Ajax-Talente erobern Europa-League-Bühne

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„Für ein Halbfinale bekommst du keine Medaillen“.

Damit gibt der Ajax-Vorstandsvorsitzende Edwin van der Sar die Marschroute für das Semifinale der Europa League gegen Olympique Lyon (aufgrund des niederländischen Gedenktages an die Gefallenen des 2. Weltkrieges bereits am Mittwoch, 18:45 Uhr, im LIVE-Ticker) vor.

Der Ex-Goalie muss es ja wissen. 1995 holte er mit Coach Louis van Gaal und Teamkollegen wie den De-Boer-Brüdern, Frank Rijkaard, Clarence Seedorf, Edgar Davids, Jari Litmanen, Marc Overmars und Patrick Kluivert die Champions League (1995).

Danach hat(te) Ajax damit zu kämpfen, dass Talente den Klub immer früher verließen. Dass die Schere zwischen Groß- und Kleinklubs immer weiter auseinandergeht, erleichtert die Lage für Ausbildungsklubs nicht. So gelang seither nur noch 2003 mit dem CL-Viertelfinale ein internationales Ausrufezeichen. Bis zu dieser Saison.

Es ist das erste Europacup-Semifinale der Amsterdamer seit 20 Jahren. Nach dem dramatischen Viertelfinale bei Schalke, als den Niederländern in Unterzahl noch ein Comeback in der Verlängerung glückte, ist die heutige Ajax-Truppe drauf und dran, in die Fußstapfen der 90er-Truppe zu treten.

Neben Trainer Peter Bosz, der die Mannschaft nach Frank de Boer taktisch auf die nächste Stufe hievte, und der verbesserten Transferpolitik sind auch diesmal wieder Youngsters, zum Großteil aus der eigenen Nachwuchsschule, ein Erfolgsfaktor.

LAOLA1 stellt die größten Ajax-Talente vor:

Justin Kluivert (17)

Foto: © getty

Apropos 1995. Patrick Kluivert schoss den Klub damals zum Champions-League-Titel - im Wiener Ernst-Happel-Stadion wohlgemerkt. Dessen Sohn Justin, dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten, zaubert Ajax-Fans seit seinem Eredivisie-Debüt am 15. Jänner dieses Jahres ein Lächeln ins Gesicht. Die Vorsaison verbrachte er noch in der U17, als 16-Jähriger debütierte er in der U19, wurde aber schnell zu Jong Ajax (Ajax Amateure) hochgezogen. Peter Bosz nahm ihn dann ins Winter-Trainingslager mit – Justin überzeugte und leitete in seinen ersten beiden Spielen gleich mal die Führungstreffer ein. Der Amsterdamer besticht durch einen schnellen Aufstieg und Antritt. Wendig und trickreich, gepaart mit seiner jugendlichen Unbekümmertheit ist er schwer ausrechenbar. Sein Vater und heutiger PSG-Sportdirektor war ein berühmter Mittelstürmer, er selbst ist beidfüßig auf beiden Flügeln unterwegs. „Ich möchte in sieben Jahren bei Barcelona spielen, davor aber noch in der Premier League“, gibt er bei „Goal“ eine exakte Karriereplanung vor. Und: „Ich möchte besser als mein Vater werden“.

Kasper Dolberg (19)

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Erst 2015 wechselte der Däne von seinem Heimatklub Silkeborg in die Ajax-Akademie „De Toekomst“ („Die Zukunft“). In der U19 fiel der Mittelstürmer, abgesehen von zwei Toren in der Youth-League gegen Schalke, auch verletzungsbedingt nicht sonderlich auf. Vielleicht war das auch seiner Schüchternheit geschuldet: „Er war immer ein ruhiger Junge“, erklärt sein Vater: „Wir sagten immer: „Wenn du nichts Gutes zu sagen hast, sag nichts.“

Letzten Sommer verkaufte Ajax Torgarant Arkadiusz Milik für 32 Millionen Euro zu Napoli, die Nachfolgersuche verlief schleppend. Dolberg nutzte die Chance. Der damals 18-Jährige setzte sich intern gegen Mateo Cassiera durch und knipste gleich bei seinem Debüt in der CL-Quali gegen PAOK Saloniki. Tore in der Eredivisie folgten, sodass Chelsea-Leihe Betrand Traore auf den Flügel weichen musste. Dolbergs Stärken? Das komplette Paket! Technisch versiert weiß er auch Bälle mit dem Rücken zum Tor zu verarbeiten. Die so wichtige erste Ballberührung passt. Dazu gesellt sich ein knallharter, doch platzierter Abschluss. Kopfballtore sind auch drinnen. Kein Wunder, dass Topklubs ihn am Radar haben. Daran ändert auch nichts, dass er zuletzt verletzungsbedingt an Schwung verlor und auch aufgrund mangelnder Alternativen überspielt wirkte.



Donny van de Beek (20)

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Mit elf Jahren schloss sich der Oranje-U-Nationalspieler der Jugendabteilung von Ajax an und durchlief alle Nachwuchsstufen. Sein Kampfmannschaft-Debüt feierte er bereits am 29. November 2015 in Zwolle. Sein Problem: Die Konkurrenz im Mittelfeld ist ungleich höher, der Blondschopf in der Lauerstellung. Lasse Schöne ist als defensiver Mann gesetzt, davor agieren 11-Millionen-Neuzugang Hakim Ziyech und Kapitän Davy Klaassen. Letzterer dürfte aber diesen Sommer den Schritt ins Ausland wagen, womit ein Platz frei wäre. Vielleicht für van de Beek. Der 20-Jährige ist im Mittelfeld vielseitig einsetzbar. Bei der EL-Gala gegen Schalke ersetzte er den gesperrten Schöne blendend. Die Ruhe am Ball und das Auge für den Mitspieler zeichnet ihn aus, eine gute Technik sowieso. An der Torgefahr hapert es aber noch, Klaassens 13 Ligatore wird er nur schwer toppen – muss er aber vielleicht auch gar nicht, meint Ex-Jugendtrainer Aad de Mos zu „VI“: „Er wird besser als Klaassen. Er ist ein sehr anmutiger Spieler, der ein Großer werden wird.“

Matthijs de Ligt (17)

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An Offensivpotential war Oranje im letzten Jahrzehnt reichlich gesegnet, die Defensive galt als Achillesferse. De Ligt ist ein Hoffnungsträger dafür, auch wenn er bei seinem Niederlande-Debüt patzte und nach 45 Minuten ausgewechselt wurde. Die Nominierung kam für viele zu früh, sein Aufstieg bei Ajax nicht. Letzte Saison klubintern zum „Talent des Jahres“ gewählt, traf der 1,88m-Mann im September gleich bei seinem Debüt und kürte sich damit zum zweitjüngsten Torschützen nach Clarence Seedorf. Obwohl nur 17 Jahre jung, imponiert er bereits als abgebrühter Innenverteidiger mit gutem Passspiel und gut getimten Grätschen. Auch nach vorne traut er sich, gegen Heerenveen schloss er nach Doppelpass selbst im Strafraum ab. Trotzdem ist ihm noch die mangelnde Routine anzumerken, zuletzt schlich sich der ein oder andere Fehler ein. Zur Stammformation gehört er noch nicht, Peter Bosz baut ihn behutsam auf.

Davinson Sanchez (20)

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Normalerweise brauchen Spieler aus Südamerika in Europa ein paar Monate Eingewöhnungszeit. Zu Sanchez scheint sich diese Tradition nicht durchgesprochen zu aben. Der Kolumbianer hat sich nach seinem Wechsel von Heimatklub Nacional (5 Mio. Euro) sofort in der Innenverteidigung festgespielt. Neben einer guten Spieleröffnung glänzt der 20-Jährige vor allem mit seiner körperlichen Robustheit, mit der er hinten abräumt. Hie und da geht er zu aggressiv auf den Ball, Guido Burgstaller hat ihn im EL-Viertelfinale das eine oder andere Mal abgekocht. Generell agiert Sanchez zum Ende der Saison nicht mehr ganz souverän. Auch eine Frage der Kondition: Weil er mit Nacional noch die Copa Libertadores gewann, hatte er keine Sommerpause und spielte praktisch durch. Topklubs sind trotzdem interessiert. Im Sommer sagte er Barcelona noch ab, laut Gerüchteküche hat er aber einen Vorvertrag mit den Katalanen.

Während halb Europa vom jungen Ajax-Team schwärmt, stehen bereits die nächsten Talente in der Warteschlange von

„De Toekomst“:

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Abdelhak Nouri debütierte ebenfalls bereits Ende Oktober in der Ersten. Seither parkt der 20-Jährige bei den Amateuren in der Jupiler League, der zweithöchsten Spielklasse. Dort steuerte er in 26 Spielen zehn Tore und elf Assists bei. Teilweise noch zu verspielt musste er diese Saison auch noch körperlich zulegen. Spätestens wenn Klaassen Ajax verlässt, wird Nouri aber in der Kampfmannschaft ankommen. Der offensive Mittelfeldspieler kann sich dank seiner feinen Technik auch in engen Situationen behaupten und beherrscht den tödlichen Pass. Der Ball ist „sein größter Freund“. Experte Hans Kraay jr. sieht in ihm den „neuen Iniesta“. 2014 führte er die Oranje-U17 ins EM-Finale.

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Frenkie de Jong wechselte 2015 von Willem II - für Tilburg debütierte er auch in der Eredivisie - in den Ajax-Nachwuchs. Der 19-Jährige ist Stammspieler bei Jong Ajax und gehört zu den größten Talenten, weil er etwas hat, was man nur schwer lernen kann: Das Gefühl für den Raum, eine gute Antizipation und Übersicht. Bosz führt ihn allmählich heran. Auf Dauer dürfte er Schönes Platz im Mittelfeld einnehmen.

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Carel Eiting war als geborener Amsterdamer prädestiniert für Ajax, dem er sich als 9-Jähriger anschloss. Mit 16 debütierte er in der U19, im Oktober 2016 in der Kampfmannschaft. Der 19-Jährige spielt im defensiven Mittelfeld, auch wenn er in der Jupiler League manchmal in der Innenverteidigung aushilft. Stark am Ball, gute Ballannahmen und Spielverständnis.

Auch wenn Ajax zweifellos zu den besten Talenteschmieden zählt, gilt aber auch für diese: Gerade im Jugendbereich ist schwer vorherzusagen, wer letztlich den Sprung in den Erwachsenen-Fußball oder gar in die Weltspitze schafft.

Das eine oder andere Ajax-Talent sollte man aber auf der Rechnung haben.


Apropos Talent: Auch Messi fing mal klein an:

Textquelle: © LAOLA1.at

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