Röcher: "Uns fehlte wie Sturm das Spielglück"

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Mit Thorsten Röcher hat der SK Sturm Graz vergangenen Sommer ein wertvolles Offensiv-Puzzleteil verloren.

Mit seiner Technik und Laufarbeit war der Linksaußen am Weg zu Vize-Meistertitel und Cup-Sieg ein wichtiger Faktor. Eine Klausel machte den Weg ins Ausland frei, Röcher wechselte für kolportierte 1,25 Millionen Euro zum FC Ingolstadt.

Dort ist die Lage ernst. Vor dem Rückrundenstart am Dienstag bei der SpVgg Greuther Fürth (20:30 Uhr) sind die "Schanzer" Letzter. Mit Jens Keller ist zudem nach Stefan Leitl und Alexander Nouri bereits der dritte Cheftrainer in dieser Saison am Werk.

"Das erste halbe Jahr war eine super Erfahrung für mich", sagt Röcher dennoch im LAOLA1-Interview. Sturm beobachtet ihn weiterhin, wie Sportchef Günter Kreissl unlängst bestätigte.

"Ich denke, dass er weiß, dass, wenn es nicht läuft, Sturm immer über eine mögliche Zusammenarbeit reden würde", so der Grazer Sportchef. Für Röcher zählt jetzt aber einmal nur der Turnaround beim FCI.

LAOLA1: Wie würdest du dein erstes halbes Jahr beim FC Ingolstadt bilanzieren?

Thorsten Röcher: Das erste halbe Jahr war eine super Erfahrung für mich. Natürlich haben wir uns mehr erwartet. Es war sicher nicht geplant, dass wir jetzt auf dem letzten Platz stehen. Ich hoffe, dass sich unsere Situation bessert.

LAOLA1: Inwiefern war es einfacher für dich, den Schritt zu gehen, weil du schon weit in deinen 20ern bist und nicht wie manch anderer mit 18 oder 19 Österreich verlassen hast?

Röcher: Das hat sicher eine Rolle gespielt. Ich habe in Österreich genug Erfahrung gesammelt. War dann bereit mit 27 den Sprung ins Ausland zu wagen. Wir wollten von Beginn an weiter vorne mitspielen, aber mit meiner Erfahrung, die ich auch schon in Österreich sammeln konnte, bin ich mir sicher, dass wir da wieder rauskommen.

"Für mich war Sturm damals die beste Adresse. Ich habe mich auch mit Salzburg zusammengesetzt. Aber Sturm hatte das bessere Gesamtkonzept."

Thorsten Röcher

LAOLA1: Schon im Sommer 2017 warst du nicht nur in Österreich begehrt. War die Zeit damals noch nicht reif?

Röcher: Nein, das würde ich nicht sagen. Ich habe damals ein gutes Angebot von Sturm gehabt. Das hat mich am meisten überzeugt. Ich bin ein Spieler, der alles aus vollster Überzeugung macht. Damals war ich von Sturm überzeugt.

LAOLA1: Stimmt es, dass auch Rapid und Salzburg an dir Interesse gehabt haben?

Röcher: Ja, das ist richtig. Ich habe auch damals gesagt, als ich bei Sturm unterschrieben habe, dass ich den Sprung ins Ausland auch noch wagen will. Für mich war Sturm damals die beste Adresse. Ich habe mich auch mit Salzburg zusammengesetzt. Aber Sturm hatte das bessere Gesamtkonzept.

LAOLA1: Wäre es zu drastisch formuliert oder kann man sagen, dass der abgelaufene Herbst des FCI nahe einer Katastrophe war?

Röcher: Wenn man mit zehn Punkten am letzten Platz steht, ist es alles andere als optimal gelaufen. Wir haben immer wieder versucht, in jedes Spiel mit voller Konzentration und Leidenschaft zu gehen. Leider haben wir aber immer wieder Rückschläge erlitten. So war diese halbe Saison nicht einfach für uns. Jetzt haben wir einen Schlussstrich gesetzt, wollen darüber eigentlich auch nicht mehr reden. Jetzt versuchen wir, gut reinzustarten und ein gutes Frühjahr zu spielen. Dann ist noch nichts verloren.

LAOLA1: Der Kader gehört zu den wertvollsten der 2. Liga, dennoch steht man ganz hinten. Hat man im Sommer vielleicht auch falsche Erwartungen gehabt?

Röcher: Der Verein hat einen guten Kader zusammengestellt und andere Erwartungen gehabt. Die sind nicht eingetroffen. In der Mannschaft haben wir das oft genug besprochen. Wir müssen jetzt Leidenschaft zeigen und es auf den Platz bringen. Nur so kommen wir da raus.

LAOLA1: Jetzt hat es nicht nur einen, sondern sogar zwei Trainerwechsel gegeben im Herbst. Wie viel Unruhe hat das erzeugt?

Röcher: Das ist sehr bitter und habe ich so auch noch nicht erlebt. Ich glaube, dass phasenweise auch das gewisse Glück gefehlt hat. Dann ist es leider so, dass man den Trainer tauscht, wenn man auf dem letzten Platz steht. Jetzt haben wir den dritten Chef-Trainer und sind zuversichtlich, dass es klappt.

"Man merkt, dass er sehr viel Erfahrung hat. Er strahlt eine gute Autorität aus."

Röcher über Trainer Jens Keller

LAOLA1: Was macht Jens Keller besser bzw. anders als seine Vorgänger?

Röcher: Man merkt, dass er sehr viel Erfahrung hat. Er strahlt eine gute Autorität aus. Letztlich müssen wir auf dem Platz zeigen, dass wir es können. Ich bin auch sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen.

LAOLA1: Mit Marvin Matip ist ein sehr verdienter Spieler im Kader degradiert worden. Fühlst du dich noch sicher bzw. wie ist diese Aktion in der Mannschaft aufgenommen worden?

Röcher: Ich fühle mich schon sicher im Kader, bin auch sehr gut aufgenommen worden. Matip war ein super Typ, ich habe ihm danach auch noch geschrieben, genauso wie Robert Leipertz. Leider ist es so entschieden worden, aber das gehört nun einmal zum Profigeschäft. Ich schaue nach vorne. Es sind Entscheidungen, die der Verein getroffen hat und begründen kann – das ist nicht die Aufgabe von uns Spielern. Unser Job ist es, alles dafür zu tun, damit wir auf dem Platz erfolgreich sind.

LAOLA1: Durch die Neuverpflichtungen (Mavraj/Abwehr, Paulsen/Abwehr, Tschauner/Tor, Sahin/Rechtsaußen) soll so etwas wie Aufbruchsstimmung spürbar sein. Teilst du die Einschätzung oder regiert einfach das Prinzip Hoffnung?

Röcher: Nein, wir haben auf jeden Fall drei tolle neue Spieler dazubekommen. Sie sind auf ihren Positionen sehr stark. Wir konnten in der Vorbereitung auch sehr gute Ergebnisse liefern. Jetzt sind wir richtig heiß darauf, gegen Fürth ins Frühjahr zu starten. Ich bin mir sicher, dass die neuen Spieler hilfreich sein werden.

LAOLA1: Taktisch wird vermehrt auf ein 4-3-3-System gesetzt. Kommt dir das entgegen oder ist dir das ob deiner Vielseitigkeit egal?

Röcher: Ich glaube, dass ich meine besten Spiele auf der Position Linksaußen gespielt habe. Ich fühle mich dort sicher am wohlsten. Ich kann aber auch in der Mitte spielen, kann auch über rechts spielen.

LAOLA1: Du weist mit 12,9 gelaufenen Kilometern pro Spiel durchschnittlich den höchsten Wert aller Spieler der Liga auf. Was bedeutet dir so ein Bestwert?

Röcher: Das habe ich gar nicht gewusst. Ich weiß auf jeden Fall, dass ich sehr viel gelaufen bin. Meistens halt ohne Ball. (schmunzelt) Also an der Laufarbeit lag es sicher nicht im Herbst, dass es nicht so gut für uns lief. Wir sind, glaube ich, immer mehr gerannt als der Gegner. Wir müssen es einfach jetzt auf den Platz bringen, vielleicht einmal in Führung gehen, ein Tor nachlegen. Dann wird wieder mehr Sicherheit in der Mannschaft entstehen.

Mit Kerschbaumer (Bild) unternimmt Röcher viel
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LAOLA1: Du bist nicht der einzige Österreicher im Team. Sind Konstantin Kerschbaumer und Marco Knaller wichtige Bezugspersonen für dich?

Röcher: Ja, auf jeden Fall. Mit "Kerschi" unternehme ich sehr viel. Wir gehen immer wieder essen und treffen uns auch privat. Mit "Knaxi" auch, ich fahre oft mit ihm mit, wir wohnen beide im selben Ort. Da haben wir eine kleine Fahrgemeinschaft.

LAOLA1: Wie schätzt du die Situation deiner beiden Kollegen ein?

Röcher: "Kerschi" macht seine Sache sehr gut, auch wenn - wie bei jedem anderen - ein wenig das Selbstvertrauen fehlt. Er ist aber keiner, der sich aufgibt, genauso wie "Knaxi". Ich bin mir sicher, dass wir alle drei auf unsere Einsatzminuten kommen werden und wir das besser machen können als im Herbst.

LAOLA1: Wie ist die Lage bei Marco Knaller, der zu Beginn der Saison noch oft gespielt hat?

Röcher: Es ist schwierig, wenn man schon den dritten Trainer in einer Saison hat. Schließlich bringt jeder ein bisschen eine andere Vorstellung mit. Ich finde, er hat seine Sache ganz gut gemacht. Auch ihm hat in gewissen Situationen das Glück gefehlt. Aber ich bin mir sicher, dass auch er da wieder rausfindet.

LAOLA1: Mit welchem deiner ehemaligen Kollegen in Österreich hast du am öftesten Kontakt?

Röcher: Ich habe mit Philipp Huspek noch immer meinen besten Freund bei Sturm. Mit ihm tausche ich mich fast jeden zweiten Tag aus. Wir bauen uns gegenseitig auf.

LAOLA1: Er wird dir wahrscheinlich von der nicht einfachen Saison bei Sturm erzählt haben. Auch dort wurde der Trainer entlassen. Wie viel hast du davon mitbekommen?

Röcher: Es war eine ähnliche Situation wie bei uns. Ich glaube, Sturm hat in gewissen Phasen das Spielglück gefehlt. Dann war es leider nicht mehr zu verhindern, dass Heiko Vogel gehen musste. Jetzt macht Roman Mählich seine Sache sehr gut. Durch das neue Ligensystem in Österreich war da wahrscheinlich ein bisschen mehr Druck aufseiten der Vereinsverantwortlichen als sonst. Ich bin mir aber sicher, dass es Sturm ins obere Playoff schafft.

LAOLA1: Mattersburg ist weniger überraschend unten drin. Glaubst du, dass dein anderes Ex-Team auch die Klasse halten kann?

Röcher: Ich verfolge Mattersburg neben Sturm auch noch sehr oft. Die Mannschaft hat sich stabilisiert, daher werden sie mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

Wie wichtig sind die ÖFB-Legionäre in der 2. deutschen Bundesliga für ihr jeweiliges Team? Eine Übersicht:

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Sascha Horvath (Dynamo Dresden): 0 Minuten - Der ehemalige Sturm-Offensivspieler spielt in Dresden bislang überhaupt keine Rolle. Braucht dringend eine Leihe, um bei der U21-EM eine tragende Rolle spielen zu können.

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Chirstian Gartner (MSV Duisburg): 17 Minuten: Der Pechvogel! Riss sich nach zwei Kurzeinsätzen zu Saisonbeginn das Kreuzband und arbeitet seither am Comeback.

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Patrick Möschl (Dynamo Dresden): 110 Minuten - Für den Ex-Rieder läuft es nicht nach Plan. Drei Einsätze hatte er, dann zog er sich einen Sehnenrriss zu.

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Dominik Wydra (Erzgebirge Aue): 308 Minuten: In der  Vorsaison noch im defensiven Mittelfeld gesetzt, kommt der 24-Jährige nun kaum noch zum Einsatz.

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Stefan Kulovits (SV Sandhausen): 397 Minuten: Der eigentliche Kapitän war zuletzt angeschlagen, hofft im Frühjahr aber wieder auf mehr Einsätze.

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Mathias Honsak (Holstein Kiel): 632 Minuten - 2 Tore - 2 Assists: Ein Armbruch stoppte den Offensivmann, kehrte aber u.a. mit Tor im Dezember zurück.

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Robert Zulj (Union Berlin): 785 Minuten - 1 Tor - 1 Assist: Im Mittelfeld der Berliner immer wieder im Einsatz, will Ausbeute aber nach oben schrauben.

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Marco Knaller (FC Ingolstadt): 810 Minuten: Ging als Nummer eins in die Saison, verlor seinen Stammplatz aber aufgrund der Trainerwechsel wieder.

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Thorsten Röcher (FC Ingolstadt): 856 Minuten - 2 Tore - 1 Assist: Laufstärkster Spieler der Liga, der im Kampf gegen den Abstieg noch öfter zum Einsatz kommen will!

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Louis Schaub (1. FC Köln): 1.237 Minuten - 2 Tore - 10 Assists: Ein absoluter Leistungsträger! Umso bitterer, dass er den Frühjahrsstart wegen eines Knochenmarködems verpasst.

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Lukas Gugganig (SpVgg Greuther Fürth): 1.260 Minuten - 2 Tore: Schrieb im defensiven Mittelfeld der Fürther sogar zweimal an. Sah auch schon acht Mal Gelb.

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Konstantin Kerschbaumer (FC Ingolstadt): 1.404 Minuten - 2 Tore - 2 Assists: Trotz Abstiegskampf beim FCI im Mittelfeld gesetzt.

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Christopher Trimmel (Union Berlin): 1.530 Minuten - 2 Assists: Der Ex-Rapidler fühlt sich als Kapitän wohl und wird seinen Vertrag auch verlängern.

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Nikola Dovedan (1. FC Heidenheim): 1.534 Minuten - 5 Tore - 5 Assists: Rapid wollte ihn im Sommer, doch Heidenheim braucht ihn! Ende Dezember verlängerte er bis 2023.

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Manuel Prietl (Arminia Bielefeld): 1.553 Minuten - 3 Assists - Extrem wertvoller Spieler der Arminia, der sowohl im defensiven Mittelfeld, als auch in der Innenverteidigung seine Klasse zeigt.

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Lukas Hinterseer (VfL Bochum): 1.561 Minuten - 11 Tore - 5 Assists: Der Tiroler ist am besten Weg, seine schon starke Vorsaison noch zu toppen! Im Angriff unverzichtbar.

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Dominik Baumgartner (VfL Bochum): NEU! Der 22-Jährige machte den Sprung vom FC Wacker zum VfL und will seine Chance in Deutschland nutzen.

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Florian Kainz (1. FC Köln): NEU! Kam von Werder und soll bei den "Geißböcken" für zusätzlichen Schwung über die Außen sorgen.

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Textquelle: © LAOLA1.at

Austrias Thomas Ebner muss Trainingslager abbrechen

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