Ex-Rieder Kragl: "Ich will zurück in die Serie A"

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13 Tore und 23 Assists in 93 Spielen - so lautet die Bilanz von Oliver Kragl für die SV Ried in der österreichischen Bundesliga. Mit dieser Statistik zog er im Jänner 2016 die Aufmerksamkeit einiger Klubs auf sich.

Am Ende entschied sich der Deutsche für einen Wechsel nach Italien, in die Serie A zu Frosinone Calcio.

Doch wie ist es dem ehemaligen Rieder Leistungsträger ergangen? Es ist ruhig um den 28-Jährigen mit dem knallharten Linksschuss geworden.

Mittlerweile kickt der selbstbewusste Kragl bei Foggia Calcio in der Serie B. Er hat aber klare Ziele, denn eines ist klar: Zu lange will er sich nicht in der zweiten Liga aufhalten, wie er LAOLA1 im Gespräch verrät.

LAOLA1: Seit Sommer spielst du in der Serie B bei Foggia, aktuell seid ihr Vorletzter.

Oliver Kragl: Das stimmt, es sieht auf den ersten Blick nicht so gut aus, aber man muss bedenken, dass uns vor der Saison acht Punkte abgezogen wurden. Da wurde anscheinend irgendwas falsch gemacht, so genau weiß ich das nicht, weil ich erst danach gekommen bin.

LAOLA1: Wie geht man als Mannschaft mit minus acht Punkten in die Saison?

Kragl: Das ist natürlich richtig scheiße. Du brauchst schon einmal drei Siege, um überhaupt in den positiven Bereich zu kommen. Aber wir können nichts anderes machen, als unsere Spiele zu gewinnen, heuer geht es nur noch darum, den Klassenerhalt zu realisieren.

LAOLA1: Die Serie B ist ohnehin keine Liga, in der es Planungssicherheit gibt. Sie besteht aus unzähligen Playoffs. Nach dem Grunddurchgang bleiben nur fünf Teams übrig, die fix in der Klasse bleiben.

Kragl: Es ist schon Wahnsinn. Hätten wir den Punktabzug nicht, wären wir ganz knapp hinter dem Aufstiegs-Playoff. Wenn viele Leute immer davon reden, dass es in Ligen keine Spannung mehr gibt, die sollen sich die Serie B anschauen. Hier kann immer alles passieren. Nächste Saison wollen wir definitiv angreifen. Aber erst einmal abwarten wie es mit mir weitergeht.

"Unter der Woche im Training hat er mich heiß gemacht und gesagt, dass ich so toll trainiere und am Wochenende spielen werde – nur ich durfte nie spielen."

Kragl über seine Probleme in Crotone

LAOLA1: Inwiefern?

Kragl: Bologna möchte mich gerne verpflichten und wer mich kennt, der weiß, dass ich unbedingt zurück in die Serie A möchte, das ist mein Ziel. Ich glaube auch, dass ich bewiesen habe, dass ich dort mithalten kann. Ich will aber nicht um jeden Preis in die Serie A. Wenn ich wechseln sollte, dann zu einem Klub, bei dem ich die Aussicht habe, längerfristig Serie A zu spielen und nicht gleich wieder der Abstieg droht. Klar, Bologna steht momentan nicht gut da, aber der Verein hat viel mehr Potenzial. Aufsteiger haben es in Italien schon sehr schwer.

LAOLA1: Wie konkret ist das Interesse aus Bologna?

Kragl: Es gab Gespräche zwischen Bologna, Foggia und auch meinem Berater. Es ist aber so, dass Bologna auch mit Leonardo Spinazzola von Juventus in Verbindung gebracht wird. Wenn sie den verpflichten können, dann holen sie mich nicht.

LAOLA1: Vergangene Saison hast du noch bei einem Serie-A-Klub gespielt, in Crotone.

Kragl: Ja, das war etwas ernüchternd. Ich kam schon verletzt dort an, aber der damalige Trainer wollte mich unbedingt haben. Dann kam einfach viel zusammen, ich musste noch einmal operiert werden und in der Zwischenzeit wurde der Trainer ausgetauscht. Dann kam Walter Zenga und mit dem hat es einfach nicht geklappt.

LAOLA1: Das soll vorkommen, aber woran hat es deiner Meinung nach gelegen?

Kragl: Er hat mich einfach nie spielen lassen. Unter der Woche im Training hat er mich heiß gemacht und gesagt, dass ich so toll trainiere und am Wochenende spielen werde – nur ich durfte nie spielen. Ich bin kein Spieler, der von der Bank kommt, ich kann nicht draußen sitzen. Da kam ich mir schon verarscht vor und hatte darauf auch keinen Bock mehr. Ich kenne meine Qualitäten und wusste, dass ich gut genug bin. Wenn ich zu Bayern München gehe, dann weiß ich, dass ich draußen sitze, aber dort hätte ich dem Team wirklich helfen können.

"Wenn du die Sprache nicht kannst, interessiert sich keiner für dich, dann wirst du links liegen gelassen."

Über die Sprachprobleme in Italien

LAOLA1: Du hast vor drei Jahren die SV Ried verlassen, vom beschaulichen Innviertel ging es in die Serie A. Ein Kulturschock oder?

Kragl: Die Umstellung war natürlich sehr groß, keine Frage. Aber ich wollte weg aus Ried, diese Herausforderung annehmen und habe mich ja auch auf Anhieb in der Serie A bei Frosinone etabliert. Besonders persönlich hat mich dieser Wechsel weitergebracht. Plötzlich war ich ganz alleine in einem Land, in dem ich die Sprache nicht konnte. Aber ich habe mir immer gesagt, dass man so eine Chance nicht verstreichen lassen darf. Ich hatte damals auch andere Angebote, wollte aber in die Serie A.

LAOLA1: Besonders in Italien ist es wichtig, schnell die Sprache zu lernen, was waren deine Erfahrungen?

Kragl: Es ist definitiv das Wichtigste. Wenn du die Sprache nicht kannst, interessiert sich keiner für dich, dann wirst du links liegen gelassen. Die Fußball-Sprache kommt schnell, das Private ist schon deutlich schwieriger.

Blickfang: Kragls Partnerin Alessia Macari

LAOLA1: Wurde dir dann vom Klub ein Sprachtrainer zur Verfügung gestellt?

Kragl: Nein, gar nicht, ich habe mich privat in eine Schule gehockt und versucht, so schnell wie möglich die wichtigsten Grundlagen zu lernen. Der Rest ergibt sich dann schnell im Alltag. Aber es hat natürlich auch den positiven Effekt, dass ich jetzt eine zusätzliche Sprache beherrsche, das nimmt mir niemand mehr und ich fühle mich auch mit der Sprache mittlerweile sehr wohl. Klar hilft es auch, dass ich eine italienische Freundin habe und viel mit ihr rede.

LAOLA1: Aber ist es nicht so, dass Legionäre oft mit falschen Versprechungen nach Italien gelockt werden?

Kragl: Wie gesagt, wenn du die Sprache nicht lernst, kann es sein, dass sich keiner für dich interessiert. Aber falsche Versprechungen würde ich nicht sagen, ich zumindest habe nur positive Erfahrungen gemacht. Natürlich hängt immer viel von deinem Trainer ab.

Bundesligazeiten in Ried
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LAOLA1: Kommen wir noch einmal zurück zur SV Ried. Hat sich der Absturz, der bis heute andauert, schon bei deinem Abschied angedeutet?

Kragl: Da muss ich mich kurz zurückerinnern, glaube aber nicht. Was halt wirklich schwierig ist, dass es sehr viele Trainerwechsel gab. Alleine in meinen zwei Jahren hatten wir drei oder vier Trainer, da kannst du dich nie wirklich auf die Ideen des Coaches einstellen. Kontinuität ist schon ein wesentlicher Faktor für Erfolg.

LAOLA1: Also war der Abstieg unausweichlich?

Kragl: Nein, so würde ich das überhaupt nicht sagen. In dem Jahr, als ich weggegangen bin, wurde am Ende ja auch noch ein ordentlicher siebenter Platz erreicht. Vielleicht war das Loch, das ich hinterlassen habe doch zu groß (lacht). Nein ernsthaft, ich war schon traurig als sie abgestiegen sind.

LAOLA1: Zum Thema „Kontinuität“, kurz vor der Winterpause stand in Ried wieder einmal ein großer Umbruch an. Trainer und Manager traten zurück.

Kragl: Ich habe auch mitbekommen, dass es einen neuen Präsidenten gibt. Damals, als Stefan Reiter ersetzt wurde, habe ich ein Posting gemacht, das auch viel Aufmerksamkeit erregt hat. Es war mir einfach wichtig, mich dazu zu äußern. Ich habe absolut nicht verstanden, warum er abgesägt wurde. Er hat über so viele Jahre unfassbar gute Arbeit geleistet, tolle Erfolge gefeiert und den Klub groß gemacht. Man sieht ja was passiert ist, nachdem er weg war. Für mich war die Entscheidung einfach nicht nachvollziehbar.

"Ich muss sagen, dass für mich Ried immer eine spezielle Stellung haben wird."

Kragl über seine Erinnerung an das Innviertel

LAOLA1: Verfolgst du die SV Ried denn noch?

Kragl: Wenn es sich zeitlich ausgeht, versuche ich schon die Spiele zu schauen. Natürlich verfolge ich nicht alles immer live. Marcel Ziegl ist einer meiner besten Freunde, wir sprechen eigentlich jeden Tag und natürlich tauscht man sich da auch über die Situation aus. Er verfolgt meinen Weg ja genauso. Ich muss sagen, dass für mich Ried immer eine spezielle Stellung haben wird. Das liegt auch daran, weil viele Spieler dort nicht nur Kollegen waren, sondern zu richtigen Freunden wurden. Mit Marcel spiele ich heute noch oft PlayStation über Headset, auch Patrick Möschl, der ja in Dresden spielt, ist dann oft dabei.

LAOLA1: Wenn du das Leben als Legionär in Österreich und Italien vergleichen müsstest, wo liegen die größten Unterschiede?

Kragl: Beide Länder waren sehr gut zu mir. In Österreich war natürlich die Sprache am Anfang ein großer Vorteil, besonders, da es meine erste Station im Ausland war, machte es mir das sehr leicht. Aber natürlich ist Fußball in Italien eine ganz besondere Sache. Klar, manche Dinge funktionieren hier etwas langsamer, wenn man einen Handwerker braucht beispielsweise, aber dafür sind die Menschen hier so offen und freundlich, das taugt mir schon.

LAOLA1: Aber du lebst aktuell direkt in Foggia?

Kragl: Ja, genau. Foggia ist genau richtig, hat 150.000 Einwohner, ist also keine Kleinstadt, aber trotzdem sehr schön zum Leben. Ich bin absolut glücklich hier und mir geht es gut.

Italienische Highlights: Fans und San Siro
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LAOLA1: Noch einmal zum Sportlichen. Als du nach Frosinone gekommen bist, wurdest du im zentralen Mittelfeld aufgestellt. Wie kam das?

Kragl: Der damalige Trainer hat mich einfach auf dieser Position gesehen und ich denke, dass ich auch im Zentrum spielen kann. Ich habe auch schon als Rechtsaußen gespielt, es kommt immer darauf an, wie dich der jeweilige Trainer sieht. Im Zentrum habe ich oft den Ball, werde aber auch viel schneller attackiert als auf dem Flügel. Dafür komme ich öfter in Abschlusssituationen, mit denen ich meinem Team helfen kann. Wenn ich rechts spiele, kann ich nach innen ziehen, um aufs Tor zu schießen und links kann ich halt dann besser flanken. Ich bin als Spieler sehr flexibel und spiele dort, wo ich mit meinen Fähigkeiten den größten Nutzen für meine Mannschaft habe.

LAOLA1: Du hast es angesprochen, Fußball hat in Italien einen ganz speziellen Stellenwert. Was macht die Faszination für dich persönlich aus?

Kragl: Ach, das sind viele Dinge. Aber am meisten beeindrucken mich die Fans – das ist wirklich das Größte, was es gibt. Das ist schon eine coole Sache, wenn man vor so euphorischen Zuschauern spielen darf. Auch wenn wir ein kleiner Klub sind, aber unsere Fans sind absolut verrückt – im positiven Sinn. Das ist richtig geil. Du wirst verehrt wie ein Superstar.

"Ich würde gerne gegen Juventus mit CR7 spielen, das wäre cool."

Kragls Wunsch

LAOLA1: Seit mittlerweile drei Jahren spielst du nun in Italien, was war dein persönliches Highlight?

Kragl: Ich habe damals mit Frosinone gegen Napoli gespielt als Higuain noch dort war, das war schon sehr geil. Und natürlich waren die Spiele im San Siro absolute Highlights – das ist wirklich ein beeindruckendes Stadion. Einen Traum würde ich mir aber noch gern erfüllen.

LAOLA1: Und zwar?

Kragl: Ich würde gerne gegen Juventus mit CR7 spielen, das wäre cool. Mal schauen, vielleicht klappt es ja noch.                                         

LAOLA1: Klingt so, als hättest du dein Glück in Italien gefunden. Ist ein Abschied aus Italien ausgeschlossen?

Kragl: Nein, ausgeschlossen sicher nicht. Wenn man ehrlich ist, können wir nur eine gewisse Zeit spielen, da muss man schon genau auf die Angebote schauen und sich jeden Schritt überlegen. Natürlich muss ich auch auf das Geld schauen. Ich möchte definitiv noch einmal in der Serie A spielen, aber wenn ich jetzt noch in Foggia bleibe, ist das auch kein Problem, ich spiele sehr gerne hier und meine Leistungen stimmen auch. Aber ja, man kann wohl definitiv sagen, dass ich mein Glück gefunden habe.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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