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Klarer: "Ein bissl kicken kann ich auch"

Düsseldorf-Legionär Christoph Klarer steht vor einer Zukunfts-Entscheidung. Inwiefern ist der Weg von Ex-Mitspieler Kevin Danso ein Vorbild? LAOLA1-Interview:

Klarer: Foto: © getty

Es ist eine spannende Phase für Christoph Klarer.

Der ÖFB-Innenverteidiger spielt mit Fortuna Düsseldorf eine gute Saison, der Rückstand auf den Drittplatzierten Heidenheim beträgt jedoch bereits acht Punkte - am Samstag (20:30 Uhr im LIVE-Ticker) gibt es im direkten Duell die Chance, im Aufstiegs-Rennen zu bleiben.

Gleichzeitig steht für den 22-Jährigen die Zukunftsentscheidung an, ob er seinen bis 2024 datierten Vertrag bei der Fortuna verlängern oder den nächsten Schritt forcieren soll.

Im LAOLA1-Interview spricht Klarer über seine Überlegungen, seine Entwicklung bei Southampton und St. Pölten sowie seinen oftmaligen Wegbegleiter Kevin Danso.

Plus: Warum er sich nicht als das absolute Supertalent sieht und wie man es trotzdem schafft.

LAOLA1: Die Fortuna spielt bislang eine gute Saison. Was fehlt zu einer sehr guten? Sprich: Wie intensiv schielt ihr in Richtung Aufstieg?

Christoph Klarer: Was ein wenig fehlt, ist die Konstanz. Wir hatten viele Ausfälle, was dazu beigetragen hat, dass wir nicht über Wochen konstant unsere Leistungen und Ergebnisse liefern konnten. Was den Aufstieg betrifft: In unserer Situation ist es am besten, wenn wir von Spiel zu Spiel schauen. Wir haben am Samstag das sehr wichtige Spiel gegen Heidenheim. Danach werden wir alle schlauer sein.

LAOLA1: Vom Anspruch her ist die Fortuna ein Bundesligist. Fehlt wirklich nur die Konstanz oder gilt es auch an anderen Schrauben zu drehen?

Klarer: Natürlich haben wir Spiele durch eigene Fehler als eigentlich bessere Mannschaft verloren. Es war selten der Fall, dass wir dominiert wurden und keine Chance hatten. Das müssen wir uns schon ankreiden lassen, dass wir Spiele verloren haben, die wir nicht verlieren hätten dürfen. Wir haben auch in den direkten Duellen mit den Top-Mannschaften nicht so gepunktet, wie wir punkten müssen, um ganz vorne dran zu sein. Aber in den nächsten Wochen kommen alle Top-Teams zu uns in die Arena. Dann können wir es ja besser machen.

"Menschlich waren natürlich die Jahre in England besonders – eine andere Sprache, dazu bei einem Premier-League-Verein zu sein, die Bedingungen dort zu erleben. Das ist überragend."

Christoph Klarer

LAOLA1: Für dich ist es bereits die dritte Saison bei der Fortuna. Wenn du deine Anfänge in Düsseldorf mit dem Status quo vergleichst: In welchen Punkten hast du dich besonders weiterentwickelt?

Klarer: Ich bin damals als junger Spieler zu einem Absteiger aus der deutschen Bundesliga gekommen. Es war alles neu und größer. Das halbe Jahr davor war ich beim SKN St. Pölten erstmals im Erwachsenen-Fußball. Bei der Fortuna habe ich mich durch viele Spiele und gute Leistungen weiterentwickelt, gemeinsam mit dem Verein sind viele positive Schritte gelungen. Es ist so aufgegangen, wie ich mir das vorgestellt habe, als ich vor drei Jahren hier unterschrieben habe.

LAOLA1: Hast du dir die Fortuna damals als Zwischenschritt vorgestellt oder doch als längere Etappe?

Klarer: Ich denke, ein Vierjahres-Vertrag zeigt, dass ich mich damals zum Verein bekannt habe. Wir hatten auch eine ganz klare Vorstellung, wie sich meine Entwicklung im besten Fall darstellen soll. Hier sind wir auf einem guten Weg.

LAOLA1: Bist du bei der Fortuna fußballerisch "erwachsen" geworden, oder ist das schon vorher bei Southampton oder St. Pölten passiert?

Klarer: Das ist schwierig zu definieren. Ich finde, ich habe bei jeder Station einiges mitnehmen können. Auch in der Jugend bei Rapid – diese fünf Jahre waren sehr wichtig für mich, ich konnte dort unter guten Trainern arbeiten. Aber menschlich waren natürlich die Jahre in England besonders – eine andere Sprache, dazu bei einem Premier-League-Verein zu sein, die Bedingungen dort zu erleben. Das ist überragend. St. Pölten war als meine erste Station nach dem Nachwuchs ein Riesen-Schritt für mich. Aber Fortuna Düsseldorf war da noch mal ein, zwei Stufen darüber, was das ganze Rundherum beziehungsweise die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit angeht. Wir haben bei jedem Heimspiel 25.000 bis 30.000 Zuschauer und natürlich den Anspruch, irgendwann in die Bundesliga aufzusteigen.

Klarer spielte dreieinhalb Jahre im Nachwuchs von Southampton
Foto: © getty

LAOLA1: Du bist bereits im Alter von 16 Jahren nach England gegangen. War dir damals schon klar, dass du deine Karriere in großen Fußball-Nationen wie England oder Deutschland verbringen willst?

Klarer: Ja, wobei ich auch sagen muss: Ich war nie das absolute Supertalent. Es gibt allerdings auch genug Supertalente, die es nicht schaffen. Ich habe mich kontinuierlich weiterentwickelt und über die Jahre immer den nächsten Schritt gemacht. Dann gelingen auch solche Schritte wie in die Southampton-Akademie oder nach Düsseldorf.

LAOLA1: Was braucht es, wenn man nicht das absolute Supertalent ist?

Klarer: Du musst heutzutage auch den Willen haben, dich weiterzuentwickeln, nach Rückschlägen weiterzumachen und stärker zurückzukommen. Ich glaube, du musst einfach härter an dir arbeiten als es andere tun. Und ein bissl kicken kann ich auch (grinst).

LAOLA1: Aber gerade wenn man sich nicht als Supertalent einschätzt, könnte man auch den Weg in Österreich bevorzugen. Das Ausland muss also eine gewisse Faszination auf dich ausgeübt haben.

Klarer: Natürlich. Wobei ich eines klar sagen muss: Ich habe mich damals bei Rapid sehr, sehr wohl gefühlt. Zu diesem Verein habe ich eine besondere Verbindung, weil meine Familie und mein Umfeld Rapid sehr nahe stehen. Aber als 16-Jähriger ist es schwer Nein zu sagen, wenn der Southampton FC auf dich zukommt, dir einen Plan vorlegt und sagt: "Wir hätten dich gerne."

LAOLA1: Du hast bei Southampton zu den Profis hingeschnuppert. Als junger Spieler kann es ja meistens nicht schnell genug gehen. Im Rückspiegel: Wie nah warst du einem Einsatz bei den Profis?

Klarer: Ich glaube schon, dass ich ein, zwei Chancen bekommen hätte. Mir hat allerdings das halbe Jahr in St. Pölten gezeigt, wie geil der Erwachsenen-Fußball ist. Für meine Entwicklung war es wichtig, weiterhin dort zu spielen. Bei Southampton wäre das Risiko groß gewesen, dass ich wieder das ganze Jahr in der U23 spiele. Das wollte ich damals einfach nicht riskieren, weil es für meine Entwicklung nicht förderlich gewesen wäre.

St. Pölten als Einstieg in den Erwachsenen-Fußball
Foto: © GEPA

LAOLA1: Ist in St. Pölten auch der Gedanke gereift, dass die zweite deutsche Liga das Level ist, das für deine Weiterentwicklung das beste ist?

Klarer: Es gab natürlich auch andere Optionen, aber die Fortuna hat einfach eine gewisse Strahlkraft. Wo sie hergekommen sind und wieder hinwollen, ist ja auch mein Ziel. Das muss man ganz klar so sagen. Ich finde aber auch, dass sich die großen österreichischen Vereine wie Rapid oder Sturm nicht mehr verstecken müssen und eine gewisse Anziehungskraft für junge Spieler haben.

LAOLA1: Wo willst du konkret hin?

Klarer: Als Fußballer strebt man immer nach dem höchsten. Natürlich habe ich eine gewisse Verbundenheit mit dem England-Thema. Es wäre schon wieder geil, weil es mir dort einfach sportlich wie menschlich richtig gut gefallen hat. Aber ich kann mir genauso eine längerfristige Zukunft bei der Fortuna vorstellen, weil ich mich hier rundum sehr wohl fühle.

"Was ist sportlich und menschlich das Beste - der nächste Schritt oder ist es besser, wenn man hierbleibt und die nächsten Schritte mit der Fortuna macht? Das sind Überlegungen, die man in den nächsten Wochen und Monaten anstellen muss."

Christoph Klarer

LAOLA1: Dein Vertrag läuft 2024 aus. Es ist handelsüblich, dass ein Jahr vorher eine Tendenz klar wird. Wie intensive Gedanken machst du dir gerade in Sachen Zukunft?

Klarer: Es wird jetzt langsam spannend. Ich merke es ja auch selber. Ich bin 22 Jahre alt und gehe im Sommer ins letzte Vertrags-Jahr. Natürlich macht man sich jetzt Gedanken: Was will man machen? Was ist sportlich und menschlich das Beste - der nächste Schritt oder ist es besser, wenn man hierbleibt und die nächsten Schritte mit der Fortuna macht? Das sind Überlegungen, die man in den nächsten Wochen und Monaten anstellen muss. Auch der Verein wird logischerweise eine gewisse Vorstellung haben, wie er mit einem Spieler plant.

LAOLA1: Wie ist die Angebotslage?

Klarer: Was ich sagen kann: Wir haben mit der Fortuna schon Gespräche bezüglich einer Vertragsverlängerung geführt. Aber es ist noch nicht so weit, dass wir einen Abschluss verkünden könnten.

Kevin Danso als Wegbegleiter bei Southampton, Düsseldorf und im ÖFB
Foto: © getty

LAOLA1: Ein Positions-Kollege, mit dem du sowohl in Southampton, als auch in Düsseldorf und im U21-Nationalteam zu tun hattest, ist Kevin Danso. Was ist er für dich: Konkurrent, Freund, Vorbild?

Klarer: Ein Mix aus allem. Bei Southampton haben wir uns kurz in jener Phase, bevor ich nach St. Pölten verliehen wurde, überschnitten. Dann haben wir uns lustigerweise hier in Düsseldorf wiedergetroffen. Kevin war damals allerdings in einer anderen Karriere-Phase. Er ist von der Premier-League-Mannschaft Southampton gekommen, nicht von der U23. Bei ihm ging es darum, Spielpraxis zu sammeln. Es war jedem bewusst, dass Kevin kein Zweitliga-Spieler ist – wie man ja jetzt auch ganz schön sehen kann. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis, es war immer ein Miteinander und nie ein Gegeneinander. Er ist ein super Spieler und ein super Mensch, von dem ich sehr profitieren konnte.

LAOLA1: Sein Lens-Trainer Franck Haise ordnet ihn inzwischen unter den besten Innenverteidigern Europas ein. War eine derartige Entwicklung absehbar?

Klarer: Dass er derartig explodiert, haben wohl die wenigsten erwartet, aber angedeutet hat es sich schon. Er war damals in der zweiten Liga auf jeden Fall einer der besten Innenverteidiger. Mich freut es extrem für ihn. Er hat sich das über die Jahre hart erarbeitet.

"Er ist der Kevin, ich bin der Christoph. Ich werde meinen Weg machen. Wo er hinführt, werden wir in den nächsten Monaten sehen. Wenn es irgendwann zu diesem Niveau reicht, auf dem Kevin gerade spielt, würde ich mich aber bestimmt nicht beklagen."

Christoph Klarer

LAOLA1: Ist er in Sachen Weg dein Vorbild?

Klarer: Es ist schwer zu sagen. Er ist der Kevin, ich bin der Christoph. Ich werde meinen Weg machen. Wo er hinführt, werden wir in den nächsten Monaten sehen. Wenn es irgendwann zu diesem Niveau reicht, auf dem Kevin gerade spielt, würde ich mich aber bestimmt nicht beklagen (grinst).

LAOLA1: Wenn es zu diesem Niveau reicht, wird auch das Thema Nationalteam sehr präsent. Wie nah oder fern fühlst du dich derzeit dem ÖFB-Team?

Klarer: Ich habe es nicht täglich im Kopf, aber natürlich: Wenn man von der U15 bis zur U21 jedes U-Nationalteam durchläuft (39 Junioren-Länderspiele; Anm.d.Red), will man irgendwann auch einmal den Schritt ins A-Nationalteam schaffen. Ich bin allerdings immer gut damit gefahren, mich auf meine Leistung zu konzentrieren und dann zu schauen, was herauskommt. Das ist der beste Weg, um es vielleicht irgendwann ins A-Team zu schaffen.

LAOLA1: Du bist nicht der einzige Österreicher bei Fortuna Düsseldorf. Noch bekommt der junge Linksverteidiger Benjamin Böckle nicht so viel Einsatzzeit. Wie schätzt du seine Entwicklung ein?

Klarer: Ich kenne es ja selbst: Das erste Jahr ist nicht so einfach. Du kommst zu einem großen Verein, bist das vielleicht noch nicht so gewohnt. Aber die Fortuna und er haben sich zu einem längerfristigen Projekt bekannt. Ich kann versichern: Mannschaftsintern glauben wir alle an ihn. Wir sehen sein Potenzial. Ich bin mir sicher, dass man in den nächsten Jahren von ihm hören wird.

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