Neuer Arnautovic-Klub - Das ist der FC Bologna

Neuer Arnautovic-Klub - Das ist der FC Bologna
 

Das Tauziehen um Marko Arnautovic hat ein Ende. Der ÖFB-Star kehrt nach Italien zurück und schließt sich dem FC Bologna an.

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Doch wer sind die "Rossoblu", für die der Wiener künftig aufläuft? Welche Österreicher haben schon für sie gespielt? Wer ist Trainer Sinisa Mihajlovic, der den Stürmer unbedingt holen wollte? Wer ist der Geldgeber im Hintergrund? Wer sind Arnautovics neue Kollegen? Wie funktioniert die Fanszene?

LAOLA1 stellt den neuen Arbeitgeber von Marko Arnautovic vor:

(Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)

Das Team

Foto: © getty

Seit dem Aufstieg 2015 hat sich der FC Bologna im Mittelfeld der Serie A eingependelt, zuletzt wurde das Team zwei Mal in Folge Zwölfter. Die Mannschaft ist ein Mix aus routinierten Kräften und aufstrebenden, jungen Kickern. Coach Sinisa Mihajlovic setzt für gewöhnlich auf ein 4-2-3-1.

An vorderster Front war Rodrigo Palacio gesetzt, der 39-Jährige verlässt den Verein, Arnautovic ist sein Ersatzmann. Auf den Flügelpositionen sind mit dem Gambier Musa Barrow (22), Riccardo Orsolini (24) und dem Dänen Andreas Skov Olsen (21) vorwiegend junge Kicker am Werk, auch Linksaußen Nicola Sansone (29) kommt regelmäßig zum Einsatz. In der offensiven Zentrale zieht der Deutsch-Italiener Roberto Soriano die Fäden.

Die Sechser Jerdy Schouten (24, Niederlande) und Mattias Svanberg (22, Schweden) zählen wieder zur jungen Garde. Der polnische Goalie Lukasz Skorupski (30) hat es in den EM-Kader geschafft und 175 Serie-A-Partien in den Handschuhen. Zu den Talenten zählen auch noch der japanische Innenverteidiger Takehiro Tomiyasu (22), der schottische Linksverteidiger Aaron Hickey (19) und der italienische Nachwuchs-Internationale Emanuel Vignato für die Offensive.

Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Transferzeit noch eine Weile dauert und in Italien erst Fahrt aufnimmt, weshalb voraussichtlich noch einige Veränderungen im Kader vorgenommen werden. Bisher hat sich Bologna vor allem in der Innenverteidigung verstärkt, mit Kevin Bonifazi (25, SPAL) und dem zuletzt schon ausgeliehenen Adama Soumaoro (29, Lille) zwei Abwehrspieler um insgesagt 8,5 Millionen Euro verpflichtet.

VIDEO: Sorianos beste Szenen der Vorsaison



Der Trainer

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Sinisa Mihajlovic ist das, was man gemeinhin unter einer Legende versteht. Der in Vukovar geborene Serbe war Teil jener goldenen Spielergeneration Jugoslawiens, die aufgrund des Bürgerkriegs in ihrer Heimat nach Meinung vieler Experten zumindest eines großen Titels auf Nationalteam-Ebene beraubt wurde.

Der Mittelfeldspieler wurde mit Roter Stern Belgrad 1991 Meister des Europapokals der Landesmeister und Weltpokalsieger. Als Kicker kein Kind von Traurigkeit und immer wieder nationalistischer Tendenzen bezichtigt, versetzte er danach die italienischen Tifosi in Verzückung – in den Trikots der Roma, von Sampdoria, Lazio und Inter. Unvergessen der 13. Dezember 1998, als er für Lazio gegen Sampdoria drei Freistöße in einem Spiel direkt verwandelte.

Seine Karriere als Cheftrainer startete der heute 52-Jährige beim FC Bologna, blieb aber nur 22 Partien im Amt. Es folgten Engagements bei Catania, Fiorentina, als serbischer Teamchef, Sampdoria, Milan und Torino – nirgends blieb er länger als zwei Jahre. Aber auch nirgends so kurz wie bei Sporting. Nach nur neun Tagen im Amt wechselte die Klub-Führung in Lissabon und setzte den Serben schon wieder vor die Türe.

Seit Jänner 2019 ist Mihajlovic wieder in Bologna, und die Chemie stimmt. Als der Coach im Juli 2019 bekanntgab, an Leukämie erkrankt zu sein, hielt der Verein an ihm fest, eine Welle der Solidarität schwappte quer durch Italien. Seit Anfang August 2020 gilt Mihajlovic als geheilt.

VIDEO: Mihajlovic als Kicker



Der Eigentümer

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Giuseppe Saputo, gelernter Käsemacher, wanderte mit seiner Familie in der frühen 1950er Jahren aus dem sizilianischen Städtchen Montelepre nach Montreal aus. 1954 überzeugte ihn sein Sohn Lino, sich selbstständig zu machen. Mit Arbeitsmaterialien im Wert von 500 Dollar und einem Fahrrad für Lieferdienste gründete Saputo ein kleines Geschäft.

Inzwischen beschäftigt Saputo Inc. rund 17.000 Mitarbeiter, ist der Top-Produzent von Molkerei-Produkten in Kanada und auch in den USA, Argentinien, Australien und anderen Ländern überaus erfolgreich. „Forbes“ schätzt das Vermögen der Saputo-Familie auf rund 6 Milliarden US-Dollar. Joey Saputo, einer der Söhne von Familienoberhaupt Lino, ist seit 2014 Haupt-Eigentümer des FC Bologna.

Der 56-Jährige ist zudem Gründer und Eigentümer von CF Montreal, seit 2012 in der Major League Soccer aktiv. In den vergangenen Jahren wurden regelmäßig Spieler zwischen Bologna und Montreal hin und her transferiert, etwa Marco di Vaio, Andrea Pisanu, Blerim Dzemaili, Saphir Taider, Lassi Lappalainen, Sebastian Breza und noch einige mehr.

Das Stadion

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Bereits 1913 wurde an der heutigen Via Andrea Costa das Stadio Sterlino eröffnet, es bot rund 15.000 Platz und wurde nur zwölf Jahre alt. Zwischen 1925 und 1927 wurde nämlich ein neues Stadion errichtet. Zunächst trug es den Namen Stadio Littoriale, nach dem Sturz des faschistischen Regimes wurde es in Stadio Comunale umbenannt, ehe es 1983 nach einem früheren Bologna-Präsident benannt wurde, seither heißt es Stadio Renato Dall’Ara.

1927 eröffnet, fanden während der WM 1934 zwei Spiele im Stadion von Bologna statt, unter anderem der 2:1-Sieg Österreichs im Viertelfinale gegen Ungarn. Auch bei der WM 1990 wurde in Bologna gespielt.

Aktuell verfügt die Anlage über etwas mehr als 36.000 Plätze. Doch nun soll das Stadion umfangreich renoviert werden. Anfang Mai 2021 wurde ein finaler Entwurf bei der Stadt eingereicht. Die Kapazität des Stadio Dall’Ara soll auf 27.000 Plätze reduziert werden, die Tribünen näher an das Spielfeld heranrücken und komplett überdacht werden. Die Kosten von rund 100 Millionen Euro teilen sich Eigentümer Saputo, das italienische Wirtschafts- und Finanzministerium sowie die Stadt Bologna.

Als Baubeginn ist der Sommer 2022 geplant. Während der Bauarbeiten würde der Verein in ein temporäres Stadion mit rund 16.000 Plätzen in einen Agri-Food-Freizeitpark übersiedeln.

VIDEO: Stadiontour durch Bologna



Die Fans

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Der Zuschauerschnitt der „Rossoblu“ betrug seit dem bisher letzten Aufstieg 2015 bis Corona konstant rund 21.000 Fans pro Partie. Der Traditionsverein erfreut sich grundsätzlich recht großer Beliebtheit. Eine Studie von „La Repubblica“ veröffentlichte aus dem Jahr 2010 weist Bologna hinter Juve, Inter, Milan, Napoli, Roma, Fiorentina und Cagliari als achtbeliebtesten Verein des Landes aus. Demnach hat der Verein rund 600.000 Fans bzw. Sympathisanten.

Die Ultra-Bewegung in Bologna hat eine lange, ereignisreiche Geschichte. Lange Zeit dominierten die „Forever Ultras 1974“, einst als „Bologna Commandos“ gegründet, und die „Mods“ die Szene. Erstere gelten als politisch linksgerichtet, Zweitere als rechts. Dementsprechend kam und kommt es auch intern immer wieder zu Reibereien, wenngleich die „Mods“ seit 2012 nicht mehr existieren. Inzwischen sind neben den „Forever Ultras“ die „Freak Boys“ die einflussreichste Gruppe. Die Kurve ist nach wie vor sehr heterogen.

Erzrivale ist die Fiorentina. Seit die Fans der „Viola“ 1989 einen Molotow-Cocktail in einen mit Bologna-Fans besetzten Zug warfen, besteht eine erbitterte Feindschaft. Neben dem „Derby dell‘Appennino“ ist auch das „Derby dell’Emilia“ gegen Parma stets hitzig. Auch die Fans der Roma sind in Bologna nicht sonderlich beliebt.

Die Vorgänger

Die ersten Erfolge des FC Bologna sind unweigerlich mit einem Wiener verbunden. Hermann Felsner hatte seine aktive Karriere beim Wiener Sport-Club schon beendet, als er in der „Wiener Zeitung“ auf eine Anzeige aufmerksam wurde, in der der FC Bologna nach einem Trainer suchte. 1920 startete der Jurist in Bologna, krempelte die Mannschaft um, setzte auf junge Kräfte und blieb zunächst elf Jahre lang, in denen er zwei Meistertitel einfuhr.

Es folgten Engagements bei der Fiorentina, bei Sampdoria-Vorgänger Sampierdarenese Genova, beim Genoa CFC und beim AC Milan, ehe er 1938 zu Bologna zurückkehrte und dort bis 1942 erneut auf der Trainerbank saß – zwei weitere Meistertitel inklusive. 1947/48 kehrte Felsner, der in Italien auch als Ermanno Fellsner bekannt war, noch einmal zum FC Bologna zurück, nämlich als Sportdirektor. In Bologna ist der vierfache Meistertrainer immer noch als „Il mago“, der Zauberer, bekannt.

Mit Anton Cargnelli war von 1948 bis 1950 übrigens ein anderer Wiener ebenfalls zwei Saisonen lang Bologna-Coach.

Zudem haben schon drei Österreicher für Bologna gekickt: Goalie Alexander Manninger kam 2003 von Torino, war eine Saison lang Nummer zwei hinter Gianluca Pagliuca, wurde dann an Siena verliehen und ein Jahr später an Salzburg verkauft. György Garics kickte zwischen 2010 und 2015 fünf Jahre lang für den Verein und brachte es auf über 100 Pflichtspiele. Keeper Dejan Stojanovic kam im Sommer 2011 vom FC Lustenau und blieb bis 2016, inklusive halbjähriger Leihe bei Crotone, er war ein Dutzend Mal im Einsatz.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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