Lukse: "Habe bewusst ein bisschen Risiko genommen"

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Andreas Lukse hat sich mit dem Wechsel zum 1. FC Nürnberg (alle Infos >>>) einen Traum erfüllt.

„Ich wollte immer schon mal ins Ausland. Wenn es dann gleich Deutschland ist, ist es umso besser“, strahlt der Wiener.

Bei den Franken ist er nicht der einzige Österreicher. Mit Georg Margreitter, Lukas Jäger und Nikola Dovedan stehen noch drei weitere ÖFB-Legionär im Kader, zudem wird der „Club“ seit Sommer von Damir Canadi gecoacht.

Jenem Trainer, der Lukse bereits nach Altach holte.

Im LAOLA1-Interview spricht der Tormann über seinen neuen Klub, die Beziehung zu Canadi und die aktuell schwierige Situation für Tormänner in Österreich.

LAOLA1: Andi, gratuliere zum Wechsel nach Nürnberg. Wie ist der Deal zustande gekommen?

Andreas Lukse: Fabian Bredlow ist vor ca. zwei Wochen zum VfB Stuttgart gewechselt. Danach hat der „Club“ jemanden gesucht, der diese Rolle übernehmen kann. Dadurch ist der Verein und das Trainerteam auf mich gekommen und so ist der Kontakt entstanden.

LAOLA1: Du hast die „Rolle“ angesprochen. Bist du als Zweier hinter Christian Mathenia geholt worden?

Lukse: Es ist klar kommuniziert worden, dass Mathenia hier die Nummer eins ist. Das war er ja auch schon das letzte Dreiviertel-Jahr in der Bundesliga. Über seine Qualitäten brauchen wir nicht reden. Er ist wahrscheinlich einer der stärksten Torhüter in der 2. Deutschen Liga. Deshalb ist meine Rolle eigentlich ziemlich klar positioniert. Sollte er aber aus unterschiedlichen Gründen nicht spielen können, werde ich zu 100 Prozent bereit sein.

"Es ist immer ein Vorteil,  wenn man mit dem Trainer schon einmal eine erfolgreiche Zeit hatte und er dich kennt. Er weiß ganz genau, was er von mir bekommt."

Lukse über Verhältnis zu Canadi

LAOLA1: Kannst du mit der Zweier-Position gut leben?

Lukse: Definitiv. Ich wollte immer schon mal ins Ausland. Wenn es dann gleich Deutschland ist, ist es umso besser. Ich bin überzeugt, dass auch Mathenia sich von mir etwas abschauen kann und er noch besser wird. Das ganze Tormannteam versucht sich zu pushen.

LAOLA1: Hat dich Trainer Damir Canadi vorab irgendwann einmal kontaktiert?

Lukse:  Nein. Ich hatte ein, zwei Gespräche mit meinem Manager, als es schon ziemlich gut mit der Vertragsunterschrift aussah. Kurz bevor ich tatsächlich unterschrieben habe, habe ich noch mit Damir telefoniert. Ansonsten gab es kein Gespräch.

LAOLA1: Canadi hat dich bereits 2014 nach Altach geholt – jetzt nach Nürnberg. Ist es ein Vorteil, wenn man den Trainer bei einem neuen Klub gut kennt?

Lukse: Auf jeden Fall. Es ist immer ein Vorteil, wenn man mit dem Trainer schon einmal eine erfolgreiche Zeit hatte und er dich kennt. Er weiß ganz genau, was er von mir bekommt. Da er mich erneut zu einem Verein holt, denke ich, dass ihm gefällt, was ich am Platz mache. Deshalb gab es auch keine große Vorstellung zwischen uns beiden.


LAOLA1: Der Verein ist letzte Saison abgestiegen. Es gibt quasi einen Neuanfang. Merkt man schon eine gewisse Aufbruchsstimmung?

Lukse: Ich bin zwar erst seit Freitag da, hatte aber schon viele Trainingseinheiten. Das komplette Trainingsgelände in Nürnberg ist einfach eine ganz andere Liga. Das kann man mit Österreich überhaupt nicht vergleichen. Fast der ganze Komplex wurde vor sieben Jahren neu gebaut – auf Bundesliga-Niveau. Der Campus muss sich vor keinem Klub in Deutschland verstecken. Da erkennt man die ganze Kragenweite, die dieser Traditionsverein besitzt. Nach einem Abstieg gibt es immer einen großen Kaderumbruch und einen Neustart.

LAOLA1: Mit dir sind vier Österreicher im Nürnberg-Kader. Du kennst vor allem Nikola Dovedan und Lukas Jäger sehr gut aus deiner Zeit bei Altach. Erleichtern dir die Kollegen den Einstieg?

Lukse: Ich kenne auch Georg Margreitter von früheren Nachwuchs-Nationalteams. Dazu das Trainerteam mit Eric Orie und Canadi sowie Teambuilder Michael Prokop. Es ist schon angenehm, wenn man ein paar bekannte Gesichter von früher in der Mannschaft hat. Aber ich denke, ich bin ein offener Typ und werde mich so oder so schnell integrieren. Man sagt ja gerne: Im Leben trifft man sich immer zwei Mal, im Fußball sind es dann aber drei oder vier Mal.

LAOLA1: Auch wenn du erst kurz in Deutschland bist: Das Medieninteresse ist schon ein anderes, als in Altach, oder?

Lukse: Ja, schon beim Training sind viel mehr Leute zuschauen. Deutschland und Fußball – das hat eine viel größere Power als in anderen Ländern. Ich sehe es positiv. Der Druck hier ist natürlich wesentlich höher, als bei anderen Klubs. Aber das macht den Fußball aus, wenn viele Leute mitfiebern und mitleben.

"Am Tormann-Sektor in Österreich war von Anfang sehr wenig Bewegung drinnen. Es hieß zwar immer, der oder der geht ins Ausland und wenn das passiert, dann würde eine Tür aufgehen und das Radl ins Laufen kommen."

Lukse über die Tormann-Situation in Österreich

LAOLA1: Apropos Altach: Dein letztes Jahr hättest du dir dort wohl auch anders vorgestellt.

Lukse: Natürlich, aber das ist Vergangenheit. Ich habe mich im Winter dazu entschieden, den Verein zu verlassen und ein neues Kapitel aufzuschlagen. Ich schaue nur noch vorne.

LAOLA1: Du hattest eigentlich viel Zeit, um einen neuen Verein zu finden. Warum hat es so lange gedauert?

Lukse: Es war schwierig, im Frühjahr schon etwas Fixes ab Sommer zu finden. Es gab Optionen. Mich hätte die A-League in Australien gereizt. Da gab es Gespräche mit Melbourne und einem Klub aus Neuseeland, der ebenfalls in der A-League spielt.

LAOLA1: Gab es keine Möglichkeit, in Österreich unterzukommen?

Lukse:  Am Tormann-Sektor in Österreich war von Anfang sehr wenig Bewegung drinnen. Es hieß zwar immer, der oder der geht ins Ausland und wenn das passiert, dann würde eine Tür aufgehen und das Radl ins Laufen kommen. Aber fast jeder Goalie hat bei seinem Stammverein verlängert. Daher war mir schnell klar, dass ich in Österreich recht schwer wo unterkommen werde.

LAOLA1: Bist du im Nachhinein ein wenig überrascht, dass jemand wie du, der vor drei Jahren noch im Nationalteam war, so lange gebraucht hat, um einen neuen Klub zu finden?

Lukse: Klar war es nicht einfach, ohne Verein in den Sommer zu gehen. Aber ich habe mich bewusst dazu entschieden und ein bisschen Risiko in Kauf genommen. Schlussendlich war es aber die richtige Entscheidung, ein wenig abzuwarten. Jetzt freue ich mich riesig auf die neue Aufgabe 1. FC Nürnberg.

Textquelle: © LAOLA1.at

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