"Oranje" in der Krise

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Die stolze niederländische Fußball-Nation sucht den Weg aus der Krise.

Erstmals seit über 30 Jahren droht die Nationalmannschaft zwei Großturniere in Folge zu verpassen. Von einem "Debakel" schrieb die heimische Presse, nachdem die WM-Teilnahme in Russland in weiter Ferne scheint. Bondscoach Danny Blind wurde Sonntagabend, weniger als 24 Stunden nach dem 0:2 in Bulgarien, entlassen.

"Ich bin sprachlos", sagte Routinier Arjen Robben nach der Niederlage in Sofia.

Der Verband reagierte

Der niederländische Verband KNVB reagierte, bevor es zu spät ist und bevor der Europameister von 1988, der sich dem eigenen Selbstverständnis nach zu den Großen im Weltfußball zählt, hoffnungslos zurück liegt.

Auch unter Blind, der im Juli 2015 dem ebenfalls glücklosen Guus Hiddink nachgefolgt war, hatten die Niederländer nicht zur Konstanz gefunden.

In den 17 Spielen unter der Leitung des ehemaligen Hiddink-Assistenten gelangen sieben Siege bei ebenso vielen Niederlagen. Von neun Quali-Spielen für EM oder WM wurden fünf verloren. "Ich habe alles gegeben. Es tut mir leid, dass es so endet", sagte der 55-Jährige laut einer Verbandsaussendung. An Blinds Stelle wird sein Assistent Fred Grim das Team im Testspiel gegen Italien am Dienstag in Amsterdam betreuen.

Kommt Koeman?

Der KNVB sucht indes nach einem Nachfolger. Kolportiert wurden Namen wie der bei Everton unter Vertrag stehende Ronald Koeman, Frank de Boer (vertragslos) oder Phillip Cocu (PSV Eindhoven). Gemäß Aussagen aus dem Verband sei auch ein ausländischer Coach "eine Option". Bei den Fans steht auch Louis van Gaal plötzlich wieder hoch in der Gunst. Der 65-Jährige nimmt sich derzeit eine Auszeit, ob er noch einmal als Cheftrainer arbeiten will, ist unklar.

Den Niederländern droht jedenfalls neuerlich eine Schmach. Van Gaal hatte die Elftal 2014 noch zum dritten Platz bei der WM in Brasilien geführt. Der Altmeister war umstritten, nachdem er der Auswahl eine defensive taktische Ausrichtung verpasst hatte. Seit seinem Abgang läuft bei Oranje aber praktisch alles schief. Die Qualifikation für die auf 24 Nationen aufgestockte EM im Vorjahr wurde unter Hiddink und Blind deutlich verpasst.

Zuletzt waren die in den 1970er-Jahren unter Johan Cruyff mit "totaalvoetbal" begeisternden Niederländer von 1982 bis 1986 bei drei Turnieren in Folge nur Zuschauer. Die Goldene Generation um Ruud Gullit, Franck Rijkaard und Marco van Basten holte dann den EM-Titel. Von 1988 bis 2014 qualifizierte sich der Vize-Weltmeister von 2010 mit einer Ausnahme (WM 2002) für jedes Großturnier.

Weltklasse sucht man vergebens

Anders als beim oft belächelten Nachbarn Belgien verfügt das niederländische Team derzeit über keine herausragende Spielergruppe. Arjen Robben und Wesley Sneijder sind bereits 33 bzw. 32 Jahre alt, hinter den verdienstvollen Routiniers tut sich aber ein Loch auf. Weltklasse sucht man im Alterssegment zwischen 26 und 30 vergebens.

Blind setzte in typisch holländischer Manier deshalb auf die Jugend. Ausgerechnet der 17-jährige Debütant Matthijs de Ligt patzte gegen Bulgarien beim ersten Gegentor jedoch entscheidend.

Auch dieser Schachzug brachte Blind somit Kritik ein. De Ligt hat bei Ajax Amsterdam immerhin erst zwei Ligaspiele von Beginn an absolviert.

Textquelle: © APA

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