - 2017/18

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#16 Marko Arnautovic - 6,2 Millionen Euro - von Twente Enschede zu Werder Bremen - 2010/11

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#14 Konrad Laimer - 7 Millionen Euro - von RB Salzburg zu RB Leipzig - 2017/18

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#14 Marc Janko - 7 Millionen Euro - von RB Salzburg zu Twente Enschede - 2010/11 

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#13 Maximilian Wöber - 7,5 Millionen Euro - von SK Rapid Wien zu Ajax Amsterdam - 2017/18

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#11 Aleksandar Dragovic - 9 Millionen Euro - von FC Basel zu Dynamo Kiew - 2013/14

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#11 Martin Hinteregger - 9 Millionen Euro - von RB Salzburg zum FC Augsburg - 2016/17

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#10 Valentino Lazaro - 10,5 Millionen Euro - von RB Salzburg zu Hertha BSC - 2017/18

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#9 Maximilian Wöber - 10,5 Millionen Euro - von Ajax Amsterdam zum FC Sevilla - 2018/19

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#7 Hannes Wolf - 12 Millionen Euro - von RB Salzburg zu RB Leipzig - 2019/20

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#7 Stefan Lainer - 12 Millionen Euro - von RB Salzburg zu Borussia Mönchengladbach - 2019/20

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#6 Xaver Schlager - 15 Millionen Euro - von RB Salzburg zu VfL Wolfsburg - 2019/20

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#5 Aleksandar Dragovic - 18 Millionen Euro - von Dymano Kiew zu Bayer Leverkusen - 2016/17

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#4 Kevin Wimmer - 19,3 Millionen Euro - von Tottenham zu Stoke City - 2017/18

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#3 Valentino Lazaro - 22 (bis 25) Millionen Euro - von Hertha BSC zu Inter Mailand - 2019/20

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#2 Marko Arnautovic - 25 Millionen Euro - von West Ham United zu Shanghai SIPG - 2019/20

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#1 Marko Arnautovic - 27,9 Millionen Euro - von Stoke City zu West Ham United - 2017/18

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Personeller und sportlicher Fehlstart

Nach dem verlorenen Europa-League-Finale gegen Manchester United (0:2) geriet Ajax in eine Abwärtsspirale.

Erst verließ Erfolgs-Coach Peter Bosz den Verein Richtung Dortmund. Anfang Juli kollabierte Abdelhak Nouri im Testspiel gegen Werder Bremen und trug schwere Hirnschäden davon. Das Gedenken an die Nachwuchs-Hoffnung prägte den Saisonstart, der sportlich misslang.

Ajax scheiterte in der dritten Quali-Runde für die Champions League als besseres Team am OGC Nizza (1:1, 2:2). Gegen Rosenborg Trondheim droht nun sogar das EL-Aus (HS: 0:1). Zum Eredivisie-Auftakt setzte es bei Heracles Almelo (1:2) die erste Niederlage seit 1965.

Als dann auch noch Davinson Sanchez - Shooting-Star der vergangenen Saison - das Weite suchte (zu Tottenham für 40 Mio. Euro, plus 2 Mio. Boni), forderte sogar Mittelfeldspieler Hakim Ziyech bei "Ziggo Sports" endlich Verstärkungen: "Es ist frustrierend. Es ist jedes Jahr dasselbe. Sie haben nichts aus den Fehlern vom letzten Jahr gelernt. Harte Worte? Ja, aber auch die Realität."

Marc Overmars unter Druck

Fast 200 Millionen Euro lukrierte Ajax aus Transfers der letzten vier Jahre. Ausgegeben wurden im selben Zeitraum nur 65 Millionen Euro.

7,5 weitere Millionen Euro sollen nun für Maximilian Wöber, der damit zum teuersten österreichischen Bundesliga-Abgang avanciert, nach Wien-Hütteldorf überwiesen werden.

Zugänge von um Mio. Euro Abgänge zu um Mio. Euro
17/18 Max Wöber Rapid 7,5 Davinson Sanchez Tottenham 40
Luis Manuel Orejuela Deportivo Cali 3,65 Davy Klaassen FC Everton 27
Jairo Riedewald Crystal Palace 9
16/17 David Neres FC Sao Paulo 12 Arik Milik SSC Napoli 32
Hakim Ziyech FC Twente 11 Jasper Cillessen FC Barcelona 13
Davinson Sanchez Atletico Nacional 5 Riechedly Bazoer VfL Wolfsburg 12
Mateo Cassiera Deportivo Cali 5,5 Anwar El Ghazi LOSC Lille 7
15/16 Nemanja Gudelj AZ Alkmaar 6 Ricardo Kishna Lazio Rom 3
Arik Milik Leverkusen 2,8 Kolbeinn Sightorsson FC Nantes 3
Amin Younes Gladbach 2,5
14/15 Daley Sinkgraven Heerenveen 7 Daley Blind Manchester U. 17,5
Nick Viergever AZ Alkmaar 2 Siem de Jong Newcastle U. 8,7

Diese Größenordnung ist keine Selbstverständlichkeit in Amsterdam (siehe Tabelle).

Sportdirektor Overmars wird von Fans nicht grundlos als "Netto-Marc" verspottet. Aufgrund des Fehlstarts stieg zuletzt der Druck auf die Transferpolitik.

Rapid ist aktuell der große Profiteur des Wechsel-Pokers. Linksfüßige Innenverteidiger sind rar gesät. Hätte Wöber bereits im Juni zugesagt, wäre wohl weit weniger Geld zum SK Rapid Wien geflossen.

Viergever als Hauptkonkurrent

Der Abgang von Sanchez erhöht zudem Wöbers Einsatz-Chancen gewaltig.

Einzig Matthijs De Ligt ist als rechter Innenverteidiger gesetzt. Der 18-Jährige verlängerte am Montag bis 2021. Um den Platz links davon kämpft der österreichische Neuzugang nun mit Nick Viergever.

Letzterer wechselte 2014 von AZ Alkmaar nach Amsterdam und agierte durch seine Allround-Fähigkeiten meist als Lückenfüller in der Defensive. Letzte Saison sicherte sich der 28-Jährige aufgrund starker Leistungen aber überraschend einen Stammplatz. Er profitierte dabei zwar auch vom aufspielenden Sanchez, vertrieb dadurch aber immerhin das einst hoch gehandelte Talent Jairo Riedewald zu Ex-Coach Frank De Boer nach England zu Crystal Palace (9 Mio.).

Die Kampfkraft ist Viergevers größte Stärke. Am besten zu beobachten im EL-Viertelfinale bei Schalke, als der Niederländer in der Verlängerung einem verloren geglaubten Ball im gegnerischen Sechzehner nachjagte und die Kugel im wahrsten Sinne ins Tor presste.

Wöbers Hauptkonkurrent gilt als solide. Gerade im internationalen Vergleich dürfte er jedoch sein Entwicklungspotential bereits erreicht haben. Der 19-jährige Wöber hat im Vergleich zu seinem Konkurrenten auch in der Spieleröffnung die Nase vorne. Eine Fähigkeit, die gerade in Amsterdam wertgeschätzt wird. Beim ersten Saisonsieg gegen Groningen (3:1) schauten am Wochenende 73 Prozent Ballbesitz heraus.

Weicht Viergever auf links aus?

Zudem ist nicht auszuschließen, dass Viergever wieder als Linksverteidiger aushelfen muss. Eine Rolle, die er bereits letzte Saison ausfüllte und die bei Ajax, wie eigentlich der gesamte Kader, dünn besetzt ist.

Daley Sinkgraven, als Mittelfeldspieler von Bosz umgeschult, schlägt sich nach wie vor mit Kniebeschwerden herum. Damil Dankerlui (20) schnuppert erst in den Erwachsenen-Kader hinein. Aktuell walzt Mitchell Dijks die linke Seite nieder. Der 1,94-Meter-Mann ist sowohl defensiv als auch spielerisch bestimmt nicht die Idealbesetzung. Nicht umsonst verlieh Bosz ihn letzte Saison an Norwich City.

Unter Umständen könnte auch Wöber selbst diese Position ausfüllen. Es ist aber davon auszugehen, dass der Österreicher als Innenverteidiger eingeplant ist und links eine dynamischere Lösung gesucht wird.

Die dünne Besetzung auf der defensiven Außenbahn könnte Wöber auch anderweitig zugutekommen. Joel Veltman ist zwar gelernter Innenverteidiger, wird aber auf rechts gebraucht.

Wöbers Chance

Aus der Jugend droht aktuell keine Gefahr auf Konkurrenz. Angesichts der bisher zurückhaltenden Einkaufsphase scheint auch unwahrscheinlich, dass Overmars noch einen weiteren (teuren) Konkurrenten dazu holt. Offensivere Positionen sollten Vorrang haben.

Neo-Trainer Marcel Keizer hat seine Stammelf noch nicht gefunden. Zudem sollte Wöber die durchaus hohe Ablösesumme für das Standing helfen, diese erhöht aber freilich auch die Erwartungshaltung.

Im Juni noch als Back-Up mit eventuellen Einsatzzeiten bei den Ajax Amateuren (Jong Ajax) geplant, steht der Österreicher plötzlich im Scheinwerferlicht.

Wer im Abstiegskampf mit Rapid aber die Matura bravourös meistert, kommt aus österreichischer Sicht hoffentlich auch damit zurecht. Und die berühmte Talenteschmiede weiß bekanntlich mit Talenten umzugehen.


Wöbers letzter Auftritt im Rapid-Dress ging verloren:

Textquelle: © LAOLA1.at

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