Zweiter Stern für "Equipe Tricolore"

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Der zweite Stern für "Les Bleus" wird wohl noch einige Zeit ganz hell strahlen. Frankreich krönt sich mit einem 4:2-Sieg im Finale gegen Kroatien, 20 Jahre nach dem Triumph bei der Heim-WM, erneut zum Weltmeister.

Kylian Mbappe, der damals noch nicht geboren war und in Russland zum Jung-Spieler des Turniers gekürt wurde, ist außer sich vor Freude. "Ich bin so glücklich. Unsere Ambition war es, zu gewinnen. Der Weg zum Titel war weit, aber wir sind sehr stolz darauf, dass wir die Franzosen glücklich machen konnten, damit sie ihre Alltags-Sorgen vergessen können."

"Jetzt feiern wir, und wir werden den ganzen Sommer feiern. Es gibt eine Zeit für alles - in ein paar Wochen werden wir dann wieder mit der Arbeit beginnen können."

Jubel in Moskau und der Heimat

Binnen Minuten nach Abpfiff der Partie gegen Kroatien strömten Zigtausende Fußballfans auf die Champs-Elysses und verwandeln sie in eine Feiermeile voller Frankreich-Fahnen. "Dieser Sieg macht mich so stolz", sagt eine Feiernde auf dem Prachtboulevard. "Diese Weltmeisterschaft hat uns alle zusammengeschweißt." Überall war der Sprechchor "On est les champions" ("Wir sind die Champions") zu hören. Die Polizei sperrte den Bereich um den Prachtboulevard bereits während des Spiels vorsorglich großräumig für Autos. Die größten Jubelfeiern gab es in einer Fanzone mit 90.000 Menschen vor dem Eiffelturm. In der Kathedrale Notre-Dame läuteten zu Ehren der "Equipe Tricolore" die Glocken.

Im Stadion in Moskau erlebten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Kroatiens Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic gemeinsam das Spiel. Während Macron ausgelassen jubelte und ein Freudentänzchen aufführte, tröstete Grabar-Kitarovic ihre Spieler. Pünktlich zur Siegerehrung überraschte ein Platzregen sie sowie die ebenfalls anwesenden Gastgeber Vladimir Putin und FIFA-Chef Gianni Infantino. Die Regenschirme ließen auf sich warten, der Schauer hielt den frisch gebackenen Weltmeister aber nicht vom Feiern ab.

Unter großem Jubel stemmte Kapitän Hugo Lloris den Goldpokal in den regennassen Abendhimmel des Moskauer Luschniki-Stadions. Gleichzeitig setzte eine massive Fontäne mit goldenem Konfetti ein, das sich wie ein Teppich auf den Rasen der Final-Arena legte - und auch an den Spielern klebte. Anschließend brannten die Organisatoren ein riesiges Feuerwerk über dem Stadion ab und machten den Regen wohl schnell wieder vergessen.

Von der Fanzone zum WM-Titel

Antoine Griezmann, der wie Kylian Mbappe, vier Tore für den Weltmeister erzielen konnte, wusste nach dem Spiel nicht ganz was vor sich geht. "Ich kann es noch gar nicht realisieren. Ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft, die Spieler, den Trainerstab und die Betreuer. Wir waren eine vereinte Truppe".

Dass in Paris die Post abgegangen ist (Hier gibt es die besten Bilder), weiß auch der Atletico-Legionär. "Wir haben etwas Unglaubliches geschafft, wir haben Geschichte geschrieben und das werden wir genießen", sagt Griezmann. "Wir werden unsere Familien wiedersehen und feiern. Morgen wird es in Frankreich auch so sein. Wir werden mit den Franzosen feiern."

Vier Tore weniger als Griezmann hat Stürmer Olivier Giroud erzielt. Der England-Legionär, der von vielen heftig kritisiert wurde, darf nun über den WM-Titel jubeln. "In der Kabine feiern wir gerade mit den Präsidenten Macron und Putin und ich wurde auserwählt, mit der Presse zu reden", sagt der 31-Jährige während der Feierlichkeiten. "Eigentlich will ich so schnell wie möglich zu meinen Teamkollegen zurück. Ich war die letzten zehn Minuten auf der Bank und als der Abpfiff kam, sind alle Dämme gebrochen. Ich bin einfach gerannt und habe geweint."

Dieses Finale wird am Stürmer aber nicht spurlos vorbeigehen. Ähnlich wie Franco Foda nach dem Meistertitel mit Sturm Graz, muss der Angreifer Haare lassen: "Ich werde sicher meine Wette einlösen und mir den Kopf rasieren lassen. Aber bitte erst nach der Taufe meines dritten Kindes."

Benjamin Pavard, der als eine der Entdeckungen des Turniers gilt, zieht einen Vergleich mit einer französischen Verteidiger-Legende. "Lilian Thuram war immer mein Idol und jetzt bin ich wie er Weltmeister."

Seinen WM-Titel kann der Stuttgart-Verteidiger kaum fassen. "Ich bin aus dem Nichts gekommen, vor zwei Jahren stand ich noch mit meinen Kumpels während der EM in der Fanzone. Nun bin ich Weltmeister, mit nur 22 Jahren. Ich kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen und mit den Franzosen zu feiern."

Achterbahnfahrt nach Heim-WM

Die letzten 20 Jahre waren für die "Equipe Tricolore" eine bewegte Zeit. 2000 konnte das Team um Zinedine Zidane die Europameisterschaft gewinnen, zwei Jahre später gab es bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea ein blamables Gruppen-Aus. Auch in Portugal gibt es wenig zu jubeln, bei der EURO 2004 scheidet man im Viertelfinale gegen den späteren Sieger aus Griechenland aus.

2006 die Wende: In Deutschland zieht Frankreich in das WM-Finale ein. Ein epochaler Kopfstoß und ein Elfmeterschießen später, jubelt Italien. Bei der EURO in Österreich und der Schweiz gibt es zwei Jahre später das Aus in der Gruppenphase. So auch bei der WM 2010 in Südafrika. Der Tiefpunkt in der stolzen Fußball-Geschichte der "Grande Nation". Revolte, Streik, Beleidigungen - kurzum: Die Komplett-Blamage. Sportlich verheerend, ausgeschieden nach drei Spielen, hinterlassen Mannschaft und Trainer Domenech alles, nur kein Bild von Einheit und Brüderlichkeit. Der Trainer muss wenig überraschend gehen.

Bei der EURO 2012 schafft man es, wie auch bei der WM 2014, ins Viertelfinale. Nach dem Turnier in Polen und der Ukraine übernimmt Didier Deschamps die Mannschaft. Bei der Heim-Europameisterschaft scheitert man erst im Finale an Portugal.

In Russland gelingt einer talentierten Truppe endlich der große Wurf. Die Mannschaft brilliert zuerst nicht, kommt aber problemlos in die K.o.-Runde. Frankreich schlägt dort Argentinien 4:3, Uruguay 2:0 und stoppt auch das starke Belgien. Nicht zuletzt dank taktischer Finesse, die eher zweckdienlich pragmatisch als künstlerisch wertvoll ist, gewinnen die Blauen 1:0 und ziehen zum dritten Mal in 20 Jahren in ein WM-Finale ein. Dort wird Kroatien nach starker zweiter Hälfte noch recht deutlich mit 4:2 besiegt. Deschamps darf den WM-Pokal auch als Trainer in die Höhe stemmen.

Was der zweite Stern den Franzosen bedeutet, konnte man auch am frenetischen Jubel von Präsident Emmanuel Macron erkennen. Der Staatschef besuchte seine Landsmänner nach dem WM-Triumpf in der Kabine, wo er sich von Verteidiger Benjamin Mendy zu einem "Dab" hinreißen lässt. So ausgelassen feiern die Franzosen>>>

Macron war allerdings nicht nur bei den Siegern, er besuchte auch die Kabine der Kroaten und sprach dort den Vize-Weltmeistern Mut zu. "Ich freue mich sehr für Frankreich", sagt der Staatschef nach dem Finale. "Ich bin sehr stolz auf die Spieler und auf das kroatische Team, das ein sehr gutes Spiel gemacht hat."

Die besten Bilder vom WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien:

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Kroatien nach dem WM-Finale: Trauer, aber kein Bedauern

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