Darauf lässt sich Hasenhüttl bei Southampton ein

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Ralph Hasenhüttl sorgt für eine Premiere in der österreichischen Trainergeschichte!

Der 51-jährige Steirer und ehemalige Vollblut-Stürmer wird der erste Chefbetreuer, der in Englands Premier League seine Coaching-Qualitäten unter Beweis stellen darf.

Nach seinem Höhenflug mit RB Leipzig und einer kurzen Auszeit seit dem Sommer greift Hasenhüttl beim FC Southampton wieder neu an.

Kein Titelhamster, aber ein Klub, der nach Tiefschlägen mit einem Konzept punktet und dafür auf der Insel hohes Ansehen genießt.

Das erwartet Hasenhüttl bei den Saints:

Höhen und Tiefen:

Der Southampton Football Club wurde im November 1885 unter dem Namen "St. Mary's YMA" gegründet. 2001 tauschte der Klub "The Dell" gegen das "St. Mary's Stadium", in dem knapp über 32.000 Zuschauer Platz finden. Große Erfolge halten sich in Grenzen. Der FA-Cup-Sieg 1976 mit einem 1:0-Finalerfolg über Manchester United ging in die Geschichte ein, ansonsten konnten sich die Saints einmal den Vizemeister-Titel sichern (1984). An der Südküste England gelegen, spiegelt sich eine große Rivalität mit dem FC Portsmouth wider. Das "South Coast Derby" war aufgrund der Nähe der zwei Städte und ihrer Seefahrtsgeschichte geboren - sofern Southampton und "Pompey" in derselben Liga vertreten waren.

St. Mary's Stadium
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Auch Southampton war nicht durchgehend erstklassig. In der Saison 2004/05 musste der Verein erstmals aus der 1992 gegründeten Premier League absteigen, nach einigen Jahren in der Championship folgte 2009 sogar der tiefe Fall in die Football League One. Nach dem Aufstieg 2011 und dem Durchmarsch in der Championship folgte 2012 die Rückkehr in die Premier League. Nur zwei Jahre später qualififzierte sich Southampton 2014/15 als Siebenter sogar für die Europa League.

"The Saints":

Dass ein Fußball-Klub den Spitznamen "Die Heiligen" trägt, muss einen tiefergehenden Grund haben. Dieser geht 133 Jahre zurück und wurde schon bei der Vereinsgründung eingeführt. Noch heute treten die Kicker in Rot-Weiß an, noch heute feuern die Fans "The Saints" an. Denn der Verein blickt auf eine Geschichte als Kirchenklub zurück, eingeführt wurde dieser als "St. Mary's Church of England Young Men's Association".

Rettung durch Schweizer, Zukunft gehört Chinesen:

Southampton hielt den Einflüssen potenter asiatischer oder osteuropäischer Geldgeber lange stand. Schließlich war der Abstieg 2009 mit finanziellen Nöten verbunden. Mit Markus Liebherr stieg damals ein Schweizer Unternehmer und Gründer des Baumaschinenkonzerns Liebherr bei den Saints ein, um den finanziell angeschlagenen Verein wieder auf sichere Beine zu stellen. Liebherr verstarb im August 2010 im Alter von nur 62 Jahren, danach führte seine Tochter Katharina Liebherr die Geschicke beim Premier-League-Rückkehrer.

Im Sommer 2017 kam es dann doch zum Einstieg der Chinesen. Die Geschäftsfamilie Gao erwarb 80 Prozent von den Anteilen am Klub. Kolportiert wurden rund 230 bis 275 Millionen Euro, welche für den Einstieg bezahlt wurden.

Die Talenteschmiede:

Auf eines muss Ralph Hasenhüttl bei Southampton gefasst sein: Die Saints kaufen keine großen Stars, sie machen die Stars - entweder gleich aus dem eigenen Nachwuchs oder nach gutem Scouting. "Die Akademie soll 50 Prozent der Spieler des Kaders unserer Profimannschaft stellen und dabei nicht nur mit ihrem Können auf dem Feld, sondern auch mit dem Verhalten neben dem Platz glänzen", wird als Vision auf der Homepage angeführt.

Ex-Southampton-Talent Gareth Bale
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Les Reed war als "Head of Football Development" von 2010 bis November 2018 hauptverantwortlich für diese Entwicklung, das Trainingszentrum spielt alle Stückeln. Viele Klubs legten kein Hauptaugenmerk auf heimische Talente, Southampton schon. Mit dieser Strategie fahren die Engländer seit Jahren gut. Die Liste der teuren Verkäufe sucht selbst in England ihresgleichen und hat Southampton einen guten Ruf im Entwickeln der Stars von morgen eingebracht. Der Verkauf von Peter Crouch im Sommer 2005 um 10,5 Millionen Euro an den FC Liverpool war nur ein Vorbote, was noch alles kommen sollte.

Der wohl bekannteste Spieler, der in der Schmiede der Südbriten heranreifte, war aber wohl Gareth Bale. Ein großes Talent, aber damals war noch nicht abzusehen, dass er zwischenzeitlich einmal der teuerste Fußballer der Welt werden würde. So machte Southampton mit dem Verkauf an Tottenham 2007 um 14,7 Mio. Euro auf den ersten Blick zwar ein gutes Geschäft mit einem 18-Jährigen, die Ernüchterung folgte wohl aber Jahre danach, als er um 100 Mio. zu Real Madrid wechselte und Southampton nicht an der Ablöse beteiligt war. Der letzte große Coup: Virgil van Dijk wurde von Southampton geformt, Liverpool machte ihn um 78,8 Mio. Euro. zum teuersten Verteidiger aller Zeiten.

Rekord-Transfers um rund 370 Mio. Euro:

Diese Elf kann sich sehen lassen! Hierbei handelt es sich bei allen Spielern um ehemalige Rohdiamanten, denen Southampton als Sprungbrett für eine große Karriere diente. Virgil van Dijk hängt als Rekordtransfer alle ab, 78,8 Mio Euro ließ ihn sich Liverpool im Dezember 2017 kosten.

Die "Reds" sind übrigens der "Hauptabnehmer" bei Southampton. Auch Nathaniel Clyne (2015: 17,7 Mio.), Adam Lallana (2014: 31 Mio.), der Ex-Salzburger Sadio Mane (2016: 41,2 Mio.) und Dejan Lovren (2014: 25,3 Mio.) wechselten an die Anfield Road.

Auch die Londoner Klubs erben gerne von den Saints. Tottenham holte Paulo Gazzaniga (2017: 1,1 Mio.), Toby Alderweireld (2015 nach Leihe von Atletico und Kaufrecht, Southampton bekam nur 3,4 Mio. für entgangene Fix-Verpflichtung), Victor Wanyama (2016: 14,4 Mio.) und Gareth Bale (2007: 14,7 Mio.).

Auch Arsenal schlug zu, Theo Walcott holte man 2006 bereits als 16-Jährigen, damals schon um 10,5 Mio. Dazu kamen Alex Oxlade-Chamberlain (2011: 13,8 Mio.), Calum Chambers (2014, 20,23 Mio.). Luke Shaw wechselte als Riesen-Talent 2014 zu Manchester united (37,5 Mio.), ebenso wie Morgan Schneiderlin (2015, 35 Mio.).

Die Österreich-Connection:

Der Kontakt zu Ralph Hasenhüttl entstand nicht zufällig. Mit Ralph Krueger fungiert bei Southampton einer als Klub-Boss, der Österreich wie seine Westentasche kennt. Dass er irgendwann einmal im Fußball landen wird, war hingegen nicht abzusehen, denn eigentlich war der Deutsch-Kanadier im Eishockey zu Hause. Der mittlerweile 59-Jährige absolvierte als Eishockey-Crack 350 Spiele als Stürmer in der DEL und lief 45 Mal für das deutsche Nationalteam auf. Als Trainer kam er dann nach Österreich und machte VEU Feldkirch von 1994 bis 1998 fünf Mal in Folge zum Meister, dreimal gewann er auch die Alpenliga. 1998 triumphierte Feldkirch mit ihm sogar in der European Hockey League.

Southampton-Boss Ralph Krueger
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13 Jahre coachte er erfolgreich das Schweizer Nationalteam, dann zog es Krueger in die NHL - zuerst als Assistant Coach, dann als Chef der Edmonton Oilers. 2013 sollte er Kanada als Sonderberater auf Olympia 2014 vorbereiten. Dann folge der plötzliche Cut - im Februar 2014 wurde Krueger Berater bei Southampton, ein Monat später wurde er zum Vorstandsvorsitzenden ernannt, alles eingefädelt durch die Schweizer Präsidentin Liebherr, welche ihm die vorhandenen Manager-Qualitäten auch im Fußball zutraute.

Einen Österreicher wird Hasenhüttl bei Southampton auch antreffen: Christoph Klarer. Der ÖFB-U19-Teamspieler wechselte 2016 aus dem Rapid-Nachwuchs auf die Insel und arbeitete sich bei Southampton von der U18 in die U23 vor, wo er derzeit als Innenverteidiger in der Premier League 2 zum Einsatz kommt. Der 18-Jährige genießt bei den Heiligen einen hohen Stellenwert. In der U18 war er schon Kapitän, bei der U23 trägt er ebenfalls hin und wieder die Schleife. Vielleicht verschafft ihm ja gerade Hasenhüttl den nächsten Schritt zu den Profis.

Die aktuelle Lage:

Um Southampton ist es nicht gut bestellt, Hasenhüttl soll die Kohlen aus dem Feuer holen. Der Klub rangiert in der Premier League nur auf Rang 18 und damit einem Abstiegsplatz. In 14 Spielen konnte lediglich 1 Sieg, bei 6 Remis und 7 Niederlagen, eingefahren werden. Diese Bilanz kostete Mark Hughes schlussendlich den Job. Der Waliser, der von 1998 bis 2000 selbst für Southampton spielte, hatte die Saints erst im März 2018 übernommen. Auch Vize-Präsident Les Reed, einer derjenigen, der Southampton mit Strategie wieder aufbaute, wurde im November entlassen. Es steht somit ein Neustart an. Hasenhüttl übernimmt einen Kader mit überwiegend englischen Spielern, aber auch Legionären.

Die namhaftesten Kadermitglieder sind wohl Jannik Vestergaard (davor bei Gladbach, Bremen und Hoffenheim), Ryan Bertrand (u.a. Chelsea, Aston Villa), der portugiesische Europameister und 33-fache Teamspieler Cedric Soares, Ex-Bayern-Talent Pierre-Emile Höjberg, der elffache italienische Teamspieler Manolo Gabbiadini, Ex-Juve-Akteur Mario Lemina, Ex-Liverpool-Stürmer Danny Ings und der irische Teamangreifer Shane Long. Trotz angespannter Situation bekommen die Jungen trotzdem ihre Chancen. Im nicht unbedeutenden Spiel gegen Manchester United liefen etwa Michael Obafemi (18) und Yan Valery (19) in der Startelf auf.

Textquelle: © LAOLA1.at

Southampton: Dreijahres-Vertrag für Ralph Hasenhüttl

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